Aida-Kapitän verrät Sicherheitsstrategie gegen Piratenangriffe
Die Piraterie auf den Weltmeeren stellt nach wie vor eine ernsthafte Bedrohung für die globale Schifffahrt dar, obwohl internationale Bemühungen die Zahl der Vorfälle in den letzten Jahren deutlich reduziert haben. Während im Jahr 2010 noch 445 gemeldete Überfälle den Höchststand markierten, zählte das International Maritime Bureau (IMB) im Jahr 2023 weltweit 120 Fälle von Piraterie und maritimer Kriminalität.
Kreuzfahrtgigant ändert Routenplanung
Vor diesem Hintergrund hat der Kreuzfahrtgigant AIDA Cruises Konsequenzen gezogen und für den Winter 2026/27 erneut keine Routen durch den 193 Kilometer langen Suezkanal angeboten. Diese Entscheidung löste eine breite Diskussion über die Sicherheit in bekannten Risikogebieten aus, insbesondere im Roten Meer und vor der somalischen Küste.
„Wir haben eine Superwaffe: Unsere mehreren Tausend Passagiere würden das Pauschalbuffet verteidigen. Da hätten Piraten keine Chance.“
Dieser scherzhafte Kommentar stammt von AIDA-Kapitän Vincent Cofalka, der kürzlich während der nautischen Stunde an Bord der Aida Cosma die umfassenden Sicherheitsvorkehrungen auf Kreuzfahrtschiffen erläuterte. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Piraterie so lange existiert, wie Schiffe die Weltmeere befahren.
Spezielle Sicherheitsmaßnahmen an Bord
Cofalka erklärte, dass die AIDA-Flotte bewusst Gebiete mit aktiver Piraterie meidet und nur in Ausnahmefällen gefährdete Regionen durchquert. In solchen Situationen bereitet die Crew alle notwendigen Maßnahmen vor, organisiert Geleitschutz und installiert spezielle Frühwarnsysteme.
„Wir setzen außerdem noch einige spezielle Maßnahmen um, die wir nicht veröffentlichen, die es Piraten jedoch erheblich erschweren, an Bord zu kommen“, ergänzte der erfahrene Kapitän.
Die Reederei hat alternative Routen entwickelt, um die Sicherheit der Passagiere und der Crew jederzeit zu gewährleisten. Eine Passagierin schilderte in sozialen Medien ihre Erfahrungen auf dem ihrer Meinung nach letzten AIDA-Schiff, das diese gefährdeten Gewässer durchquerte:
- Mehrere Nächte lang schaltete die Crew das Licht auf dem Deck aus
- Der Einsatz von Taschenlampen wurde verboten
- Sicherheitskräfte patrouillierten mit Ferngläsern
- Ein amerikanischer Zerstörer fing vor dem Schiff einen Drohnenangriff ab
Technische und personelle Vorkehrungen
Die Präventionsmaßnahmen der Reedereien beschränken sich nicht nur auf geografische Anpassungen. Moderne Kreuzfahrtschiffe werden mit umfassenden Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet:
- Bewaffnete Sicherheitskräfte auf bestimmten Routen
- Fortschrittliche Überwachungssysteme
- Lärmkanonen zur Abwehr von Angriffen
- Geleitschutz durch Marineeinheiten
Kapitän Cofalka erklärte dazu: „Die Geleitschutzschiffe operieren heute mit ganz anderen Reichweiten als frühere Marineeinheiten und halten sich meistens irgendwo hinter dem Horizont auf.“
Warum Kreuzfahrtschiffe schwer zu kapern sind
Die Größe und Geschwindigkeit von Kreuzfahrtschiffen erhöhen die Sicherheit erheblich. Piraten haben große Schwierigkeiten, ein Kreuzfahrtschiff zu entern, was mehrere Gründe hat:
- Mindestens 13 Meter hohe Freibordhöhe
- Anwesenheit von über 1000 Menschen an Bord
- Bessere Wendigkeit im Vergleich zu Tankern
- Technische Überlegenheit der Schiffe
Piraten greifen vorwiegend Frachtschiffe, Tanker, Fischerboote und Yachten an, während sie Kreuzfahrtschiffe aufgrund deren technischer Ausstattung und Sicherheitsvorkehrungen nur selten ins Visier nehmen.
Historische Vorfälle und Lehren daraus
Obwohl die Gefahr für Kreuzfahrtschiffe als gering gilt, gab es in der Vergangenheit einige berühmte Vorfälle:
Im Jahr 2005 griffen Piraten die „Seabourn Spirit“ an, wurden jedoch durch Sicherheitsmaßnahmen abgeschreckt. 2008 verfolgten zwei Schnellboote die „Nautica“, doch der Kapitän erhöhte die Geschwindigkeit und entkam den Verfolgern. 2009 unternahmen somalische Piraten einen Versuch, die „MSC Melody“ nahe den Seychellen zu kapern, wobei Passagiere das Schiff mit Tischen und Liegestühlen verteidigten.
In all diesen Fällen verhinderten moderne Technologien und das geschulte Handeln erfahrener Crews ernsthafte Konsequenzen. Die Reedereien haben aus diesen Vorfällen gelernt und ihre Sicherheitskonzepte kontinuierlich verbessert.



