Schweden-Modell: 770 Euro Extra-Rente pro Monat für Senioren
770 Euro Extra-Rente: Schweden-Modell revolutioniert Vorsorge

Eine Regierungskommission hat einen radikalen Umbau der Altersvorsorge vorgeschlagen, der auf dem sogenannten schwedischen Modell basiert. Demnach könnten Senioren künftig eine Extra-Rente von bis zu 770 Euro pro Monat erhalten – zusätzlich zur gesetzlichen Rente. Ziel ist es, das Rentenniveau wieder spürbar anzuheben.

So funktioniert das schwedische Modell

Das Modell sieht vor, dass Arbeitnehmer verpflichtend einen Teil ihres Bruttogehalts in einen kapitalgedeckten Fonds einzahlen. Dieser wird individuell verwaltet und später als lebenslange Zusatzrente ausgezahlt. In Schweden liegt der Beitragssatz bei 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Die Regierungskommission empfiehlt, diesen Satz in Deutschland auf bis zu 4 Prozent zu erhöhen, um die prognostizierte Rendite von durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr zu erzielen. Laut Berechnungen würde ein Durchschnittsverdiener über 40 Jahre hinweg ein Kapital von rund 200.000 Euro ansammeln, das bei Rentenbeginn eine monatliche Zusatzzahlung von etwa 770 Euro ermöglicht.

Wer profitiert – und wer nicht

Besonders profitieren würden Geringverdiener, da die Zusatzrente einkommensunabhängig ist und die gesetzliche Rente aufstockt. Auch Selbstständige, die oft keine betriebliche Altersvorsorge haben, könnten von der Pflichteinbeziehung profitieren. Allerdings kritisieren Gewerkschaften, dass das Modell die gesetzliche Rente schwäche, da Beiträge umgelenkt würden. „Wir laufen Gefahr, dass die gesetzliche Rente weiter abgewertet wird, während die Renditen an den Kapitalmärkten unsicher sind“, warnte ein Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Zeitplan und politische Hürden

Die Kommission drängt auf eine schnelle Einführung bereits ab 2028. Allerdings ist das Modell politisch umstritten. Während die FDP auf mehr Kapitaldeckung setzt, lehnen SPD und Linke eine Abkehr vom Umlageverfahren ab. Die CDU/CSU signalisiert Gesprächsbereitschaft, fordert aber Sicherungen gegen Kursverluste. „Wir brauchen eine Garantie, dass die Beiträge nicht an der Börse verspielt werden“, sagte der rentenpolitische Sprecher der Unionsfraktion. Eine endgültige Entscheidung wird im Herbst erwartet.

Was bedeutet das für die gesetzliche Rente?

Nach Berechnungen des Kommissionsvorsitzenden könnte das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent auf über 53 Prozent steigen, wenn das Modell vollständig greift. Gleichzeitig müsste der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung langfristig stabil bleiben. Kritiker warnen jedoch vor einer doppelten Belastung: Die Arbeitnehmer müssten sowohl in die gesetzliche als auch in die kapitalgedeckte Rente einzahlen – insgesamt bis zu 22 Prozent des Bruttolohns. „Das ist eine massive Mehrbelastung für die aktive Generation“, so der DGB-Experte. Die Kommission empfiehlt daher, die Beiträge zur gesetzlichen Rente leicht zu senken, um den Spielraum für die Extra-Rente zu schaffen.

Fazit: Revolution oder Risiko?

Das schwedische Modell verspricht eine spürbare Aufbesserung der Rente, insbesondere für Geringverdiener. Die Umsetzung ist jedoch komplex und politisch umstritten. Ob die Extra-Rente von 770 Euro Realität wird, hängt maßgeblich von der Renditeentwicklung an den Kapitalmärkten und der politischen Einigung ab. Fest steht: Die Debatte um die Altersvorsorge wird in den kommenden Monaten an Fahrt gewinnen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration