DDR-Legende VT 18.16 kehrt zurück: Historischer Schnelltriebwagen rollt bald an die Ostsee
DDR-Legende VT 18.16 kehrt zurück an die Ostsee

DDR-Eisenbahnlegende kehrt zurück: VT 18.16 bald wieder an der Ostsee unterwegs

Ein technisches Meisterwerk der DDR-Eisenbahngeschichte erlebt seine Renaissance. Nach intensiver siebenjähriger Restaurierungsarbeit durch engagierte Eisenbahnenthusiasten erstrahlt der legendäre Schnelltriebwagen VT 18.16, liebevoll als DDR-ICE bezeichnet, wieder in neuem Glanz. Die ikonische Baureihe könnte schon bald entlang der malerischen Ostseeküste rollen – zur Hanse Sail in Rostock oder zu den Störtebeker-Festspielen auf Rügen.

Sieben Jahre harter Arbeit für die Rückkehr einer Legende

Die Rettung des historischen Zuges war ein Kraftakt: 2542 Tage, also etwa sieben Jahre lang, arbeitete das Team der gemeinnützigen Gesellschaft SVT Görlitz an der Wiederbelebung des technischen Wunderwerks. Anfang März bewegte sich der VT 18.16.07/10 erstmals wieder auf öffentlichen Gleisen – ein bedeutender Meilenstein für alle Beteiligten.

In der DDR repräsentierten die Züge der Baureihe VT 18.16 das absolute Aushängeschild der Deutschen Reichsbahn und galten sogar als eleganter als ihre westlichen Pendants. Sie verkehrten auf prestigeträchtigen Transitstrecken, die wertvolle Devisen ins Land brachten, und verbanden Skandinavien über die DDR mit Osteuropa und Österreich.

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Historische Routen und beeindruckende Technik

Der erste Zug dieser Baureihe wurde bereits 1963 auf der Leipziger Frühjahrsmesse präsentiert, zwischen 1963 und 1968 entstanden insgesamt acht vierteilige Triebwagenzüge. Fünf Hauptrouten mit klangvollen Namen wie „Berlinaren“, „Neptun“, „Vindobona“, „Sorbenexpress“ und „Karlex“ durchzogen das Streckennetz.

Zwei dieser legendären Linien führten durch Mecklenburg-Vorpommern:

  • Der „Berlinaren“ verband Berlin über Pasewalk und Stralsund mit dem Fährhafen Sassnitz auf Rügen, von wo aus die Reise nach Schweden weiter ging.
  • Der „Neptun“ passierte Neustrelitz, Güstrow und Rostock, bevor er in Warnemünde auf die Fähre nach Gedser in Dänemark rollte, mit Endstation Kopenhagen.

Technisch war der Zug für seine Zeit herausragend: Mit zwei Triebwagen und zwei Mittelwagen erreichte er Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde, angetrieben von Motoren mit je 1000 PS. Bis zu 140 Fahrgäste fanden Platz, darunter 23 Gäste im MITROPA-Restaurantwagen.

Von der Ausmusterung zur Wiedergeburt

Nach ihrer Glanzzeit in den 1960er und 1970er Jahren gerieten die Züge in den 1980er Jahren zunehmend aufs Abstellgleis. Die Werkstatt in Berlin fiel weg, die Kapazitäten entsprachen nicht mehr den steigenden Fahrgastzahlen. Nach der Wende gab es verschiedene Bemühungen, einen Triebzug betriebsfähig zu erhalten, doch erst das 2018 gestartete Projekt „Ein Zug für Mitteldeutschland“ brachte den Durchbruch.

Unterstützt von Spenden aus ganz Deutschland, Fördermitteln des Bundesverkehrsministeriums, des Freistaates und teilweise aus SED-Parteivermögen, flossen Millionen in die Restaurierung. Die Ostmecklenburgische Bahnwerk GmbH aus Neustrelitz arbeitete die Maschinendrehgestelle auf, und nun ist der dieselhydraulische Schnellverkehrstriebwagen so weit saniert, dass er wieder auf deutschen Schienen rollen kann.

Fahrten bereits buchbar – auch an die Ostsee

Mario Lieb, Geschäftsführer der SVT Görlitz gGmbH, erklärt nach der ersten erfolgreichen Testfahrt: „Wir hoffen, dass alles gut wird. An der Elektrik und den Zugsicherungssystemen sind noch Korrekturen vorzunehmen.“ Trotz einer Verzögerung von etwa anderthalb Jahren sei man mit dem Projekt noch im Zeitplan für solch ein Großvorhaben.

Bereits jetzt sind konkrete Fahrten buchbar: Das Dresdner Reisebüro Maertens bietet für Ende 2026 den „SVT 18.16 Sonderzug Glühwein-Express Usedom“ an – eine fünftägige Reise von Dresden über Cottbus und Berlin zur Ostseeinsel Usedom mit dreitägigem Aufenthalt in Heringsdorf. Laut Reisebüro gibt es vorrangig noch Plätze in der ersten Klasse.

Für die Zukunft sind weitere ambitionierte Pläne in Arbeit:

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  1. Fahrten zur Hanse Sail nach Rostock oder zu den Störtebeker-Festspielen auf Rügen – sofern entsprechende Charteranfragen von Privatpersonen, Firmen oder Reisebüros eingehen.
  2. Sogar die Wiederbelebung historischer Fährverbindungen ist im Gespräch: Fahrten nach Schweden über Rostock wären als besonderer Höhepunkt alle drei bis vier Jahre denkbar, allerdings mit hohem organisatorischem und finanziellem Aufwand verbunden.

Feinschliff und weitere Unterstützung nötig

Für die Retter der DDR-Legende steht nun der finale Feinschliff an. Ein Zug dieser Größe verursacht kontinuierlich Kosten – für Dieselkraftstoff, weitere Arbeiten am Fahrzeug und die Unterstellung in der Halle in Radebeul. Spenden werden daher weiterhin dankbar angenommen, um dieses einzigartige Stück Eisenbahngeschichte langfristig zu erhalten.

Die Rückkehr des VT 18.16 ist nicht nur ein Triumph für Eisenbahnenthusiasten, sondern auch ein lebendiges Stück Zeitgeschichte, das nun eine neue Generation von Reisenden begeistern kann – besonders entlang der faszinierenden Küstenlandschaft der Ostsee.