O2 Telefónica kämpft mit Umsatzeinbruch nach Verlust von Großkunde 1&1
O2 kämpft mit Umsatzeinbruch nach 1&1-Verlust

O2 Telefónica verzeichnet deutliche Einbußen nach Abwanderung von Großkunde 1&1

Der Mobilfunkanbieter O2 Telefónica muss erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen, nachdem der ehemalige Großkunde 1&1 zum Konkurrenten Vodafone gewechselt ist. Die Deutschlandtochter des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica gab in München bekannt, dass der Umsatz im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent auf etwa 8,2 Milliarden Euro gesunken ist. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) fiel sogar um 8,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro.

Verlust des profitablen Großhandelsgeschäfts schmerzt doppelt

Jahrelang hatte sich der Wettbewerber 1&1 in das O2-Netz eingemietet und seine Kunden über die O2-Antennen verbunden. Dafür zahlte 1&1 beträchtliche Summen an den etablierten Netzbetreiber. Mittlerweile hat 1&1 jedoch zu Vodafone gewechselt und rund zwölf Millionen Kunden auf dessen Netz umgebucht. Dieser Verlust trifft O2 besonders hart, da das Großhandelsgeschäft mit Partnern wie 1&1 besonders profitabel war.

Der Grund für den stärkeren Rückgang beim Betriebsgewinn im Vergleich zum Umsatz liegt in der hohen Rentabilität des Großhandels. Bei eigenen neuen Handykunden muss O2 erheblichen Aufwand betreiben und Vertriebsprovisionen zahlen. Im Großhandel übernimmt der Partner diese Aufgaben und zahlt pro Kunde zwar weniger, verursacht bei O2 aber auch deutlich geringere Kosten.

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Wettbewerbsdruck und Kaufzurückhaltung der Verbraucher

Neben dem 1&1-Effekt begründete O2 die negative Entwicklung mit der anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Diese führte zu schwächeren Geschäften beim Verkauf neuer Smartphones, da Kunden länger warten, bis sie sich ein neues Gerät zulegen. Der Privatkunden-Mobilfunkmarkt in Deutschland gilt als gesättigt, und die Preise sinken kontinuierlich.

Ein Firmensprecher erklärte, dass mehr Geld in den Vertrieb investiert werden musste als zuvor und die Kosten für die Neugewinnung von Kunden gestiegen sind. Zwar konnte O2 neue Partner gewinnen, doch diese konnten die große Lücke, die durch den Weggang von 1&1 entstanden ist, nicht schließen.

Lichtblicke im Kerngeschäft und Führungswechsel

Zuversichtlich stimmt O2 die Tatsache, dass die Nachfrage im eigenen Mobilfunk-Kerngeschäft steigt. Im vierten Quartal 2025 nahm die Anzahl der Mobilfunk-Vertragskunden um 192.000 auf 18 Millionen zu. Im Vergleich dazu konnte Konkurrent Vodafone im gleichen Zeitraum nur um 11.000 Kunden zulegen – ein schwaches Wachstum, das jedoch durch die sprudelnden Mieteinnahmen von 1&1 kompensiert wird.

Finanzvorstand Markus Rolle betonte: „Unser Kundenwachstum unterstreicht ein robustes Kerngeschäft in einem wettbewerbsintensiven Markt. Die aktuelle Entwicklung von Umsatz und Ergebnis ist derzeit beeinflusst von temporären Effekten, die wir im späteren Jahresverlauf zunehmend überwinden werden.“

Im Festnetz-Internetgeschäft verzeichnete O2 leichte Zuwächse, allerdings ist dieser Bereich vergleichsweise klein. Da O2 keine eigenen Festnetz-Anschlüsse besitzt, greift der Anbieter auf andere Netzbetreiber zurück und zahlt dafür Mietgebühren – hier agiert O2 gewissermaßen selbst als Mieter.

Nach dem Abgang von langjährigem O2-Chef Markus Haas im vergangenen Jahr übernahm zu Jahresbeginn der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse die Führung. Der 56-jährige Manager wechselte vom spanischen Telekommunikationsunternehmen Cellnex, wo er zuletzt die polnische Tochterfirma leitete.

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