Ins Wort fallen: In Frankreich und Italien nicht unhöflich
Ins Wort fallen: In Frankreich und Italien nicht unhöflich

In Deutschland gilt es als Selbstverständlichkeit: Erst ausreden lassen, dann sprechen. In Frankreich und oft auch in Italien läuft das anders – und zwar ganz bewusst. Was hierzulande schnell als unhöflich gilt, ist dort Teil der ganz normalen Gesprächskultur. Im Urlaub kann man sich also voll und ganz drauf einlassen.

In Deutschland wartet man – in Frankreich redet man

Viele kennen die Situation: Das Gegenüber spricht noch, doch die eigene Antwort steht längst bereit. Trotzdem hält man sich zurück. Höflichkeit geht vor, auch wenn der eigene Gedanke dabei vielleicht verloren geht. Genau so läuft es in Deutschland häufig.

In Frankreich dagegen sieht man das lockerer. Dort ist es nicht automatisch unhöflich, jemandem ins Wort zu fallen, wie auch TRAVELBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer) berichtet.

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Was manche aus französischen Filmen kennen, hat mit Klischee wenig zu tun. Gespräche zwischen Franzosen sind meist lebhaft. Oft reden mehrere gleichzeitig. Das wirkt für Außenstehende chaotisch – ist aber kulturell verankert.

Andere Länder, andere Gesprächsregeln

„Im Gespräch ist es (in Frankreich, Anm. d. Red.) tendenziell üblich, seinem Gesprächspartner ins Wort zu fallen, um seinen Gedanken aufzugreifen und weiter auszuführen.“ So steht es in einer Veröffentlichung des Sprachreisenvermittlers „Sprachenmarkt“. Und weiter: „Dieses aktive Zuhören zeigt Interesse und Aufmerksamkeit.“

Hinter dem Unterbrechen steckt also keine Respektlosigkeit, sondern eine andere Sicht auf Kommunikation. Wer sich einmischt, signalisiert Beteiligung. Wer reagiert, zeigt Interesse.

Vielen Urlaubern oder Berufstätigen, die sich in Frankreich aufhalten, ist das nicht klar. Missverständnisse sind programmiert.

Auch in Italien wird lebhaft diskutiert

Nicht nur in Frankreich ist das so. Ähnlich läuft es im Nachbarland Italien. „Ich versichere Ihnen, dass wir Italiener uns ständig ‚unterbrechen‘“, schreibt ein Nutzer auf „Reddit“.

Aus seiner Sicht sei das allerdings vor allem aus angloamerikanischer Perspektive überhaupt eine Unterbrechung. In seiner Kultur sei es normal, sich in ein Gespräch einzuschalten, wenn man direkt auf etwas reagieren wolle, das die andere Person gesagt hat. Das Gleiche gelte neben Franzosen auch für Spanier und Griechen.

Der Tenor der „Reddit“-Diskussion ist differenziert. Zwar komme gegenseitiges Unterbrechen in Ländern wie Italien oder Frankreich häufiger vor und werde gesellschaftlich stärker toleriert.

Doch das heißt nicht, dass es alle gut finden. Mehrere Nutzer schreiben, sie empfänden es durchaus als unhöflich oder störend – hätten sich aber an diese Form der Gesprächsführung gewöhnt.

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