Kuka-Chef Schell: Roboter brauchen keine Beine
Kuka-Chef: Roboter brauchen keine Beine (05.08.2026)

Der Vorstandsvorsitzende des Augsburger Roboterherstellers Kuka, Peter Schell, hat in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen klargestellt: „Unsere Roboter brauchen keine Beine.“ Damit bezieht er Stellung in der Debatte um humanoide Roboter, die zunehmend in der Industrie diskutiert werden. Schell betont, dass die meisten industriellen Anwendungen mit stationären oder auf Schienen geführten Robotern effizienter gelöst werden können.

Warum Kuka auf Beine verzichtet

Die Entscheidung, auf Laufroboter zu verzichten, basiert auf einer klaren wirtschaftlichen Logik. Schell erläutert, dass die meisten Aufgaben in der Fertigung repetitiv und in festen Arbeitsbereichen angesiedelt sind. Ein Roboter mit Beinen wäre hier nicht nur teurer, sondern auch wartungsintensiver und weniger präzise. „In der Industrie zählt Präzision und Zuverlässigkeit, nicht die Fähigkeit, Treppen zu steigen“, so Schell.

Kuka setzt stattdessen auf klassische Industrieroboter, die auf dem Boden montiert oder an Decken aufgehängt werden. Diese Systeme sind in der Lage, schwere Lasten zu bewegen und hochpräzise Arbeiten auszuführen. Laut Schell sind über 90 Prozent der industriellen Aufgaben mit solchen Robotern lösbar.

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Die Zukunft der Robotik: Mobilität auf Schienen

Statt Beinen forscht Kuka an mobilen Plattformen, die sich auf Schienen oder mittels Sensoren in der Fabrik bewegen. Diese Kombination aus Mobilität und Stabilität ermöglicht es, Roboter flexibel einzusetzen, ohne die Nachteile von Laufrobotern in Kauf zu nehmen. Schell verweist auf aktuelle Projekte, bei denen Roboter auf fahrbaren Untersätzen montiert sind und so verschiedene Arbeitsstationen anfahren können.

Diese Technologie ist bereits in einigen Fabriken im Einsatz und hat sich bewährt. Sie reduziert die Stillstandzeiten und erhöht die Produktivität. „Unser Ziel ist es, die Automatisierung für mittelständische Unternehmen zugänglich zu machen“, erklärt Schell. Dazu gehören auch neue, leichtere Roboter, die ohne aufwendige Sicherheitszäune arbeiten können.

Kuka als Vorreiter der Automatisierung

Der Konzern mit Hauptsitz in Augsburg beschäftigt weltweit rund 15.000 Mitarbeiter und erzielte 2022 einen Umsatz von 3,9 Milliarden Euro. Kuka ist einer der führenden Anbieter von Industrierobotern und Automatisierungslösungen. Schell ist überzeugt, dass die Nachfrage nach Automatisierung weiter steigen wird, insbesondere in der Automobilindustrie und im Maschinenbau.

Die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Lieferkettenprobleme haben gezeigt, wie wichtig flexible und zuverlässige Produktionssysteme sind. Kuka profitiert von diesem Trend, da Unternehmen vermehrt in Automatisierung investieren, um unabhängiger von menschlichen Arbeitskräften zu werden. Schell erwartet, dass der Markt für Robotik in den nächsten Jahren jährlich um acht bis zehn Prozent wachsen wird.

Herausforderungen und Chancen

Eine der größten Herausforderungen ist die Fachkräftesituation. Es fehlen Ingenieure und Techniker, die in der Lage sind, komplexe Automatisierungslösungen zu entwickeln und zu warten. Kuka investiert daher stark in die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter und kooperiert mit Hochschulen in der Region Augsburg.

Gleichzeitig sieht Schell große Chancen in der Künstlichen Intelligenz. KI-gestützte Roboter können sich besser an wechselnde Umgebungen anpassen und lernen, neue Aufgaben zu übernehmen. Kuka arbeitet bereits an solchen Systemen und hat erste Produkte auf den Markt gebracht.

Standort Augsburg als Innovationszentrum

Augsburg ist nicht nur Sitz der Zentrale, sondern auch ein wichtiger Forschungsstandort. Hier befindet sich das Kuka Innovation Center, in dem neue Technologien entwickelt und getestet werden. Schell betont die Bedeutung des Standorts für die regionale Wirtschaft und die enge Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Freistaat Bayern.

Die Entscheidung, auf Beine zu verzichten, ist auch eine strategische: Kuka will sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und nicht in die Entwicklung humanoider Roboter investieren, die noch Jahre von der Serienreife entfernt sind. Schell sieht den Trend zu humanoiden Robotern eher als Hype denn als realen Bedarf.

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Ausblick

Kuka plant, seine Position im Weltmarkt weiter auszubauen. Neben dem klassischen Industriegeschäft setzt das Unternehmen auf neue Anwendungsfelder wie die Intralogistik und die Medizintechnik. Schell ist zuversichtlich, dass Kuka auch in zehn Jahren noch zu den führenden Robotikunternehmen gehören wird – ohne Beine, aber mit innovativen Lösungen.