Münchner Touristin erlebt Iran-Krieg in Dubai: Raketen statt Kreuzfahrt-Idylle
Eine geplante Kreuzfahrt durch den Arabischen Golf verwandelte sich für Annette Krinninger aus München in ein Kriegserlebnis. Die 57-Jährige und ihr Partner befanden sich während des Iran-Kriegs auf einem Kreuzfahrtschiff im Hafen von Dubai und wurden Zeugen von Raketenangriffen, Drohnen und Kampfjets. Ihre Rückkehr nach Deutschland gestaltete sich spektakulär und gefährlich.
Urlaubsträume werden zum Albtraum
Eigentlich hatte Annette Krinninger mit ihrem Partner einen entspannten Urlaub geplant: Eine Woche Kreuzfahrt durch den Arabischen Golf. „Die ersten Tage waren noch ganz wunderbar. Als wir dann in Dubai eingelaufen sind, ging dann alles los“, erinnert sich die Münchnerin. Die Gäste des Schiffs wurden über Angriffe auf Dubai informiert. „Wenig später haben wir schon eine Rakete über uns hinwegzischen sehen.“ Neben Kampfjets hörte sie auch Einschläge, beispielsweise bei iranischen Angriffen auf einen Öltanker oder das US-Konsulat.
Festsitzen im Kriegsgebiet
Die Angriffe bedeuteten, dass ihr Schiff keine Ausfahrerlaubnis mehr erhielt. Der Seeweg über die Straße von Hormus war gesperrt, ebenso wie der Flugverkehr. „Ich hatte dann relativ schnell das Gefühl, als würde sich eine Schlinge immer enger um den Hals ziehen. Es gab keinen Ausweg“, beschreibt Krinninger die beklemmende Situation. Die folgenden vier Tage verbrachten die 57-Jährige und ihr Partner auf dem Schiff, verschickten viele Nachrichten nach Hause und nutzten den Pool und das Fitnessstudio. Neben ihnen waren auch viele andere Deutsche an Bord, mit denen sie sich austauschten und die Lage besprachen.
Dramatische Rückreise unter Kampfjet-Begleitung
Ihr Rückflug wurde annulliert, doch mit Glück erhielten sie einen Platz in einem der wenigen inzwischen wieder stattfindenden Flüge. „Wir sind dann mitten in der Nacht alleine vom Schiff runter zum Flughafen gebracht worden“, erzählt Krinninger. Als das Flugzeug dann tatsächlich startete, seien ihr die Tränen heruntergelaufen. „Aber in der Luft wusste ich, jetzt werden wir es irgendwie hinkriegen.“ Zu Beginn begleitete ein Kampfjet das Flugzeug, das nur einen wenige Hundert Meter breiten Korridor im sonst gesperrten Luftraum nutzen konnte. Entlang der Grenze zwischen Saudi-Arabien und Oman nahm das Flugzeug einen großen Umweg. Über den Suezkanal und Kairo mit Zwischenstationen in Istanbul und Amsterdam kehrten Krinninger und ihr Partner dann mit vielen tiefgreifenden Erinnerungen nach Deutschland zurück.
Hoffnung für andere Betroffene
„Ich hab’ so ein paar Bilder im Kopf, die vergisst man jetzt erst mal nicht“, sagt die 57-Jährige, die am Münchner Flughafen in der Flugzeugabfertigung arbeitet. Sie erzählt ihre Geschichte gern, vor allem, um Reisenden, die noch immer durch den Krieg festsitzen, Hoffnung zu machen. Genug vom Reisen hat Krinninger trotz der Erlebnisse nicht. Ganz so turbulent wie in Dubai muss es dann aber erst mal nicht mehr werden. „Wenn ich das nächste Mal verreise, dann mach’ ich etwas Ruhiges, vielleicht ein paar Tage einfach irgendwo baden und nichts machen.“



