Ex-Bordfotograf enthüllt: Kreuzfahrt-Job war Albtraum trotz Weltreise
Während an Deck der Ozeanriesen Champagner fließt und Urlauber die Sonne genießen, herrschen unter Deck oft harte Arbeitsrealitäten. Ein ehemaliger Bordfotograf, der von 2009 bis 2012 für eine deutsche Kreuzfahrt-Reederei arbeitete, zieht im Gespräch mit TRAVELBOOK ein vernichtendes Fazit über seine Zeit auf hoher See.
Verlockende Versprechen, harte Realität
„Es klang verlockend. Sie versprachen mir, die Welt entdecken und in Bildern festhalten zu können. Dazu wäre noch das Essen umsonst gewesen. Ich dachte mir: Geil, wo kann ich unterschreiben?“, erinnert sich der Fotograf, der anonym bleiben möchte. Doch die Realität an Bord traf ihn unmittelbar nach dem Einstieg.
Vom Flugzeug ging es direkt auf das Schiff, wo er lediglich 30 Minuten Zeit für seine Mini-Gemeinschaftskabine hatte, bevor er bereits auf dem Pooldeck Passagiere fotografieren musste. „Von Expeditionen und Abenteuern im Orient war die Rede gewesen, nicht davon, Menschen beim Essen zu fotografieren“, so der enttäuschte Fotograf.
Extreme Arbeitsbedingungen unter Deck
Die Arbeitsbedingungen beschreibt der Ex-Bordfotograf als extrem fordernd:
- Sieben Monate ohne freien Tag: In Hochzeiten war er sieben Monate am Stück an Bord, ohne einen einzigen freien Tag zu haben.
- Viele Überstunden: Der Arbeitsdruck war konstant hoch, oft musste er gegen den Willen der Passagiere fotografieren.
- Winzige Unterkunft: Geschlafen wurde in einer fensterlosen 6-Quadratmeter-Kabine, zu zweit und unterhalb der Wasserlinie.
- Niedriges Gehalt: Sein Grundgehalt lag bei etwa 700 bis 800 Euro netto, mit Bonus in guten Monaten bei maximal 1200 Euro netto.
„Hirn aus und einfach machen – nur so habe ich die Arbeitsbedingungen ausgehalten“, beschreibt er seine Überlebensstrategie.
Momente des Lichts in der Dunkelheit
Trotz der harten Bedingungen gab es unvergessliche Erlebnisse, die ihn drei Jahre lang an Bord hielten. „Wer kann schon sagen, dass er Rio vom Hubschrauber aus gesehen hat? Oder dass er an Bob Marleys Grab war? Dass er mit dem Wasserflugzeug über Dubai geflogen ist?“, zählt der Fotograf auf.
„Nirgendwo sonst hätte ich die Möglichkeit gehabt, so viel von der Welt zu sehen. Daher habe ich vieles einfach weggeschoben“, erklärt er seine Motivation, trotz allem weiterzumachen.
Endgültiges Fazit: Nie wieder!
Doch die Schattenseiten überwogen am Ende deutlich. Die extremen Arbeitszeiten, die beengten Verhältnisse und die Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität haben den Fotografen nachhaltig geprägt. Sein endgültiges Urteil fällt eindeutig aus: „Nie wieder! Für kein Geld der Welt.“
Seine Erfahrungen werfen ein kritisches Licht auf die Arbeitsbedingungen in der boomenden Kreuzfahrtindustrie, die Jahr für Jahr mehr Touristen auf die Ozeane lockt, während hinter den Kulissen oft unter schwierigen Bedingungen gearbeitet wird.



