Münchner Auto-Abo-Start-up Finn sammelt 100 Millionen Euro und wird Einhorn
Auto-Abo-Start-up Finn wird Einhorn mit 100 Mio. Euro

Das Münchner Auto-Abo-Start-up Finn ist zum Einhorn aufgestiegen. Das Unternehmen gab am Mittwoch bekannt, dass es bei deutschen und internationalen Investoren 100 Millionen Euro eingesammelt hat. Damit wird Finn mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. „Das ist ein superschöner Meilenstein für uns“, sagte Firmenchef Maximilian Wühr dem Handelsblatt.

Kapitalspritze für langfristige Marktführerschaft

Das neue Kapital soll helfen, das Geschäft besser und langfristiger aufzustellen. „Das Ziel ist die langfristige Marktführerschaft“, so Wühr. Die Finanzierungsrunde wird von der kanadischen Investmentfirma Portage angeführt. Auch der Bestandsinvestor UVC Partners aus München baut seine Beteiligung aus. Weitere Investoren wie Planet First Partners, Korelya Capital, HV Capital und Picus Capital beteiligten sich.

„Wir glauben fest an Finn. Der Einhorn-Status ist noch lange nicht das Ende des Unternehmensaufbaus und der Wertentwicklung“, sagte UVC-Investor Ingo Potthof. Insider zählen Finn zu den möglichen Börsenanwärtern aus Deutschland. Ein Börsengang steht aber nicht unmittelbar bevor: „Ich verbringe meine Zeit damit, ein tolles Unternehmen aufzubauen, und nicht damit, einen Börsengang vorzubereiten“, betonte Wühr. Es gebe keinen konkreten Zeitplan.

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Wachstum und operative Profitabilität

Finn wurde 2019 gegründet und bietet Privat- und Geschäftskunden Auto-Abos mit einer Mindestlaufzeit von sechs Monaten an. Versicherung, Wartung und Zulassung sind inklusive. Seit der Gründung hat das Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern knapp 350 Millionen Euro Eigenkapital eingesammelt. Hinzu kommen Asset-Backed Securities (ABS) zur Finanzierung der Autoflotte. Ein neuer Kredit über rund 40 Millionen Euro von BC Partners Credit und Runway Growth Capital soll die Konditionen der ABS-Kredite verbessern.

Finn kommt mittlerweile auf über 50.000 Auto-Abos. Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) liegt bei über 300 Millionen Euro. „Wir sind letztes Jahr mehr als 50 Prozent gewachsen und haben uns in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt“, sagte Wühr. Das Unternehmen ist operativ auf Basis des bereinigten Betriebsgewinns (Ebit) profitabel – und, was Wühr besonders wichtig ist, nach Flottenfinanzierungskosten.

Ausbau des Geschäfts und Elektroauto-Anteil

Das Geschäft soll zusätzlich durch eine Partnerschaft mit dem Pro-Sieben-Sat-1-Investmentarm Sevenventures angekurbelt werden. Im Gegenzug für eine Beteiligung wird Finn-Werbung im Fernsehen und über Streamingportale ausgestrahlt. Auch das Firmenkundengeschäft wächst stark. Angebote wie die Gehaltsumwandlung, bei der Mitarbeiter einen Teil ihres Bruttogehalts in einen Firmenwagen umwandeln können, tragen dazu bei. Besonders bei Elektroautos profitieren Kunden von steuerlichen Vorteilen.

Der Anteil an Elektroautos im Portfolio liegt bei gut einem Drittel. „Das ist besser als der deutsche Durchschnitt“, so Wühr. Das Portfolio umfasst 25 Marken mit mehr als 140 Modellen. Tesla ist nicht mehr im Angebot, da sich Finn und Tesla nicht über die Kalkulation des Wertverlusts über die Abo-Laufzeit einigen konnten. Wühr betont jedoch: „Unsere Tür steht immer offen.“

Konsumzurückhaltung bremst Wachstum

Trotz des Erfolgs spürt auch Finn die Konsumflaute in Deutschland. „Wir merken, dass die Leute einen Tick zurückhaltender sind“, sagte Wühr. Das flexible Abo-Modell mildere die Auswirkungen, aber die Zurückhaltung dämpfe das Wachstum ein wenig. Dennoch bleibt das Unternehmen zuversichtlich, die Marktführerschaft langfristig zu erreichen.

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