Möbelhaus Pagnia nach 88 Jahren pleite: 90 Mitarbeiter betroffen
Möbelhaus Pagnia pleite: 90 Mitarbeiter betroffen

Die Geschichte begann 1938 im kleinen Niederfischbach im Westerwald. Damals gründete Josef Pagnia dort eine Schreinerei. Es war der Beginn einer Betzdorfer Möbelgeschichte. 88 Jahre später ist das Familienunternehmen pleite. 90 Mitarbeiter bangen jetzt um ihre Jobs.

Insolvenz angemeldet

Der Schritt war unausweichlich: Das Möbelhaus Pagnia in Betzdorf (Rheinland-Pfalz) musste Insolvenz anmelden. Betroffen sind auch die „Pack zu“-Filialen der Traditionsfirma in Limburg-Ahlbach und Altenkirchen sowie die Pagnia-Immobilien GmbH.

Gründe für die Pleite

Insolvenzverwalter Dr. Markus Rödder erklärte: „Wir sehen gerade bei langlebigen Konsumgütern eine deutliche Kaufzurückhaltung. Die Möbelbranche steht seit Jahren unter Druck.“ Aufgrund der wirtschaftlichen Lage in Deutschland sitze bei Kunden das Geld nicht mehr locker, auch aus Angst, den eigenen Job zu verlieren.

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Die Pleite ist ein harter Schlag für den Einzelhandel in der 10.000-Einwohner-Stadt. Besonders kleinere Möbelhäuser haben einen schweren Stand und kämpfen ums Überleben. Große Ketten und der Online-Handel setzen ihnen zu. Auch die bundesweite Möbelkette Flamme schließt alle sechs Filialen, und ein deutscher Möbelhersteller musste nach 168 Jahren Insolvenz anmelden. Hunderte Mitarbeiter sind betroffen.

Erhebliche Verluste

Insolvenzverwalter Rödder will sich nun einen Überblick über die wirtschaftliche Situation der gesamten Pagnia-Gruppe verschaffen. Er spricht bereits von „erheblichen Verlusten“, die zuletzt gemacht wurden. Sein Ziel lautet dennoch: „Wir wollen den Betrieb fortführen.“ Er weiß, dass dies keine leichte Aufgabe wird.

Vom Insolvenzverfahren, das am 17. April eröffnet wurde, sollen die Kunden zunächst nichts spüren: „Die Möbelhäuser bleiben zunächst regulär geöffnet.“ Alle Waren auf Lager werden weiterverkauft.

Wie geht es weiter?

Die Löhne der Mitarbeiter sind für die nächsten drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert, betont Rödder. Ungewiss ist jedoch, wie es langfristig mit dem Unternehmen weitergeht. 1953 eröffnete Pagnia seine erste Möbel-Verkaufsausstellung in der Betzdorfer Wilhelmstraße, 1973 folgte der Umzug an die Kölner Straße. Im Angebot: Möbel, Einbauküchen, Deko-Accessoires und Haushaltsartikel.

Bis zur Insolvenz zeichnete Gründerenkel Michael Pagnia als Geschäftsführer verantwortlich. Sein Möbelhaus hatte sich über die Grenzen von Westerwald und Siegerland hinaus einen Namen gemacht. Auf Anfrage wollte er sich nicht äußern und verwies auf Insolvenzverwalter Rödder. Der sagt mit Blick auf die Zukunft: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“ Es dürfte ein Kraftakt werden.

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