Spediteure in Rostock warnen vor Pleitewelle durch Diesel-Schock
Rostocker Spediteure: Diesel-Schock droht Pleitewelle

Spediteure in Rostock warnen vor Pleitewelle durch Diesel-Schock

Die steigenden Dieselpreise entwickeln sich für Logistikunternehmen in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern zu einer existenziellen Bedrohung. Spediteure berichten von untragbaren Mehrkosten und fordern dringend politische Entlastungsmaßnahmen, um eine drohende Pleitewelle abzuwenden.

Existenzgefährdende Mehrkosten durch hohe Spritpreise

Stephan Gustke, Chef von Gustke Logistik aus Rostock, beschreibt die Situation als „sehr schwierig und existenzgefährdend“. Die aktuellen Dieselpreise von über 2,20 Euro pro Liter führen bei seinem Unternehmen allein für den März zu geschätzten Mehrkosten von 100.000 Euro. Ein Spediteur aus dem Rostocker Umland rechnet vor: „Ende Februar kostete die 1000-Liter-Füllung für einen Lkw 1600 Euro, aktuell liegt sie bei 2120 Euro. Das sind 520 Euro Mehrkosten pro Fahrzeug – und das nur für eine Tankfüllung.“

René Wodrich von Cargo Lion Rostock warnt: „Die Menschen gucken nur auf die Tankstellenpreise, aber sie sehen nicht, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist.“ Die gestiegenen Transportkosten würden zwangsläufig zu höheren Preisen für alle Güter führen und die Unternehmen auffressen.

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Ungleiche Wettbewerbsbedingungen innerhalb Europas

Stephan Gustke weist auf marktverzerrende Unterschiede innerhalb Europas hin: „Beispiel Polen: Hier liegt der Mindestlohn bei 7,45 Euro die Stunde; in Bulgarien bei 3,58 Euro.“ Zudem sei der Dieselpreis in Polen etwa 65 Cent günstiger als in Deutschland. Diese Diskrepanzen erschweren deutschen Speditionsunternehmen den Wettbewerb erheblich.

Thomas Winter vom Rostocker Transportunternehmen „Go! Express“ spürt die Belastung ebenfalls, allerdings „noch nicht existenzbedrohend“, wie er betont. Sein Unternehmen setzt auf Transporter statt Lkws, die weniger Diesel verbrauchen. Dennoch wünscht er sich schnelle politische Reaktionen zur Entlastung der Branche.

IHKs fordern steuerliche Entlastungen und Kartellamts-Einschreiten

Die Präsidenten der Industrie- und Handelskammern zu Rostock und Schwerin, Klaus-Jürgen Strupp und Matthias Belke, fordern in einer gemeinsamen Presseerklärung:

  • Eine temporäre Senkung der Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel
  • Eine befristete Aussetzung des nationalen CO₂-Preises
  • Schnelle Entlastungen, bevor sich gestiegene Transportkosten in den Wertschöpfungsketten niederschlagen

Julia Bordunov, Pressereferentin von Go! Express & Logistics Deutschland, betont: „Diese Entwicklung ist dauerhaft für uns nicht tragbar. Eine leistungsfähige Logistik ist ein wesentlicher Faktor für stabile Lieferketten und eine verlässliche Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft.“

Logistik als Frühindikator für wirtschaftliche Trends

Die Logistikbranche gilt als Frühindikator für viele wirtschaftliche Entwicklungen. Ein Spediteur aus dem Rostocker Umland berichtet: „Im Februar haben wir mit Blick auf die Konjunkturquote mit 1,5 bis 1,9 Prozent noch aufgeatmet. Jetzt stehen wir wieder da und können eigentlich nur hoffen, dass es uns nicht als Nächstes erwischt.“

Nach Jahren der Krise sei dies „jetzt nur wieder die nächste Schlinge um den Hals“, die die Nachfrage abwürgen würde. Die Branche wartet bislang vergeblich auf staatliche Unterstützung – ob in Form von Preisdeckelungen wie in Südkorea oder Mehrwertsteuersenkungen. Ohne solche Maßnahmen, so die einhellige Warnung der befragten Spediteure, drohe am Ende „eine enorme Pleitewelle“.

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