Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt hat sich innerhalb von zwei Wochen dramatisch verschlechtert. Der Dax-Sentiment-Index des Handelsblatts fiel von plus 3,8 Punkten auf minus 3,5 Punkte. Das entspricht einem Rückgang um 7,3 Punkte. Als extrem gelten Werte ab plus oder minus vier Punkten. Der Leitindex Dax verlor in der vergangenen Woche 0,9 Prozent und liegt nun gut vier Prozent unter seinem Rekordhoch von Anfang Juli.
Hintergrund: Geopolitische Spannungen und Ölpreis
Auslöser der negativen Entwicklung ist der sich verschärfende Konflikt im Nahen Osten. „Sukzessive dämmert es vielen Anlegern, dass der Irankrieg nicht mit kurzen ‚Operationen‘ gewonnen werden kann, sondern mehr und mehr zu einem lang anhaltenden Krieg wird“, sagt Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX und Auswerter der Umfrage. „Die globale Energieversorgung scheint dennoch gesichert, aber die geopolitischen Spannungen wachsen weiter an.“ Infolgedessen steigt der Ölpreis, was den Dax zusätzlich belastet.
Verunsicherung erreicht Höchststand seit März
Trotz der bislang moderaten Verluste macht sich unter den Anlegern zunehmend Verunsicherung breit. Der Indikator für Verunsicherung stieg auf minus 4,9 Punkte – den höchsten Wert seit März. Heibel erklärt: „Es ist nicht überraschend, dass Anleger von der schwachen Börsenentwicklung negativ überrascht sind, doch eine Katastrophe sieht noch deutlich anders aus.“ Die Verunsicherung wird gemessen, indem die Befragten angeben, ob ihre Erwartungen in der abgelaufenen Woche eingetroffen sind.
Zukunftserwartung und Investitionsbereitschaft sinken
Die Zukunftserwartung liegt mit 1,3 Punkten nur noch knapp im positiven Bereich. „Wirklicher Optimismus sieht anders aus“, so Heibel. Nur 28 Prozent der Befragten rechnen damit, dass der Dax in drei Monaten in einem Aufwärtstrend sein wird. Parallel dazu fällt die Investitionsbereitschaft auf 0,7 Punkte – den zweitniedrigsten Wert des Jahres. Dies zeigt, dass Anleger aktuell eher abwarten, statt günstige Einstiegskurse zu nutzen.
Absicherungen dämpfen Verluste, erschweren aber Erholung
Die defensive Haltung der Anleger zeigt sich auch am Terminmarkt. Sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren kaufen verstärkt Put-Optionen, um sich gegen fallende Kurse abzusichern. Heibel sieht darin einen zweischneidigen Effekt: „Auf der einen Seite wirken Kursabsicherungen wie ein Sicherheitsnetz unter den aktuellen Kursen, da entsprechende Short- und Put-Positionen im Falle fallender Kurse mit Gewinn eingedeckt werden.“ Dies schaffe frühzeitig Nachfrage und dämpfe die Verluste. „Gleichzeitig entwickelt sich eine gefährliche Dynamik, die eine schnelle Erholung erschwert“, warnt der Experte.
Gefahr von weiteren Kursverlusten
Die fehlende Investitionsbereitschaft bereitet Heibel Sorgen: „Denn das Handelsvolumen wird dadurch dünner, und es reichen wenige Verkäufe, um die Kurse weiter nach unten zu drücken.“ Eine akute Crash-Gefahr sieht er zwar nicht, da die Anleger bereits defensiv positioniert seien. „Aber ich kann auch nichts erkennen, was die aktuelle ‚Rotation‘ wieder in eine Rally überführen könnte. Daher bleibt es dabei, dass wir erst einmal abwarten.“



