Gallin: Das logistische Herz der globalen Milchwirtschaft
Während Verbraucher beim Milchkauf meist an Kaffee, Kuchen oder Müsli denken, bleibt der komplexe Weg der Milch von der Kuh bis ins Regal oft unbekannt. Ein entscheidendes Glied dieser weltumspannenden Kette schlägt nicht in traditionellen Kuhställen, sondern in riesigen Logistikhallen im mecklenburgischen Gallin. Hier betreibt das schwedische Unternehmen DeLaval einen zentralen europäischen Logistikstandort, der als Drehkreuz der internationalen Milchproduktion fungiert.
Globaler Player mit regionaler Verankerung
DeLaval gilt als weltweit führender Anbieter von Produkten und Lösungen für die Milchwirtschaft, dessen Angebote täglich von Millionen Milchviehbetrieben rund um den Globus genutzt werden. Mit 4.800 Mitarbeitern und Präsenz in über 100 Ländern hat das Unternehmen seinen Hauptsitz zwar im schwedischen Tumba, doch das logistische Herz schlägt eindeutig in Gallin. Der 2017 bezogene Standort umfasst 52.000 Quadratmeter Logistikfläche und wurde speziell für effiziente, sichere und zukunftsorientierte Prozesse entwickelt.
Von der kleinsten Mutter bis zum kompletten Melkroboter laufen hier alle Warenströme zusammen, wie Landrat Stefan Sternberg bei einem Betriebsbesuch im Businesspark A24 erfahren konnte. Doch dieser Erfolg wird dem Unternehmen nicht geschenkt: Der tägliche Kampf um qualifiziertes Personal stellt eine zentrale Herausforderung dar, die DeLaval mit allen Mitbewerbern auf dem regionalen Arbeitsmarkt teilt.
Technologische Lösungen und menschliche Probleme
Als Antwort auf den Personalmangel setzt der Milchwirtschaftsriese verstärkt auf Autonomie und Technik. Derzeit werden autonom fahrende Gabelstapler implementiert, die zukünftig durch die riesigen Regalschluchten navigieren sollen – eine Entwicklung, auf die man im Businesspark A24 besonders stolz ist. Doch Technologie allein kann nicht alle Probleme lösen.
Landrat Sternberg nahm von seinem Besuch ein drängendes menschliches Problem mit: Die bezahlbare Wohnraumknappheit in der Region erschwert es, die für den Betrieb dieses wichtigen Logistikdrehkreuzes notwendigen Arbeitskräfte zu halten und neue anzuziehen. Hier zeigt sich die Schattenseite des erfolgreichen Gewerbegebiets, das seit seiner Errichtung boomt.
Wirtschaftlicher Boom mit sozialen Folgen
Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg verweist auf beeindruckende Zahlen: In den vergangenen Jahren wurden im Businesspark A24 viele hundert Millionen Euro investiert und mehr als 4.000 Arbeitsplätze geschaffen. Doch die Region um den Gewerberiesen kann diese Menschen nicht angemessen aufnehmen, was den bereits bestehenden Personalmangel weiter verschärft.
Stefan Sternberg hat sich dieser Herausforderung angenommen, räumt jedoch ein, dass sie nicht kurzfristig zu lösen ist. Für eine erfolgreiche Bekämpfung des Personalmangels sei auch künftig Zuzug von Arbeitskräften – gegebenenfalls aus anderen Ländern – notwendig. Diese benötigten jedoch in ihrer arbeitsfreien Zeit angemessenen und bezahlbaren Wohnraum, was eine koordinierte Anstrengung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erfordert.
Der Businesspark A24 bleibt damit ein faszinierendes Beispiel für globale Wirtschaftsverflechtungen mit lokalen Auswirkungen, wo technologische Innovationen und soziale Herausforderungen gleichermaßen den Alltag prägen.



