Produktionsverlagerung nach Osteuropa: Studie zeigt geringere Einsparungen als erwartet
Viele deutsche Industrieunternehmen verlagern ihre Produktionsstätten ins Ausland, wobei die mittel- und osteuropäischen Länder besonders beliebt sind. Eine aktuelle Analyse der Beratungsfirma Strategy& enthüllt jedoch, dass die erhofften Einsparungen in dieser Region häufig niedriger ausfallen als angenommen. Die Studie weist auf mehrere Nachteile hin, die die Kostenvorteile schmälern.
Nachteile der osteuropäischen Standorte
Laut der Untersuchung gibt es in Mittel- und Osteuropa im Vergleich zu Deutschland einen noch größeren Fachkräftemangel, der um etwa 16 Prozent höher liegt. Zudem fehlt es an ausreichender Automatisierung, und die Arbeitskosten sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Die Autoren der Studie betonen, dass die Arbeitskosten in der Region dreieinhalbmal schneller gewachsen sind als die Produktivität. Ein weiterer kritischer Faktor sind die Energiepreise, die sich innerhalb von fünf Jahren nahezu verdreifacht haben.
Beliebte Ziele: Polen und Tschechien
Zwischen 2015 und 2024 waren Polen und Tschechien die zwei beliebtesten Länder für deutsche Investitionen in der Region. Dieser Trend ist teilweise auf das sogenannte „nearshoring“ zurückzuführen, bei dem Unternehmen ihre Produktion in näher gelegene Länder verlagern, um von geringeren Transportkosten und kürzeren Lieferzeiten zu profitieren. Die Begeisterung für China als Produktionsstandort hat in vielen Chefetagen in den letzten Jahren deutlich nachgelassen, was die Attraktivität osteuropäischer Länder erhöht hat.
Asiatische Länder bieten bessere Wettbewerbsvorteile
Im Vergleich zu Mittel- und Osteuropa bieten asiatische Länder wie China und Malaysia laut der Studie deutlichere Kostenvorteile. In China sind die durchschnittlichen Gehälter zwar nur noch etwa zehn Prozent niedriger als in Deutschland, doch die Produktivität ist aufgrund schneller Automatisierung und des massenhaften Einsatzes von Robotern in den Fabriken stark gewachsen. Während die Produktivität in Deutschland stagnierte, konnten asiatische Standorte durch technologische Fortschritte punkten. Zudem sind die Energiepreise in Asien im Vergleich zu Europa sehr niedrig, was zusätzliche Einsparungen ermöglicht.
Fazit: Standort allein reicht nicht aus
Michael Weiß, Studienautor bei Strategy&, warnt Firmenchefs davor, sich ausschließlich auf den Standort als Wettbewerbsvorteil zu verlassen. „CEOs können sich nicht mehr auf den Standort als alleinstehenden Wettbewerbsvorteil verlassen“, sagte er. Die Analyse unterstreicht, dass Unternehmen bei der Standortwahl eine ganzheitliche Betrachtung vornehmen müssen, die Faktoren wie Fachkräfteverfügbarkeit, Automatisierungsgrad und langfristige Kostenentwicklung berücksichtigt. Strategy&, das Beratungsunternehmen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, empfiehlt daher eine sorgfältige Abwägung aller Aspekte, um nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu sichern.



