Europas Industrie verlangt entschlossenes Krisenmanagement von der EU
Bei einem hochrangigen Industriegipfel in der belgischen Hafenstadt Antwerpen haben führende Wirtschaftsvertreter ein politisches Vorgehen der Europäischen Union eingefordert, das dem während der Corona-Pandemie gleicht. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten sie an die Staats- und Regierungschefs der EU, mit derselben Entschlossenheit und Führungsstärke auf die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen zu reagieren.
„Beispielloser Druck“ auf europäische Unternehmen
Der Vorstandschef des deutschen Chemiekonzerns BASF, Markus Kamieth, machte bei dem Treffen deutlich, dass die europäische Industrie unter einem beispiellosen Druck stehe. „Wir sind immer noch zu langsam und zu zögerlich bei der Umsetzung der mutigen Lösungen“, kritisierte Kamieth in Antwerpen. An dem Gipfel nahmen neben Wirtschaftsvertretern auch Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und weitere EU-Spitzenpolitiker teil.
Konkrete Forderungen an die Politik
In ihrer Erklärung formulieren die Industrievertreter mehrere konkrete Maßnahmen, die ihrer Ansicht nach dringend umgesetzt werden müssen:
- Eine deutliche Senkung der Energiekosten für Unternehmen
- Die Verhandlung von Freihandelsabkommen, die mehr Exporte europäischer Produkte ermöglichen
- Mehr Zuschläge bei öffentlichen Ausschreibungen für europäische Produkte
Vorbild Corona-Wiederaufbaufonds
Die Wirtschaftsvertreter verwiesen dabei ausdrücklich auf den milliardenschweren EU-Fördermitteltopf, der während der Corona-Pandemie geschaffen wurde. Dieser hatte den 27 EU-Staaten geholfen, die wirtschaftlichen Schäden der Pandemie zu bewältigen und gleichzeitig ihre Wirtschaft zu modernisieren. Für diesen Fonds wurden in der EU erstmals im großen Stil gemeinsame Schulden aufgenommen - ein Schritt, der zuvor als politisch unmöglich galt.
„Dank Ihrer Führungsstärke konnte die Covid-Krise überwunden und Maßnahmen ergriffen werden, die zuvor als unmöglich galten“, heißt es in der Gipfelerklärung an die EU-Spitzen. „Wir brauchen denselben Ansatz für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit.“ Die europäische Industrie wünscht sich von der EU und den Mitgliedsländern nicht nur Entschlossenheit, sondern auch konkrete Schritte zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.



