Tag 3 auf der FKK-Kreuzfahrt: Von verpasstem Nacktfußball und nackter Lebensweise
BILD-Reporter Til Biermann (45) befindet sich auf einer elftägigen FKK-Kreuzfahrt durch die Karibik an Bord der „Norwegian Pearl“. Am dritten Tag auf See plant er, nach dem Frühstück im Adamstrikot zum Heck des Schiffes zu spazieren, wo sich ein Sportplatz befindet, der von Netzen umspannt ist, um Bälle vor dem Versinken im Meer zu bewahren. Auf dem Programm steht heute: Nacktfußball!
Biermann fragt sich, wie das wohl funktionieren soll, und denkt an die legendäre Nacktionalmannschaft des Bochumer Regisseurs Gerrit Starczewski. Wie soll er Mitspieler ohne Trikots erkennen? Doch das Problem löst sich von selbst: Das Schiff ist in der Nacht in eine andere Zeitzone gefahren, und Biermann ist eine Stunde zu spät – der Kick ist bereits vorbei. Auch Nudist Marco (60) aus Kanada hat sich verrechnet, und die beiden passen stattdessen ein wenig hin und her.
Vielfältige FKK-Gäste an Bord
Dabei kommt Marco ins Plaudern. Für ihn und seine Gattin Cindy ist es die erste Nacktkreuzfahrt, obwohl er seit seinem 16. Lebensjahr FKKler ist. „In Quebec sagte jemand zu mir: ‚Da hinten bei den Wasserfällen schwimmen alle nackt!‘ Ich bin hin, mitten in der Pubertät, und sah all die schönen Körper, alles so frei! Seitdem bin ich dabei“, erzählt er.
Während die „Norwegian Pearl“ Kurs auf die ABC-Inseln nimmt, lässt Biermann die Blicke schweifen. Die meisten Gäste sind Amerikaner, aber die Gruppe ist bunt gemischt: Kriegsveteranen mit Prothesen, linke Hippies aus New York, und sogar ein Mann mit roter MAGA-Mütze – und Ringen um den Penis. Biermann fragt sich, was der US-Präsident wohl dazu sagen würde.
Die Redaktion hat Biermann aufgefordert, nicht nur sich selbst, sondern auch Mitreisende zu fotografieren. Doch das erweist sich als schwierig, da die sonst zeigefreudigen Nudisten abseits ihrer Gemeinschaft viel Wert auf Privatsphäre legen. Biermann denkt: „Ein Elektriker muss Kabel ziehen, ein Bäcker muss Brot backen, ein Reporter muss … Nackte finden, die sich knipsen lassen.“
April Genter: Maklerin für Nudisten-Gemeinden
Im 7. Stock des Ozeanriesen steht eine kleine Messe mit Flyern und Prospekten, die für Nudisten-Ferienklubs und Nudisten-Wohnanlagen wirbt. Biermann trifft hier auf April Genter (62), eine überzeugte Nudistin, die ihre Lebensweise öffentlich zeigt. Sie erzählt, dass der Streaming-Riese HBO gerade einen Film über sie und das Nacktsein dreht, aber sie aufpassen muss: „Viele Leute machen sich über unsere Kultur lustig.“
Als Maklerin verkauft April Häuser in FKK-Gemeinden in Florida. „Ich liebte es schon immer, ohne Kleidung im Golf von Mexiko zu segeln, nackt vom Boot ins Wasser zu springen. Als ich 28 war, entschloss ich mich, immer so zu leben“, sagt sie. Sie zog in die von Nudisten gegründete Gemeinde „Paradise Lakes“.
Eines sei ihr wichtig, betont April: „Ich ziehe mich niemals einfach so vor Fremden aus. Ich bin keine Exhibitionistin. Ich möchte da leben, wo meine Nacktheit okay ist.“ Auf die Frage, was ihr an der FKK-Kreuzfahrt am besten gefällt, antwortet sie ohne Zögern: In den Bord-Discos nackt tanzen und Karaoke singen. Sie lädt Biermann ein, mitzukommen, was er sich überlegen muss – und vielleicht ein paar Disco-Moves einstudieren, ohne Hose.



