Stahlkrise in Duisburg: HKM schrumpft von 3000 auf 1000 Arbeitsplätze - Salzgitter übernimmt Kontrolle
HKM Duisburg: 2000 Jobs weg, Salzgitter übernimmt Stahlwerk

Stahlstandort Duisburg vor tiefgreifendem Wandel: HKM schrumpft auf ein Drittel

Beim Duisburger Stahlhersteller Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) steht ein dramatischer Personalabbau bevor. Die Zahl der Arbeitsplätze soll von derzeit rund 3000 auf etwa 1000 reduziert werden – ein Verlust von etwa zwei Dritteln der Belegschaft. Gleichzeitig vollzieht sich ein bedeutender Eigentümerwechsel: Der Stahlkonzern Salzgitter wird künftig die alleinige Kontrolle über das Werk übernehmen.

Eigentümerwechsel und Ausstieg von Thyssenkrupp

Die Gesellschafter Thyssenkrupp Steel und Salzgitter haben sich auf Eckpunkte für den Ausstieg von Thyssenkrupp verständigt. Salzgitter, das bereits 2025 sein Interesse an einer Komplettübernahme bekundet hatte, wird die Anteile von Thyssenkrupp übernehmen. Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann gehörten bisher zu gleichen Teilen Thyssenkrupp (50 Prozent), Salzgitter (30 Prozent) und Vallourec (20 Prozent).

Vermittelt wurde die Einigung vom früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Der Verkauf der Thyssenkrupp-Anteile an Salzgitter soll zum 1. Juni 2026 erfolgen. Die Belieferung von Thyssenkrupp Steel wird bereits Ende 2028 auslaufen – vier Jahre früher als ursprünglich geplant. Finanzielle Details zu der Transaktion wurden von den beteiligten Unternehmen nicht genannt.

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Reaktionen aus Politik und Gewerkschaft

Die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen begrüßten die Einigung trotz der schmerzhaften Konsequenzen für die Beschäftigten. Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, betonte: „Sie kann bei allen schmerzhaften Folgen eine verantwortungsvolle Lösung sein. Die Beschäftigten müssen nun schnell Klarheit bekommen. Wenn wir Industrieland bleiben wollen, brauchen wir eine wettbewerbsfähige Stahlindustrie.“

Sein niedersächsischer Amtskollege Olaf Lies (SPD) erklärte: „Mit der heutigen Verständigung ist ein wichtiger Schritt gelungen, einen drohenden Strukturbruch abzuwenden und Beschäftigung und Wertschöpfungsketten in Deutschland zu sichern.“

Auch die Gewerkschaft IG Metall zeigte sich erleichtert. Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, sagte: „Die Fortführung von HKM ist ein gutes Signal für den Stahlstandort NRW.“ Die Gewerkschaft hatte zuvor befürchtet, dass das Werk komplett geschlossen werden könnte.

Hintergründe und wirtschaftliche Entwicklung

Der Ausstieg von Thyssenkrupp aus HKM ist Teil eines umfassenden Sanierungskurses. Bei Thyssenkrupp Steel Europe sollen insgesamt etwa 11.000 Stellen abgebaut oder ausgelagert werden. Das Unternehmen befindet sich seit längerem in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage.

Für Salzgitter hingegen stellt die Übernahme einen strategischen Schritt dar. Der Konzern hatte zuletzt eine positive Entwicklung gemeldet: Der Verlust vor Steuern lag 2025 bei nur noch 28 Millionen Euro, und für das Jahr 2026 rechnet das Unternehmen sogar wieder mit schwarzen Zahlen.

Vallourec, der dritte Gesellschafter von HKM, hat ebenfalls Verkaufsbereitschaft signalisiert. Das Unternehmen erklärte in einem Statement: „Daher ist der Konzern bereit, seine Eigentumsbeteiligung zu verkaufen.“ Man werde die Vereinbarung zwischen Thyssenkrupp und Salzgitter nun prüfen.

Auswirkungen auf die Region und die Stahlindustrie

Der massive Stellenabbau bei HKM wird erhebliche Auswirkungen auf die Region Duisburg haben. Das Stahlwerk betreibt derzeit zwei Hochöfen und beschäftigt etwa 3000 Menschen. Wie und wann genau der Abbau der Arbeitsplätze beginnen wird, ist noch nicht abschließend geklärt.

Die Entwicklung bei HKM spiegelt die strukturellen Herausforderungen der deutschen Stahlindustrie wider. Während einige Standorte unter Druck geraten, versuchen andere Unternehmen wie Salzgitter, sich durch Konsolidierung und strategische Übernahmen für die Zukunft zu positionieren.

Die Entscheidung, das Werk zumindest in reduzierter Form weiterzuführen, wird von vielen Seiten als wichtiges Signal für den Erhalt der Stahlproduktion in Deutschland gewertet. Dennoch bleibt die Frage, wie die betroffenen Beschäftigten und die Region den tiefgreifenden Wandel bewältigen werden.

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