„Wo gesungen wird, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Diese Volksweisheit scheint in Hildebrandshagen lebendig zu sein. In dem kleinen Ort, in dem etwa 40 Menschen ganzjährig leben, versammeln sich alljährlich rund 50 Personen zum traditionellen Maisingen. Seit etwa 25 Jahren laden die Bewohner zum Frühlingssingen in die Fachwerkkirche ein. Damals wurde Geld benötigt, um das knapp 450 Jahre alte Gotteshaus zu sanieren.
Tradition mit Geschichte
Günter Fröbe, Vorsitzender des Ortskirchenrates in Hildebrandshagen, erinnert sich gern an den Berliner Pfarrer Claus Eggers, der große Freude an dem Dorf und seiner Kirche hatte. Zwei Busse kamen damals aus dem ehemaligen West-Berlin zum „Schneeglöckchengottesdienst“. Denn das erste Singen fand im April statt, als die Schneeglöckchen noch blühten. Heute heißt die Veranstaltung „Maisingen“, und Spenden für die Kirche sind weiterhin willkommen. Doch niemand muss Eintritt zahlen, selbst Kaffee und Kuchen werden von den Hildebrandshagenern kostenlos angeboten.
Kulinarische Köstlichkeiten
Das Angebot an selbstgebackenem Kuchen ist vielfältig: Schokokuchen, Kirschkuchen, Fruchtschnitte und natürlich der legendäre Mohnkuchen aus dem Hause Ostermeyer. Schwiegertochter Michaela Ostermeyer erlebt das traditionelle Maisingen nun ebenfalls seit einigen Jahren und ist immer wieder beeindruckt, was in diesem kleinen Ort auf die Beine gestellt wird. Allein für das Maisingen werden Bänke und Tische gebracht, Blumendeko platziert, Kuchen gebacken, Kaffee gekocht, mitgesungen, Geschirr abgewaschen und alles wieder aufgeräumt.
Musik und Gemeinschaft
Instrumentale Unterstützung erhalten die Maisänger aus dem Hause Fröbe, während die Damen von ihrer Woldegker Musiklehrerin hervorragend vorbereitet werden. Ob „Der Mai ist gekommen“ oder „Alle Vöglein sind schon da“ – wer den Text nicht parat hat, summt mit oder sucht ihn auf dem Handy. In diesem Jahr waren einige Kinder des Woldegker Schulchores zu Gast. Auch das hat Tradition: Gäste kommen, die das Maisingen instrumental oder gesanglich unterstützen. Im Anschluss gibt es Kuchen und Kaffee. Da das Wetter mitspielte, blieben viele noch länger sitzen. Denn das Singen ist eine gute Gelegenheit, Menschen zu treffen, die man sonst nicht sieht. Es kommen nicht nur Hildebrandshagener, sondern auch Gäste aus der Umgebung. Und natürlich landete auch wieder Geld in der Spendenbüchse für die Kirche.



