Rostocker Waldrodung: Industrie-Expansion versus Naturschutz vor Entscheidung
Rostock: Streit um Waldrodung für EEW-Erweiterung spitzt sich zu

Industrie gegen Natur: Rostocker Waldrodungsstreit erreicht Entscheidungspunkt

Im Rostocker Seehafen spitzt sich der langjährige Konflikt um die geplante Werkserweiterung von EEW Special Pipe Constructions dramatisch zu. Das Unternehmen, das als Weltmarktführer für Monopile-Großrohre zur Gründung von Offshore-Windturbinen gilt und mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigt, drängt auf eine dringend benötigte Kapazitätserweiterung. Die Entscheidung über die Nutzung von Teilen des geschützten Naturwaldes Swienskuhlen steht am Mittwoch, dem 4. März, in der Rostocker Bürgerschaft an.

Politische Fronten verhärten sich vor entscheidender Sitzung

Während die Fraktionen von Linke, CDU, SPD sowie FDP/Unabhängige in einem gemeinsamen Antrag die Teilaufhebung des Schutzstatus für die Swienskuhlen fordern, schlägt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.Volt kurz vor der Sitzung eine Alternativlösung vor. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Dr. Anja Eggert betont: „Ein jahrhundertealter Wald darf nicht einfach geopfert werden.“ Die von ihr ins Spiel gebrachte Alternative liegt im Hafenerweiterungsgebiet und umfasst 27 Hektar – eine Fläche, die sogar näher am Verladekai positioniert wäre.

Die Argumente der Befürworter der Waldrodung sind wirtschaftlicher Natur: Eine Standorterweiterung um bis zu 40 Hektar bis 2028 sei unvermeidlich, andernfalls drohe der Weggang des Unternehmens mit drastischen Konsequenzen für Beschäftigung und Gewerbesteuereinnahmen. Von bis zu 500 zusätzlichen Industriearbeitsplätzen ist in diesem Zusammenhang die Rede.

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Umweltverbände mobilisieren gegen die Rodungspläne

Parallel zur politischen Debatte formiert sich zivilgesellschaftlicher Widerstand. Der BUND Rostock ruft für Mittwoch um 15.30 Uhr zu einer Mahnwache auf dem Neuen Markt auf. Susanne Schumacher vom BUND erklärt entschieden: „So ein Wald muss in der heutigen Zeit ein Tabu sein. Wir sind fassungslos darüber, dass unsere Entscheidungsträger die Teilrodung eines uralten Waldes vorantreiben.“

Der Umweltverband hat bereits eine Online-Petition mit dem Titel „Erhalt von jahrhundertealtem Naturwald statt Rodung für Industrieerweiterung“ gestartet, die bisher knapp 2000 Unterschriften gesammelt hat. Die Swienskuhlen, die zwischen dem Steinkohlekraftwerk und östlich der Autobahn 19 liegen, wurden von der Hansestadt zum geschützten Landschaftsbestandteil erklärt.

Rechtliche Bedenken und Alternativprüfung

Dr. Anja Eggert warnt vor voreiligen politischen Festlegungen: „Eine politische Vorfestlegung auf die Swienskuhlen kann zum Bumerang werden und die ganze Erweiterung gefährden.“ Aus naturschutzrechtlicher Perspektive könne eine Abholzung nur genehmigt werden, wenn zuvor alle möglichen Alternativen vernünftig geprüft wurden. Eine einseitige Entscheidung ohne diese Prüfung könnte das gesamte Vorhaben in eine Sackgasse führen.

Die Grünen betonen, dass sie die Erweiterungspläne von EEW grundsätzlich unterstützen, jedoch eine verantwortungsvollere Herangehensweise fordern. „Eine Alternativenprüfung ist das Mindeste, bevor eine Bürgerschaft über die Aufhebung eines Schutzgebietes nachdenken sollte“, so Eggert. Die von ihrer Fraktion vorgeschlagene Hafenerweiterungsfläche biete nicht nur vergleichbare Dimensionen, sondern auch logistische Vorteile durch die nähere Lage zum Verladekai.

Unternehmensperspektive und wirtschaftliche Bedeutung

EEW Special Pipe Constructions produziert seit 2008 die speziellen Großrohre für Offshore-Windparks im Rostocker Seehafen und plant angesichts steigender Nachfrage nach erneuerbaren Energien weiteres Wachstum. Das Unternehmen will sowohl bei den produzierten Tonnagen, den Durchmessern der Monopiles als auch bei den Mitarbeiterzahlen expandieren. Die geplante Erweiterung gilt daher als strategisch wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Region Mecklenburg-Vorpommern.

Die Entscheidung der Rostocker Bürgerschaft wird nicht nur über das Schicksal des Swienskuhlen-Waldes entscheiden, sondern auch die Balance zwischen industrieller Entwicklung und Naturschutz in der Hansestadt für die kommenden Jahre definieren. Beide Seiten – Wirtschaftsvertreter und Umweltschützer – bereiten sich intensiv auf den entscheidenden Mittwoch vor.

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