Butterpreis fällt auf Niveau von vor zehn Jahren
Butter so billig wie vor zehn Jahren

Der Preis für Butter ist in Deutschland auf ein Niveau gefallen, das zuletzt vor zehn Jahren erreicht wurde. Verbraucher freuen sich über günstige Butter, während Milchbauern unter der prekären Lage leiden. Grund für den Preisverfall ist eine Überproduktion in der Europäischen Union, die durch das aktuelle gute Wetter begünstigt wird.

Discounter senken Butterpreis

Erst vor wenigen Wochen hatten die Discounter Lidl und Aldi den Preis für ein 250-Gramm-Stück Butter um rund 20 Cent angehoben. Nun folgt die Kehrtwende: Lidl senkte den Preis auf 1,05 Euro, Aldi zog nach und verlangt ebenfalls 1,05 Euro. Damit liegt der Preis wieder auf dem Niveau von vor zehn Jahren, wie Hans Foldenauer vom Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter (BDM) gegenüber BILD erklärte.

Gutes Wetter als Ursache

Der Hauptgrund für die sinkenden Preise ist das schöne Wetter. Es sorgt für eine bessere Futterqualität, was den Fettanteil in der Rohmilch der Kühe erhöht. Dadurch steigt die Butterproduktion. „Aktuell werden zwischen 5 und 7 Prozent mehr Milch erzeugt, je nach EU-Mitgliedsland. Durch den höheren Fettgehalt braucht man für ein Kilogramm Butter weniger Milch“, so Foldenauer. Der Lebensmitteleinzelhandel, die verarbeitende Industrie und die Exporteure würden die Situation ausnutzen und die Preise drücken.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Leidtragende: Milchbauern

Während Verbraucher von den niedrigen Preisen profitieren, kämpfen Milchbauern ums Überleben. Milchbäuerin Heike Riecken aus Schleswig-Holstein betreibt einen Betrieb mit 180 Kühen und produziert 1,8 Millionen Liter Milch pro Jahr. Sie erklärt: „Wir bekommen noch 32 Cent für den Liter Milch. Davon können wir nicht leben. Wir zahlen seit Wochen drauf.“ Im Oktober erhielt sie noch 50 Cent pro Liter. „Wenn der Preis um 10 Cent sinkt, verliere ich 15.000 Euro“, rechnet sie vor.

Politikversagen als Ursache

Der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter macht für die desaströse Lage der Bauern vor allem die Politik verantwortlich. „Wir haben es hier mit einem massiven Politikversagen zu tun. Seit vielen Jahren trimmt Brüssel die Landwirtschaft immer mehr auf Masse“, sagt BDM-Sprecher Hans Foldenauer. Er warnt vor den Folgen: „Wir verlieren so weiter Milchbetriebe, Arbeitsplätze und Dorfkultur.“ Alle paar Jahre werde angekündigt, dass man endlich handeln wolle, aber es passiere nichts. Die Milch komme künftig dann aus dem Ausland. „Lebensmittelversorgungssicherheit sieht anders aus, aber Deutschland kennt sich ja aus mit Abhängigkeiten“, so Foldenauer.

Ausblick

Die aktuellen Butterpreise zeigen eine Diskrepanz zwischen Verbraucherfreude und Bauernleid. Während die Discounter von der Überproduktion profitieren, bleibt die Frage, wie lange die Milchbauern die niedrigen Preise noch durchhalten können. Ohne politische Maßnahmen droht ein weiterer Rückgang der Milchbetriebe in Deutschland.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration