Norddeutsche Luftfahrtindustrie fordert schnellere Vergabeverfahren und bessere Finanzierung
Norddeutsche Luftfahrt fordert schnellere Vergaben

Norddeutsche Luftfahrtindustrie unter Druck: Schnellere Vergaben gefordert

Die Luftfahrtbetriebe in Norddeutschland sehen sich mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Vor dem Hintergrund der veränderten europäischen Sicherheitslage fordert die schleswig-holsteinische Landesregierung nun dringend schlankere und beschleunigte Vergabeverfahren für die Branche. Wirtschaftsstaatssekretärin Julia Carstens (CDU) betonte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur die besondere Bedeutung der Luft- und Raumfahrtindustrie für die regionale Wirtschaft und die nationale Sicherheit.

Forum in Norderstedt bringt 180 Fachleute zusammen

Am Nachmittag des 19. Februar 2026 werden rund 180 Experten aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Politik und Verwaltung auf dem 9. Norddeutschen Luftfahrtforum in Norderstedt bei Hamburg erwartet. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen die Auswirkungen der neuen europäischen Sicherheitslage auf die Perspektiven der Luft- und Raumfahrtunternehmen. Carstens unterstrich die Dringlichkeit der Situation: „Angesichts der militärischen Bedrohung durch Russland steht nicht nur unsere maritime Verteidigungsindustrie vor neuen Anforderungen, sondern auch die mehreren hundert Betriebe der Luft- und Raumfahrt.“

Milliarden für Verteidigung müssen schnell umgesetzt werden

Die Wirtschaftsstaatssekretärin forderte eine rasche Umsetzung der vom Bund bereitgestellten zusätzlichen Milliarden für Verteidigung. „Unser Ziel muss sein, die finanziellen Mittel sowohl zur See als auch in der Luft so schnell wie möglich in moderne und zeitgemäße Rüstungsgüter umzusetzen“, erklärte Carstens. Dafür seien jedoch verbesserte Rahmenbedingungen notwendig, darunter bessere Finanzierungsmöglichkeiten, verlässliche Exportgenehmigungen und mehr Harmonisierung bei den europäischen Rüstungsexportbestimmungen.

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Planungsbeschleunigung als zentrale Herausforderung

Carstens zeigte Verständnis für Unternehmen, die sich über den künftigen Wegfall von Einzellosen im Rahmen des Gesetzes zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr beklagen. Gleichzeitig betonte sie die Priorität der Verteidigungsfähigkeit: „In Anbetracht der derzeitigen politischen und militärischen Konfliktsituationen muss es uns gemeinsam in erster Linie darum gehen, die Bundeswehr schnellstmöglich verteidigungsfähig zu machen.“ Sie riet kleinen und mittleren Betrieben, sich als Bietergemeinschaften oder in Kooperation mit großen Unternehmen an Ausschreibungen zu beteiligen.

Norddeutsche Küstenländer mit Schlüsselrolle

Den fünf norddeutschen Küstenländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern komme aufgrund ihrer geografischen Lage als Brückenkopf zu den baltischen und skandinavischen Staaten eine besondere Bedeutung zu, so Carstens. „Und alle fünf Länder verfügen über eine hohe Zahl großer wie kleiner innovativer Unternehmen der Verteidigungsindustrie.“

Wirtschaftliche Bedeutung der Luftfahrt in Norddeutschland

Die knapp 100 schleswig-holsteinischen Betriebe der Luftfahrtbranche beschäftigen nach Ministeriumsangaben zusammen etwa 3.000 Menschen. In Hamburg gilt die Luftfahrtindustrie mit 49.000 Beschäftigten als weltweit drittgrößter Luftfahrt-Standort. „Allein die beiden größten Unternehmen Airbus und Lufthansa Technik beschäftigen 33.000 Menschen – darunter 2.000 Fachkräfte aus Schleswig-Holstein“, erläuterte Carstens. Die Luftfahrt sei in Hamburg und den anderen Nordländern traditionell deutlich mehr als nur ein Wirtschaftszweig: „Sie ist – genau wie unsere Betriebe der maritimen Branche – ein gewaltiger Innovationstreiber und damit ein ganz wesentlicher Teil unserer wirtschaftlichen Basis in Norddeutschland.“

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