Beste Ausbildungsbetriebe 2026: Kleine Firmen punkten
Beste Ausbildungsbetriebe 2026: Kleine Firmen punkten

Vier Plätze, 20 Bewerbungen: Kleine Betriebe machen im Kampf um Azubis manches besser als Konzerne – das zeigt das aktuelle SWI-Ranking der besten Ausbildungsunternehmen. Die Konditorei und Bäckerei Hohoffs im westfälischen Waltrop bietet ihren Auszubildenden manches Schmankerl zum Mitnehmen an, wortwörtlich, nämlich „Personalkuchen“ und „Dein täglich Brot“. Zudem hilft sie bei der Wohnungssuche. Der schwäbische Industriebetrieb Profilmetall lockt mit Jobrad und ÖPNV-Erstattung, die Karlsruher Möbelfirma PHOS Design erfüllt Sonderwünsche wie den nach Fitnessstudio, Dienstrad oder Netzkarte. Extras für Lehrlinge gibt es in vielen der kleinen Ausbildungsbetriebe, die im diesjährigen Ranking „Beste Ausbildungsbetriebe“ des Hamburger Analysehauses SWI vorn gelandet sind.

Zusatzleistungen nicht entscheidend

„Aber die will ja gar nicht jeder“, sagt PHOS-Geschäftsführer Mario Grundmann. Die Zusatzangebote seien nicht entscheidend dafür, dass sein Unternehmen genügend Auszubildende findet. „Der wichtigste Benefit ist die gute Ausbildung“, bestätigt Daniela Eberspächer-Roth, geschäftsführende Gesellschafterin bei Profilmetall. „Alles andere kriegt man auch woanders.“

Benefits für Auszubildende sind ein Indikator, aber nicht der Grund für die gute Platzierung eines Rankingteilnehmers. Das Thema scheint weniger wichtig zu sein. Nach 77 Prozent im Vorjahr bekunden diesmal noch 66 Prozent der Teilnehmer an der aktuellen SWI-Umfrage, die Attraktivität für junge Leute durch mehr Zusatzleistungen steigern zu wollen.

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Mehr Bewerber als nötig

Alle drei genannten Betriebe haben im SWI-Ranking hervorragend abgeschnitten. Alle haben mehr Bewerber, als sie benötigen. Alle bilden aus, um den Nachwuchs später zu übernehmen. Und alle widmen ihren Auszubildenden so viel persönliche Aufmerksamkeit, dass materielle Extras nebensächlich wirken.

Das beginnt bei der Auswahl der Jugendlichen. Gute Ausbildungsbetriebe nehmen sich die Zeit für einen mehrstufigen Prozess, der gründliches Kennenlernen ermöglicht. „Es ist wichtig, die richtigen Personen für Aufgaben und das Team zu finden“, sagt PHOS-Geschäftsführer Grundmann. „Das muss passen.“

Nach Vorstellungsgesprächen erleben Bewerberinnen und Bewerber beim Probearbeiten die künftigen Kollegen und den Arbeitsalltag. „Schon beim Bewerbungsgespräch wurde ich durch die Werkstatt geführt“, erinnert sich Steven Lenk. Heute koordiniert er bei PHOS die Verkaufsabwicklung und Warenwirtschaft.

Orientierung und Persönlichkeit

Bei der Kontaktaufnahme akzeptieren die Unternehmer, dass der Nachwuchs sich erst orientieren muss. „Viele sind unsicher, wenn sie aus der Schule kommen“, sagt Grundmann. Was man kann und machen möchte, sollen Interessierte entdecken und ausprobieren können. „Dafür bieten wir möglichst viele Berührungspunkte im Vorfeld, wie Schnupperpraktika und Ferienjobs“, sagt Daniela Eberspächer-Roth. „Da lernt man auch die Menschen kennen, mit denen man in der Ausbildung zu tun hat.“ Bei Profilmetall gehören aktuell zehn Auszubildende zu den 90 Beschäftigten der Unternehmensgruppe.

Probearbeit im Team erwartet auch Konditormeister Michael Hohoff. Er bildet aktuell acht seiner 66 Beschäftigten aus. Geradlinige Lebensläufe verlangt er nicht, es zähle die Persönlichkeit. „Das Zeugnis ist wurscht“, sagt er. Sein Vertrauen auf den persönlichen Eindruck geht so weit, dass in diesem Jahr ein 40-jähriger Mathematiker eine Lehre bei ihm beginnt. Der entdeckte in einem japanischen Kloster das Backen für sich. Ihn mit Jugendlichen in der Berufsschule zu sehen, „war zunächst schwer vorstellbar“, sagt Hohoff und fügt lachend hinzu: „Ich habe aber nicht geschafft, es ihm auszureden.“ Stattdessen setzte er sich dafür ein, die Ausbildungszeit wegen der akademischen Vorbildung auf 1,75 Jahre zu verkürzen.

