Kurz vor der Nationalen Maritimen Konferenz in Emden haben Niedersachsens Landesregierung und die IG Metall Küste ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt. Ziel ist es, die maritime Industrie in Deutschland sowie den Ausbau der Offshore-Windkraft zu stärken. Das Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, soll bei dem zweitägigen Spitzentreffen der Branche unter Leitung der Bundesregierung eingebracht werden.
Boom in der maritimen Industrie
Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, betonte, dass die maritime Industrie derzeit einen Boom erlebe. Auf den Werften und bei den Zulieferern seien die Auftragsbücher gut gefüllt, teilweise bis in die 2040er Jahre. „Wir gehen davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren 5.000 neue Jobs geschaffen werden. Wenn wir die Abgänge von Menschen, die in Rente gehen, berücksichtigen, werden insgesamt mehr als 8.000 Leute gesucht“, sagte Friedrich.
Es sei genügend Arbeit vorhanden. „Nun brauchen wir besser abgestimmte Konzepte. In der Zeitenwende braucht es Anstrengungen der gesamten Branche, ein neues Miteinander und natürlich Tarifverträge, die Arbeitsplätze und Auslastung für alle Werften und Zulieferer absichert“, so Friedrich weiter.
Leitlinien für die maritime Wirtschaft
In dem Papier werden neben industriellen, technologischen und energiepolitischen Herausforderungen auch Chancen für Wertschöpfung, Beschäftigung und die Weiterentwicklung zu einer klimaneutralen Energie- und Industrielandschaft aufgezeigt. IG Metall und Landesregierung nennen darin mehrere Leitlinien:
- Für mehr Wettbewerbsfähigkeit sollen ein konsequenter Bürokratieabbau und digitalisierte Genehmigungsverfahren helfen.
- Die Häfen sollen modernisiert und strategisch weiterentwickelt werden.
- Ein Konzept für die Offshore-Rettung, etwa bei Notfällen an Windkraftanlagen auf See, soll Zuständigkeiten, medizinische Versorgung und Finanzierung klären.
- Eine Fachkräfteoffensive soll mehr Menschen, vor allem auch mehr Frauen, für Berufe in der Offshore-Industrie ansprechen.
Regierungschef Olaf Lies betont Bedeutung
Ministerpräsident Olaf Lies unterstrich die zentrale Rolle der maritimen Wirtschaft für Niedersachsen. „Mit unserem gemeinsamen Positionspapier setzen wir auf einen klaren industriepolitischen Kurs, der Schiffbau, Offshore-Wind und die gesamte maritime Wertschöpfungskette stärkt“, sagte er. „Eine neue Industriepolitik ist für mich, dass Staat, Wirtschaft und Beschäftigte gemeinsam Verantwortung übernehmen und Planungssicherheit schaffen.“
Zur 14. Nationalen Maritimen Konferenz am 29. und 30. April werden rund 800 Gäste von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, Behörden und Politik in Emden erwartet – darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).



