Michael Obrowski wird neuer Finanzchef der Deutschen Bahn
Obrowski wird Finanzchef der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn hat einen neuen Finanzvorstand gefunden. Michael Obrowski, bislang Finanzchef der Volkswagen-Tochter VW Nutzfahrzeuge, wird zum 1. August 2026 die Position des Finanzvorstands bei der Bahn übernehmen. Das bestätigte das Unternehmen am Montag. Obrowski folgt auf Levin Holle, der nach nur wenigen Monaten im Amt überraschend zurückgetreten war. Die Vorgängerin war ebenfalls nur kurz im Amt.

Erfahrung mit Staatsbeteiligung und Tarifbindung

Obrowski bringe aus seiner Zeit bei Volkswagen zwei Eigenheiten mit, die auch bei der Bahn prägend sind: die enge Verzahnung mit einem staatlichen Anteilseigner und eine starke Tarifbindung. Volkswagen ist zwar börsennotiert, aber das Land Niedersachsen hält einen bedeutenden Anteil. Die Bahn gehört vollständig dem Bund. Zudem sind beide Unternehmen durch Tarifverträge stark reguliert.

Der 52-jährige Obrowski arbeitet seit 1999 bei Volkswagen und hatte verschiedene Führungspositionen im Finanzressort inne. Zuletzt verantwortete er seit 2021 die Finanzen der Nutzfahrzeugsparte. Bei der Bahn wird er für die Konzernbilanz, die Finanzierung und das Risikomanagement zuständig sein. Die Bahn steckt in einer tiefen Krise: Sie verzeichnet Milliardenverluste und muss dringend ihr Schienennetz sanieren.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kurze Amtszeiten der Vorgänger

Der bisherige Finanzvorstand Levin Holle war erst im März 2026 in den Vorstand berufen worden. Er trat nach internen Differenzen über die Sanierungsstrategie bereits im Mai wieder zurück. Seine Vorgängerin, die ebenfalls nur wenige Monate amtierte, war zuvor wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Finanzplanung ausgeschieden. Die Bahn suchte daher unter Hochdruck einen Nachfolger.

„Michael Obrowski ist ein ausgewiesener Finanzexperte mit langjähriger Erfahrung in einem Großkonzern. Er kennt die Herausforderungen eines staatsnahen Unternehmens und wird die Finanzierung der Bahn auf solide Füße stellen“, sagte Bahn-Aufsichtsratschef Werner Gatzer. Die offizielle Bestellung durch den Aufsichtsrat erfolgt voraussichtlich in der kommenden Woche.

Milliardensanierung steht bevor

Die Bahn steht vor gewaltigen Investitionen. Der Bund hat ein Sanierungsprogramm von über 40 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre angekündigt. Obrowski wird die Aufgabe haben, die Finanzierung dieser Summe sicherzustellen, gleichzeitig die Verschuldung des Konzerns zu reduzieren und die operative Rentabilität zu verbessern. Im vergangenen Jahr machte die Bahn einen Verlust von rund 3,5 Milliarden Euro.

Obrowski selbst zeigte sich zuversichtlich: „Die Bahn ist das Rückgrat der Mobilitätswende in Deutschland. Ich freue mich darauf, meine Erfahrung aus der Automobilindustrie einzubringen, um die finanzielle Stabilität des Konzerns zu sichern und die dringend notwendige Modernisierung voranzutreiben.“ Er tritt sein Amt zu einem Zeitpunkt an, an dem die Bahn massiv unter Druck steht: Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit sind auf einem Tiefstand, und die Infrastruktur gilt als marode.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration