Norddeutsche Industrie reduziert Abhängigkeit von den USA in digitaler Infrastruktur
Norddeutsche Industrie wendet sich von USA ab

Norddeutsche Industrie strebt digitale Unabhängigkeit von den USA an

Infolge der protektionistischen Handelspolitik der Vereinigten Staaten suchen Industriebetriebe in Norddeutschland verstärkt nach Alternativen, um ihre Abhängigkeit von amerikanischen Anbietern zu reduzieren. Dies geht aus einer aktuellen Blitzumfrage der Industriearbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord hervor, die der Deutschen Presse-Agentur exklusiv vorliegt.

Digitale Infrastruktur im Fokus

Mehr als jeder vierte Betrieb – das entspricht über 25 Prozent – gibt an, gezielt die Abhängigkeit von US-Firmen in der digitalen Infrastruktur verringern zu wollen. Die Unternehmen sind dabei aktiv auf der Suche nach alternativen Anbietern für Softwarelösungen und KI-Anwendungen, um sich von amerikanischen Technologiegiganten unabhängiger zu machen.

Schwindendes Vertrauen in die transatlantischen Beziehungen

„Jeder Handelskonflikt mit den USA trifft auch die norddeutsche Wirtschaft empfindlich, und das Vertrauen in die seit mehr als hundert Jahren gewachsenen Beziehungen erodiert stetig“, erklärt Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von Nordmetall, in einer offiziellen Mitteilung. Laut Fickinger kehren die Unternehmen den USA zunehmend den Rücken zu und orientieren sich stattdessen stärker auf andere internationale Märkte.

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„Darum ist nicht nur das EU-Handelsabkommen mit Indien von entscheidender Bedeutung; deshalb darf auch das Abkommen mit dem Mercosur nicht länger politisch torpediert werden“, betont Fickinger weiter. Das Mercosur-Abkommen, das zu Jahresbeginn in Paraguay nach über 25-jährigen Verhandlungen unterzeichnet wurde, soll eine neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern schaffen. Allerdings ist das Abkommen noch nicht in Kraft getreten, da das Europäische Parlament im Januar eine Überprüfung beschlossen hat.

Strategische Neuausrichtung der Export- und Lieferketten

Die Umfrageergebnisse zeigen darüber hinaus, dass annähernd jeder vierte Betrieb seine Exportanstrengungen neu ordnet, um alternative Absatzmärkte jenseits der USA zu erschließen. Parallel dazu arbeitet beinahe jeder fünfte Betrieb an einer umfassenden Neuordnung seiner Lieferketten, um den Bezug von Zwischenprodukten aus den Vereinigten Staaten zu minimieren oder ganz zu vermeiden.

Gegenläufige Trends und Investitionen in den USA

Nicht alle Unternehmen wenden sich jedoch vollständig von den USA ab. Ein kleinerer Teil von sechs Prozent der Betriebe intensiviert sogar gegen den allgemeinen Trend die Zusammenarbeit und plant die Einrichtung eigener Produktionsstandorte in den Vereinigten Staaten. Diese Strategie kann dazu dienen, potenzielle Einfuhrzölle zu umgehen und den Marktzugang vor Ort zu sichern.

Umfang und Methodik der Befragung

An der repräsentativen Blitzumfrage haben sich insgesamt 147 Mitgliedsbetriebe der Verbände Nordmetall und AGV Nord beteiligt. Die Erhebung lief vom 26. Januar bis zum 4. Februar und richtete sich gezielt an Geschäftsführungen sowie Personalleitungen der Unternehmen. Nordmetall und AGV Nord vertreten nach eigenen Angaben rund 700 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 180.000 Beschäftigten in den norddeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen sowie dem nordwestlichen Niedersachsen.

Die Ergebnisse unterstreichen einen signifikanten Wandel in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Norddeutschland und den USA, der durch handelspolitische Spannungen und strategische Überlegungen zur Risikominimierung vorangetrieben wird.

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