Methodik des SWI-Rankings

Mit der Studie zeichnet das Analysehaus SWI Unternehmen für besondere Leistungen bei der Ausbildung aus. An der Onlineumfrage beteiligten sich mehr als 1500 von über 40.000 eingeladenen Firmen. Abgefragt wurde etwa, ob den Azubis zusätzliche Leistungen angeboten werden, wie sie in den Arbeitsalltag eingebunden werden und ob es eine individuelle Förderung gibt. Je nach Erfüllungsgrad wurden null bis 100 Punkte vergeben. Ausgezeichnet wird, wer mindestens 70 Prozent der Punkte erreicht.

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Ausbildung als Fachkräftelösung

Gute Ausbildungsunternehmen rekrutieren auf diesem Weg einen großen Teil ihrer Belegschaft. 69 Prozent der teilnehmenden Betriebe geben an, den Fachkräftemangel zu kompensieren, indem sie ausbilden. Bei PHOS Design hat fast die Hälfte der Belegschaft ihren Beruf im eigenen Unternehmen erlernt. Aktuell sind zwei Auszubildende Teil der 23-köpfigen Belegschaft.

„Ich habe schnell Vertrauen erhalten“, sagt Luis Fetsch. Schon im ersten Ausbildungsjahr war der heute 27-Jährige zuständig für den neuen Store der Firma bei Ebay. Weitere Aufgabengebiete kamen hinzu, so die interne IT. Heute leitet der einstige Studienabbrecher den E-Commerce. Auch der 34-jährige Markus Fichtenkamm, Leiter des Einkaufs und stellvertretender Werkstattleiter, und die 33-jährige Madeleine Metzinger, Leiterin der Verkaufsabwicklung, sind nach einem abgebrochenen Studium als Auszubildende in die Firma gekommen und geblieben.

Kunstprojekt mit Kundenbezug

Als Vorteil gegenüber einem Studium sieht Geschäftsführer Grundmann, der selbst mal ein Jurastudium abbrach, die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. „Auszubildende können schon mit Anfang 20 am Tisch sitzen und mitreden, das freut die total.“ Bei Konditor Hohoff hatten zwei Azubis im ersten Lehrjahr die Idee, im Hype um Dubai-Schokolade eine eigene Version zu kreieren – etwas, das sie an einem Sonntag zur Überraschung des Chefs gleich probierten und ihm als Vorschlag präsentierten. Der nahm die Schöpfung ins Programm auf.

Solche Erfahrungsmöglichkeiten bieten vor allem kleine Unternehmen. Jugendliche lernen beim Bäcker das komplette Handwerk und im Metallunternehmen den gesamten Betrieb vom Büro über die Werkstatt bis zu Logistik und Kunden kennen, anders als nur eine enge Nische, die ihnen ein Großunternehmen als Betätigungsfeld einräumt. „Die Komplexität ist unser Vorteil“, sagt Grundmann. Sie ermöglicht vielfältige Blickwinkel, Karrierewege und Teamerfahrungen.

Die Firma Profilmetall unterstützt diese Entwicklung durch Kollektiverlebnisse. Das Teambuilding ist mal ein Ausflug mit Ausbildern in den Klettergarten, mal ein Kunstprojekt mit Kundenbezug. In diesem Jahr organisieren die Azubis den Betriebsausflug – inklusive Planung, Catering und Transport. Für Daniela Eberspächer-Roth zeigt sich der Erfolg anschließend im Betrieb: „Sie vertrauen sich stärker und kommen dadurch fixer zu Entscheidungen.“

Regionale Reputation und flexible Planung

Die drei ausgewählten Betriebe haben sich in ihrer Region einen Ruf als gute Ausbildungsbetriebe erarbeitet, engagieren sich in Kammern und zahlen den Azubis teilweise mehr, als sie müssten. Anders als für jedes fünfte teilnehmende Unternehmen ist es für sie nicht schwierig, Auszubildende zu finden. „Das Wort ‚Fachkräftemangel‘ kenne ich nicht“, sagt der 57-jährige Konditor Hohoff. Für vier Ausbildungsplätze hat er in diesem Jahr mehr als 20 Bewerbungen erhalten.

Auf die Frage, wie er die junge Generation bei der Stange hält, kommt er auf sein Zeiterfassungssystem zu sprechen. Die Dienstpläne für Backstube, Konditorei, Verkauf und Gastronomie kommen zustande, indem Beschäftigte sich selbst eintragen. Vorher sagt ihnen der Chef etwas, was andernorts unvorstellbar wäre: „Plant bitte erst eure Freizeit, dann die Arbeitszeit.“ Zu 95 Prozent könnten die Wünsche erfüllt werden – auch die der Auszubildenden.

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