Ukrainische Abwehrlücke: Russland spart Raketen und nutzt Schwachstelle aus
Ukrainische Abwehrlücke: Russland spart Raketen

Die russische Armee nutzt im Angriffskrieg gegen die Ukraine gezielt eine Schwachstelle in der ukrainischen Luftverteidigung aus: ballistische Raketen. Während Marschflugkörper oft abgefangen werden, gelingt dies bei ballistischen Raketen kaum. Laut dem US-Institut für Kriegsstudien (ISW) hat die Ukraine in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli nahezu alle russischen Marschflugkörper erfolgreich abgefangen, jedoch keine der ballistischen Raketen. Diese Lücke führt dazu, dass Russland bei seinen Attacken Raketen sparen kann, da die eingesetzten Geschosse mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Ziel erreichen.

Russland setzt auf ballistische Raketen

Militärexperte Andreas Rapp vom German Institute for Defence and Strategic Studies erklärte dem Tagesspiegel: „Russland kann immer noch viele Sanktionen umgehen und so die Waffen- und Raketenproduktion auf hohem Niveau aufrechterhalten.“ Ballistische Raketen, die in einem großen Bogen auf ihr Ziel zufliegen, sind auf dem Radar zwar früher erkennbar als Marschflugkörper, aber ihre Abwehr ist äußerst schwierig und teuer. Die Ukraine ist hier auf amerikanische Patriot- und französische SAMP/T-Abwehrraketen angewiesen. Patriot-Raketen kosten mehrere Millionen Dollar pro Stück und waren bereits vor dem Iran-Krieg knapp. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte der Financial Times, dass die „größte Schwachstelle“ der Ukraine die Verteidigung gegen ballistische Raketen sei. Er berichtete, dass Patriot-Raketen manchmal erst einen Tag vor einem neuen Großangriff in der Ukraine ankommen.

Rückgang der Raketenangriffe: Strategie statt Mangel

Das ISW dokumentierte die Anzahl ballistischer Raketen bei größeren Attacken seit Anfang Juni: 41 Raketen in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni, 40 Raketen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni, 28 Raketen in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli und 29 Raketen in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli. Die sinkende Zahl deutet laut ISW auf eine bewusste Zurückhaltung hin: Russland spare Raketen, weil es davon ausgehen könne, dass die eingesetzten Geschosse ihre Ziele ohnehin treffen. Diese Taktik geht zulasten der ukrainischen Zivilbevölkerung, da ballistische Raketen wesentlich mehr Sprengstoff enthalten als Angriffsdrohnen. Die ukrainische Luftwaffe berichtete, dass der Großteil der Zerstörungen in Kyjiw in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli auf ballistische Raketen zurückgeht. Bei dem Angriff mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern starben mindestens 15 Menschen, mindestens 60 wurden verletzt.

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Ukraine hofft auf Nato-Gipfel

Die Hoffnung der Ukraine ruht auf dem Nato-Gipfel in der Türkei, wo neue Zusagen internationaler Verbündeter erwartet werden. Doch am Kernproblem der Knappheit kann auch der Gipfel nichts ändern. Eigene Lösungen, an denen die Ukraine arbeitet, werden noch Zeit in Anspruch nehmen. Die russische Armee nutzt die Gelegenheit, Raketen zu sparen und gleichzeitig maximale Zerstörung anzurichten. Der Krieg in der Ukraine wird oft als Kampf der Drohnen dargestellt, doch der Luftkampf wird auch von traditionellen Waffen bestimmt – und hier ist Russland klar im Vorteil.

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