Thüringen startet Pilotprojekt: Finanzämter schicken vorausgefüllte Steuererklärungen
Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich mit dem Ausfüllen der Steuererklärung überfordert. In Thüringen gibt es nun eine innovative Lösung: Die Finanzämter übernehmen für Tausende Steuerzahler das Ausfüllen der Steuererklärung. Ein Pilotprojekt macht dies möglich – zunächst für ein Jahr. Profitieren könnten davon bis zu 40.000 Menschen, die bisher ihre Erklärung ohne Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine ausgefüllt haben.
So funktioniert das Amtsveranlagungsprojekt
Das sogenannte Amtsveranlagungsprojekt startet in diesem Jahr für Steuerpflichtige mit Einkünften aus Arbeit oder Rente. Ziel ist es, Bürger von bürokratischem Aufwand zu entlasten. Finanzministerin Katja Wolf (BSW) stellte das Projekt in Erfurt vor. Die Idee ist einfach: Die Ämter verschicken vorausgefüllte Erklärungen für das Steuerjahr 2025 auf Grundlage der bereits vorhandenen Einkommensdaten an die betreffenden Haushalte.
Die Empfänger müssen nur noch unterschreiben und die Unterlagen zurückschicken – falls sie mit der Veranlagung durch das Amt einverstanden sind. Bei Ehepaaren müssen beide Partner unterschreiben. Wenige Tage nach der Rücksendung kommt dann der Steuerbescheid. Die ersten 6.000 Briefe sind bereits in den Städten Erfurt und Ilmenau unterwegs, wie Ministerin Wolf mitteilte.
Freiwillige Teilnahme und breite Zielgruppe
Niemand ist zur Teilnahme verpflichtet. Wer einverstanden ist, muss die vorausgefüllte Steuererklärung bis Ende Juli zurückschicken. Ein besonderer Vorteil: Auch wer bisher nicht das Online-Programm Elster nutzte, kann bei „Amsel“ mitmachen – so der Projektname der Amtsveranlagung.
Finanzministerin Wolf betonte: „Elster und Amsel widersprechen sich nicht.“ Vor allem für ältere Menschen verspricht sich die Ministerin durch diese Form der Veranlagung eine spürbare Entlastung. Für Selbstständige ist das vereinfachte Verfahren allerdings nicht möglich, da hier komplexere steuerliche Sachverhalte vorliegen.
Positive Erfahrungen aus anderen Bundesländern
Wolf verwies auf positive Erfahrungen aus Hessen, wo im Bereich des Finanzamtes Kassel bereits drei Viertel der angeschriebenen Steuerpflichtigen bei einem ähnlichen Projekt zugestimmt hatten. Das Thüringer Pilotprojekt ist Teil einer bundesweiten Initiative. Neben Thüringen sind auch Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg an dem Modellversuch beteiligt.
Das Projekt zeigt, wie digitale Verwaltungsprozesse und bürgerfreundliche Dienstleistungen zusammenwirken können, um den Steueralltag für viele Menschen zu vereinfachen. Die Resonanz in den ersten Pilotregionen wird zeigen, ob sich das Modell der vorausgefüllten Steuererklärung langfristig in ganz Deutschland etablieren kann.



