Müritzer Landwirte zwischen teurem Diesel und neuen EU-Vorschriften
Die Felder in der Müritzregion erwachen langsam aus dem Winterschlaf, doch die Stimmung unter den Landwirten ist getrübt. Während die Böden nach Frost und Eis endlich bearbeitet werden können, verdüstern zwei Faktoren die Aussichten für die kommende Saison: explodierende Kraftstoffpreise und zusätzliche bürokratische Hürden aus Brüssel.
Dieselpreise als existenzielle Bedrohung
„Was da an der Zapfsäule in roten Zahlen steht, ist eine Katastrophe für unsere Betriebe“, bringt Matthias Schmidt, Geschäftsführer des Bauernverbandes Müritz, die Situation auf den Punkt. Mit Preisen von bis zu 2,16 Euro pro Liter Diesel sehen sich die Landwirte einer finanziellen Belastung ausgesetzt, die in dieser Form nicht vorhersehbar war.
Das Problem verschärft sich dadurch, dass Landwirte im Gegensatz zu anderen Branchen ihre Mehrkosten kaum an den Handel weitergeben können. „Wir können versuchen, unsere Preise vorzuschlagen, aber dann heißt es schnell, man könne Weizen billiger aus den USA importieren“, erklärt Schmidt. Diese Abhängigkeit von globalen Märkten bei gleichzeitig festgeschriebenen Vergütungssätzen im Inland schaffe eine prekäre Situation.
Neue EU-Vorschriften zur Schädlingsbekämpfung
Parallel zu den Kraftstoffkosten kommt ein weiterer bürokratischer Aufwand auf die Betriebe zu. Seit Jahresbeginn müssen Landwirte für die chemische Bekämpfung von Ratten und Mäusen zusätzliche Qualifikationsnachweise erbringen. Während bisher der Sachkundenachweis ausreichte, ist nun ein spezieller „Schein“ erforderlich.
„Die entsprechenden Schulungen werden angeboten, aber nicht gerade für wenig Mäuse“, kommentiert Schmidt die zusätzlichen Kosten ironisch. Diese neue Regelung aus Brüssel treffe die Betriebe zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Landwirtschaftliche Rahmenbedingungen im Blick
Trotz der Herausforderungen zeigen sich die Böden in der Region in gutem Zustand. „Wir sind ganz gut aus dem Winter gekommen“, berichtet der Verbandschef. „Auf den leichten Böden ist das Wasser inzwischen abgelaufen, und fürs Wochenende darf es gern wieder regnen.“
Doch auch bei anderen Betriebsmittlen zeichnen sich Probleme ab. Wer im Herbst nicht vorgekauft hat, muss jetzt für Düngemittel „exorbitante Preise“ bezahlen. Und ohne Stickstoff geht es nicht – die Pflanzen haben schließlich Hunger.
Auswirkungen auf Tierhaltung und Familien
Die Diskussion um die Kraftstoffpreise findet nicht nur auf dem Feld, sondern auch in den Ställen statt. Maschinen werden schließlich überall benötigt, ob für die Futterbeschaffung oder andere notwendige Arbeiten. Gleichzeitig startet die Abkalbe-Saison bei den Rindern, was zusätzliche Aufmerksamkeit erfordert.
Am Ende des Tages spüren die Landwirte die Mehrbelastungen auch im Privaten. „Der Landwirt mit seiner Familie muss für das, was auf den Tisch kommt, beim Einkauf ebenfalls mehr bezahlen“, so Schmidt. Die Politik werde immer wieder darauf hingewiesen, dass es jenen, die die Menschen im Land versorgen, das Leben schwer gemacht werde. Ob sich etwas ändern werde, daran hat der Verbandschef allerdings seine Zweifel.



