Dertour schaltet sich ein: Namensrechtsstreit um Fischer Air eskaliert
Dertour schaltet sich ein: Streit um Fischer Air eskaliert

Reisekonzern Dertour erhebt Anspruch auf Markenrechte der umstrittenen Airline

Der Krimi um die insolvente Fluggesellschaft Fischer Air nimmt eine neue Wendung. Jetzt mischt sich mit Dertour einer der größten Reiseanbieter Deutschlands in die Angelegenheit ein. Das Unternehmen behauptet, die Namensrechte an „Fischer Air“ zu besitzen und hat die umstrittene Airline offiziell abgemahnt.

Funkstille beendet: Airline-Chef verspricht Kulanz bei Stornierungen

Nach wochenlangem Schweigen hat sich Václav Fischer, der 71-jährige Chef der gescheiterten Fluggesellschaft, nun schriftlich zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme versichert er betroffenen Urlaubern, dass alle Stornierungen „sehr kulant“ behandelt und die Beträge umgehend erstattet würden. Fischer betont, dass Rückzahlungen innerhalb von 14 Tagen erfolgen sollen.

Der Unternehmer räumt ein, dass der massive öffentliche Wirbel um seine Airline zu erheblichen Schäden geführt habe. „Wir haben in den letzten Wochen keine neuen Buchungen erhalten, und die Anzahl der Gäste, die Flüge bis Mitte Mai gebucht haben, ist extrem niedrig“, erklärt Fischer. Daher erwäge er, alle geplanten Flüge bis Mitte Mai komplett zu stornieren.

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Neustart im April geplant – doch Dertour legt sich quer

Fischer kündigt an, im April eine neue Fluggesellschaft gründen zu wollen, die dann tatsächlich Flugbetrieb aufnehmen soll. Konkret plant er, ab Mai von Kassel aus mit einer Boeing 737-800 zu starten. Dafür habe Fischer Air bereits Leistungen von verschiedenen EU-Fluggesellschaften in Irland, Kroatien und der Slowakei gechartert oder beabsichtige dies.

Doch ausgerechnet jetzt erhebt Dertour Einspruch. Eine Firmensprecherin erklärt gegenüber Medien: „Die Exim Holding, eine Tochterfirma von Dertour, hat im Jahr 2020 den Reiseveranstalter Fischer übernommen, der in der Tschechischen Republik und der Slowakei aktiv ist. Im Rahmen dieser Übernahme wurden unter anderem auch die Markenrechte am Markennamen ‚Fischer Air‘ erworben.“

Dertour betont ausdrücklich, weder Partner von Fischer Air zu sein noch die Nutzung des Markennamens autorisiert zu haben. Das Unternehmen kündigt an, die Nutzung der Markenrechte zu überprüfen und behält sich rechtliche Schritte vor. Fischer bestreitet diese Darstellung hingegen vehement.

Bisherige Ankündigungen blieben leere Versprechungen

Bereits im letzten Herbst hatte Fischer gegenüber Fachmedien großspurige Pläne angekündigt. Der erste Urlaubsflieger sollte eigentlich schon am 20. Dezember vom Flughafen Kassel nach Gran Canaria starten. Weitere Ziele ab den Airports Friedrichshafen und Hamburg sollten folgen. Doch bis heute ist kein einziger Flieger von Fischer Air abgehoben.

Die tschechische Charterfluggesellschaft hatte ihren Betrieb wegen Insolvenz bereits Ende Oktober 2005 eingestellt. Seither gab es mehrere gescheiterte Wiederbelebungsversuche. Jetzt steht Fischer nicht nur vor logistischen und finanziellen Herausforderungen, sondern auch vor einem möglichen Rechtsstreit mit einem der größten Player der Reisebranche.

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