Harzer Schmalspurbahnen: Weniger Fahrgäste, aber Rekordumsatz im Jahr 2025
Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) haben für das vergangene Jahr 2025 eine gemischte Bilanz vorgelegt. Obwohl die Fahrgastzahlen um 1,8 Prozent zurückgingen, erzielte das Unternehmen mit rund 15,5 Millionen Euro den höchsten Jahresumsatz seiner Geschichte. Dieser Anstieg ist vor allem auf zwei Preiserhöhungen im Laufe des Jahres zurückzuführen, die die Einnahmen trotz des Rückgangs bei den Passagieren steigerten.
Fahrgastzahlen im Detail: Brockenbahn bleibt beliebt, Selketalbahn verliert
Insgesamt nutzten im Jahr 2025 etwa 1,12 Millionen Menschen die Züge der HSB, im Vergleich zu 1,14 Millionen im Vorjahr. Die meisten Fahrgäste waren auf der Strecke zum Brocken unterwegs, wo das Deutschlandticket nicht gültig ist. Die Brockenbahn verzeichnete nach Unternehmensangaben 507.000 Passagiere. Den stärksten Rückgang erlebte die Selketalbahn mit einem Minus von 3,7 Prozent und nur noch 104.000 Gästen.
Herausforderungen und Verluste belasten das Unternehmen
Das Jahr 2025 war für die Harzer Schmalspurbahnen trotz des Umsatzrekords äußerst herausfordernd. Das Unternehmen verzeichnete erhebliche Verluste: Im Jahr 2023 lag das Defizit bei 2,4 Millionen Euro, 2024 sogar bei 5,6 Millionen Euro. Bereits in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 summierte sich das Minus auf 4 Millionen Euro. Hauptursachen für diese roten Zahlen sind stark gestiegene Kosten in den Bereichen Energie, Personal und Instandhaltung der historischen Fahrzeuge.
Investitionsstau und kritische Gutachten
Ein Gutachten eines externen Beratungsunternehmens hat die Situation der HSB als hochgradig kritisch eingestuft. Die Analyse kam zu dem Ergebnis, dass Infrastruktur und Fahrzeugflotte so deutliche Instandhaltungsrückstände aufweisen, dass der Betrieb der Schmalspurbahnen langfristig gefährdet ist. Der Investitionsbedarf bis zum Jahr 2045 wurde auf 544,1 Millionen Euro beziffert, hinzu kommen laufende Kosten von 253,2 Millionen Euro. Das Gutachten stellte fest, dass der Dampflokbetrieb in seiner aktuellen Form perspektivlos sei. In der Folge wurde mit dem Land eine Finanzierungsvereinbarung getroffen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Weitere Probleme und Zukunftspläne
Das vergangene Jahr war auch von weiteren Schwierigkeiten geprägt. Aufgrund von Personalmangel musste das Angebot zeitweise im Juli und August ausgedünnt werden. Zudem war an 27 Tagen witterungsbedingt kein Fahrbetrieb zum Brocken möglich. Die HSB betreiben mit etwa 140 Kilometern in Thüringen und Sachsen-Anhalt das längste zusammenhängende Schmalspurnetz Deutschlands.
Für das laufende Jahr steht die Ausgestaltung eines neuen Zukunftskonzepts im Vordergrund. Ein erstes zentrales Projekt ist die Planung einer neuen Triebwagengeneration, bei der zunächst die künftige Antriebsart ermittelt werden soll. Ziel ist es, das Fahrtenangebot behutsam zu modernisieren und gleichzeitig wirtschaftliche sowie ökologische Anforderungen zu erfüllen. Der Erhalt des Gesamtnetzes und der Fortbestand des touristisch wichtigen Dampfbetriebs bleiben dabei klare Kernziele.



