Bauforscher kritisieren Normenflut: Bauen wird teurer und nicht besser
Normenflut im Bau: Teurer, nicht besser

Normenflut treibt Baukosten in die Höhe

Zwei renommierte Bauforschungsinstitute schlagen Alarm: Die stetig wachsende Zahl an Baunormen verteuert das Bauen in Deutschland massiv, ohne die Qualität der Gebäude zu steigern. Laut einer gemeinsamen Analyse der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (Arge) und dem Institut für Bauforschung (IFB) sind rund 20 Prozent des starken Kostenanstiegs im Bau seit 2020 auf neue oder geänderte Normen zurückzuführen. „In Deutschland werden kontinuierlich immer neue, komplexere und schärfere Normen entwickelt, die einfache und kostengünstige Lösungen ausbremsen“, erklärten die Einrichtungen. Die Folge: Es wird weniger gebaut, warnte Arge-Institutsleiter Dietmar Walberg.

Was sind Baunormen und wie entstehen sie?

Normen sind Dokumente, die Anforderungen an Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren festlegen. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) sorgt etwa für einheitliche Papierformate oder sichere Kletterausrüstung. Im Baubereich sollen Normen Bauverfahren, Materialien und Abläufe vereinheitlichen und das Bauen sicherer und einfacher machen. Der Normungsprozess beginnt laut Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in der Regel mit einem Bedarf, der von Industrieverbänden, Unternehmen oder anderen Interessengruppen formuliert wird. Unter Beteiligung von Verbänden und Verbrauchern wird der Entwurf diskutiert, verabschiedet und veröffentlicht. Normen sind zunächst freiwillig, werden aber rechtsverbindlich, wenn Gesetze oder EU-Verordnungen auf sie verweisen. Im Baubereich ist das bei etwa 20 Prozent aller Normen der Fall.

Probleme durch überbordende Normen

Die Institute kritisieren besonders die überbordenden Normen bei der Energieeffizienz von Gebäuden und beim Schallschutz. „Fatal ist, dass die Qualität der Gebäude durch immer komplexere Normen nicht steigt“, betonte IFB-Direktorin Heike Böhmer. „Im Gegenteil: Die Anzahl und vor allem die Kosten der Bauschäden haben stark zugenommen.“ Komplexere Bauprozesse durch mehr Normen führten vermehrt zu Baufehlern. Statt die Qualität zu verbessern, verteuerten sie das Bauen erheblich.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Lösungsansatz: Gebäudetyp E

Arge und IFB fordern einen Fokus auf den sogenannten Gebäudetyp E. Dieser Planungsansatz verzichtet auf nicht notwendige Ausstattungsmerkmale und erfordert weniger Bürokratie. „Es gibt keine kostspieligen Extras: Auf komplexe und wartungsintensive Technik kann vielfach verzichtet werden“, erklärte Walberg. „Die Zahl der Steckdosen im Kinderzimmer oder Bad lässt sich in den meisten Fällen reduzieren.“ Der Gebäudetyp E soll einfaches und kostengünstiges Bauen ermöglichen, ohne die Sicherheit oder Funktionalität zu beeinträchtigen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration