Die Peene wird auch der Amazonas des Nordens genannt. Sie ist einer der letzten ungezähmten Flüsse Deutschlands und bietet eine beeindruckende Naturkulisse. Wir erkunden sie bei einer Radrunde, die in Stolpe an der Peene beginnt und endet.
Start in Stolpe an der Peene
Unsere Tour beginnt in Stolpe an der Peene. Vor dem Start stehen wir vor der Wahl: sofort losradeln oder den Ort erkunden? Ein Spaziergang führt zur 350 Jahre alten Fährkrug-Gaststätte, vorbei am Hafen mit Liegewiese und Volleyballfeld. Auf einem Hügel unweit des Hafens wacht eine alte Klosterruine aus dem 12. Jahrhundert über den Fluss.
Wissenswertes über den Amazonas des Nordens
Während die Kinder auf dem Spielplatz gegenüber des Gutshofs Stolpe spielen, können Erwachsene auf Schautafeln mehr über die Gärten der Germanen erfahren. Der Naturpark Flusslandschaft Peenetal bietet ein Besucherinformationszentrum mit interaktiver Ausstellung. Hier lernt man spielerisch alles über die Peene, einen der letzten unverbauten Flüsse Deutschlands. Biber, Fischotter, Flussneunauge und das seltene Ostseeknabenkraut sind nur einige der Naturwunder, die es zu entdecken gilt. Die Flussniederung ist eines der größten zusammenhängenden Niedermoorgebiete Mittel- und Westeuropas.
Hinweis des Autors
Die Rundtour ist nur von Ostern bis Ende Oktober möglich, da man in Stolpe auf die Fähre angewiesen ist. Vorher sollte man die Betriebszeiten prüfen. Falls die Fähre nicht verkehrt, empfiehlt es sich, das Teilstück südlich der Peene zu fahren, da dort mehr Sehenswürdigkeiten liegen.
Die ersten Kilometer
Wir folgen dem Peenetal-Radrundweg durch eine schöne Allee aus Stolpe hinaus. Mit Vorsicht überqueren wir die B110 und gelangen auf einen Panzerplattenweg, der schnurgerade verläuft. Hohe Feldhecken geben den Blick auf Felder frei, eine Oase der Ruhe mit Rehen und Kranichen. Kurz vor Medow, dessen Name vom slawischen Medowe für Honigdorf stammt, versteckt sich eine Traufe im Unterholz. Im Ort halten wir uns rechts auf der Hauptstraße, vorbei am ehemaligen Pferdestall mit Gutsschmiede, in Richtung Krien.
Unter den Allee-Bäumen
Der schnurgerade Peene-Süd-Kanal ist leicht zu erkennen. Er wurde einst zur Bewässerung der Friedländer Großen Wiese angelegt. Nach Überquerung des Kanals biegen wir hinter Brenkenhof rechts ab. In Wussentin zeigt ein Wegweiser die Entfernungen zu Sydney, Mumbai und dem Nordkap. Am Tempo-30-Schild fahren wir links auf einer schmalen Straße zwischen zwei Häusern hindurch. Unter den Allee-Bäumen lässt es sich entspannt radeln. Fischadler nutzen die Bäume als Start- und Landeplatz. In der ersten Kurve verlassen wir die Straße nach rechts auf einen Feldweg. Es wird holprig, aber die Fahrt durch das Steinmockersche Holz entschädigt. Hinter dem Wald säumen hohe Feldhecken den Kopfsteinpflasterweg. Eine Rehfamilie zögert am Fallobst-Büfett, zieht sich dann zurück.
Ein Streit zwischen Riesen
An der Straßenkreuzung halten wir uns links nach Steinmocker. Bereits in der Bronzezeit wurde hier gesiedelt, zwölf Hügelgräber bezeugen dies. Um den Ort herum liegen zwei Großfindlinge, über die eine Sage berichtet: Zwei Riesen in Anklam und Demmin bewarfen sich mit Steinen, die auf halbem Weg bei Steinmocker niederfielen. Seitdem ist Steinmocker steinreich.
