KfW-Studie: Nebenerwerbsgründungen erreichen in der Wirtschaftskrise Rekordniveau
Nebenerwerbsgründungen erreichen in der Krise Rekordniveau

KfW-Studie: Nebenerwerbsgründungen erreichen in der Wirtschaftskrise Rekordniveau

Inmitten von Wirtschaftskrise, gestiegenen Preisen und einem angespannten Arbeitsmarkt wagen immer mehr Menschen in Deutschland den Schritt in die Selbstständigkeit. Eine aktuelle repräsentative Umfrage der staatlichen Förderbank KfW zeigt, dass die Zahl der Gründerinnen und Gründer im Jahr 2025 auf rund 690.000 angestiegen ist. Dies entspricht einem deutlichen Zuwachs von fast einem Fünftel (18 Prozent) gegenüber dem Vorjahr, in dem 585.000 Gründungen verzeichnet wurden.

Nebenerwerb als treibende Kraft

Der wesentliche Grund für diesen Schub liegt im starken Anstieg der Selbstständigen im Nebenerwerb. Hier wuchs die Zahl von 382.000 im Jahr 2024 auf 483.000 im Jahr 2025 an, während sich bei den Gründungen im Vollerwerb kaum Veränderungen zeigten. Dadurch erreichte der Anteil der Nebenerwerbsgründungen einen historischen Rekordwert von 70 Prozent aller Existenzgründungen.

Hauptmotiv für viele Menschen ist laut der Umfrage, mit der Selbstständigkeit nebenbei zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher sieht in den gestiegenen Lebenshaltungskosten einen möglichen Grund für diesen Trend. „Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist schwieriger geworden, auch kleine Nebenjobs sind nicht mehr leicht zu finden. Die Selbstständigkeit kann hier eine Alternative für einen Zuverdienst sein“, erklärt Schumacher.

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Studiendetails und Definitionen

Für die Studie, eine Vorabauswertung des KfW-Gründungsmonitors, wurden insgesamt 50.000 Interviews durchgeführt:

  • 30.000 Telefoninterviews
  • 20.000 Online-Interviews

Der Begriff Gründer ist dabei breit definiert und umfasst Menschen, die sich im Voll- oder Nebenerwerb, freiberuflich oder gewerblich selbstständig gemacht haben, sei es durch:

  1. Neugründungen
  2. Beteiligungen
  3. Übernahmen bestehender Unternehmen

Überzeugungstäter und Gründungsstruktur

Die Mehrheit der Gründer agiert aus Überzeugung: Zwei Drittel ziehen die Selbstständigkeit grundsätzlich einer Festanstellung vor. Dennoch dominieren kleine Gründungsformen:

  • Nur 24 Prozent der Existenzgründungen hatten im Jahr 2025 Beschäftigte
  • Die überwiegende Mehrheit der Gründungen erfolgte neu, das heißt, die Unternehmen wurden rechtlich und organisatorisch erstmals aufgesetzt
  • Nur zehn Prozent der Gründungen waren Übernahmen bestehender Unternehmen

Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort

„Deutschland braucht junge, innovative Unternehmen“, betont Chefvolkswirt Schumacher. Gleichzeitig sei eine stabile Unternehmenslandschaft notwendig. Bis Ende 2029 suchen etwa 545.000 mittelständische Firmen eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. „Für den Wirtschaftsstandort Deutschland wäre es unglaublich wichtig, dass sich mehr Menschen für die Übernahme eines bestehenden Unternehmens begeistern“, so Schumacher weiter.

Die aktuelle Entwicklung zeigt somit ein gemischtes Bild: Während die Selbstständigkeit im Nebenerwerb als Reaktion auf wirtschaftliche Unsicherheiten boomt, bleiben Herausforderungen bei der Nachfolge in etablierten Unternehmen bestehen.

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