Rast und Sehenswürdigkeiten
Kurz vor dem Ortsausgang fahren wir rechts (Straßenschild 25–28) an der Wohngruppe Steinmocker vorbei. Über einen Wassergraben gelangen wir nach Klein Below, wo uns große Laufvögel überraschen – die Straußenzucht Gut Owstin hat hier eine Außenstelle. Wir fahren rechts ab nach Neetzow, wo das Schloss Neetzow aus dem Jahr 1848 im Stil englischer Landsitze auf uns wartet. Inmitten eines Landschaftsparks steht eines der eindrucksvollsten romantischen Schlösser von Friedrich Hitzig, einem Schüler von Karl Friedrich Schinkel. Der achteckige Turm und die gelben Klinker stechen hervor. Ein Streifzug durch den Park offenbart außergewöhnliche Bäume.
Fahrradunfreundliche Passagen
Wir radeln über die B110 nach Kagenow, vorbei an der Dorfkirche. Hinter dem Kanal wird es kurz anstrengend, aber der Feldweg wird schnell besser. In Groß Toitin rollt es wieder flott. Vor der B110 biegen wir rechts ab und folgen einem schmalen Baumweg neben der Bundesstraße. An zahlreichen Torfstichen vorbei – früher hatte fast jeder Haushalt in Jarmen seinen eigenen – erreichen wir Jarmen unter der A20 hindurch. Eine überlebensgroße Biberstatue steht vor einer rotierenden Steinkugel aus tonnenschweren Eiszeitfindlingen. Wir rollen durch die Gässchen der Altstadt mit der Sankt-Marien-Kirche aus dem 13. Jahrhundert zum Hafen. Von dort geht es zur Burgstraße, um die Peene auf dem Radweg der Brücke zu überqueren.
Wasserflaschen auffüllen in Gützkow
Ein zweites Mal unter der A20 hindurch biegen wir rechts nach Breechen ab. Hinter dem letzten Grundstück folgen wir einem Plattenweg rechts. Beiderseits weite Felder, bis wir eine kleine Ansiedlung durchqueren. Kurz darauf erreichen wir Gützkow. Hier sollten die Wasserflaschen aufgefüllt werden, denn bis Stolpe gibt es kaum Möglichkeiten. Wir radeln kurz neben der B111 und verlassen sie hinter dem Supermarkt nach rechts. Bergab am Gymnasium vorbei liegt eine Parkanlage. Im Rathaus gegenüber der Kirche gibt es ein Heimatmuseum (nach Voranmeldung).
Büffel und Strauße auf Gut Owstin
Direkt hinter Gützkow lädt das Freibad am Kosenowsee zur Pause ein. Gut erholt fahren wir rechts in Richtung Anklam. Ein Hinweisschild kündigt das Gut Owstin an, das älteste vorpommersche Rittergut. Im Gutsladen der Straußen- und Büffelzucht gibt es Delikatessen und Straußeneier. Auf der Weiterfahrt nach Lüssow können grasende Wasserbüffel gesichtet werden.
Trabbi-Treffen in Anklam
Die Kilometer bis Quilow vergehen schnell. Mit Motorhauben verzierte Scheunentore am Dorfteich kündigen das Vereinsheim des Trabbi Buggy Clubs an. Der Verein veranstaltet das bekannte Trabi-Treffen auf dem Flugplatz von Anklam. Tausende Trabifans strömen zu dem Fest mit Ausfahrt, DDR-Fahrzeugen, Riesenrad und Party. Das Quilower Wasserschloss, eine der wenigen erhaltenen Renaissanceanlagen in MV, wird derzeit restauriert. Vom Dorfteich aus fahren wir zurück den Hügel hinauf und folgen dem Wegweiser zur Fähre.
Abschluss der Tour
Das Landschaftsschutzgebiet Unteres Peenetal und Peene-Haff zeigt sich von seiner schönsten Seite. Wir steigen vom Rad und genießen die Ruhe. Der Blick in die Ferne lässt Alltagssorgen vergessen. Der Wald auf dem letzten Abschnitt mit Wassergräben erinnert an tropische Sumpfgebiete. Am Ufer der Peene ist zunächst keine Fähre zu sehen, aber ein Schlegel und Metallbrett an einem Pfahl dienen als Signal. Der Fährmann hört das Zeichen und holt uns ab. Entspannt schippern wir zum Ausgangspunkt zurück.



