Pembrokeshire Coast Path: Ein wildes Wanderparadies an der Küste von Wales
Im Südwesten von Wales erstreckt sich der atemberaubende Pembrokeshire Coast Path, ein Wanderweg, der Strände, Klippen, Buchten und Burgen miteinander verbindet. Er führt auch zur kleinsten Stadt Großbritanniens und zu Tausenden von Papageientauchern, die hier ihre Heimat gefunden haben.
Papageientaucher: Die Clowns der Meere
Wer mit der „Dale Princess“ hinausfährt, erlebt ein besonderes Naturschauspiel: Rund um die Inseln Skomer und Skokholm in Pembrokeshire leben Papageientaucher in großen Kolonien. Diese Vögel mit ihren orange-gemusterten Schnäbeln und schwarz-weißem Gefieder sind eine echte Attraktion. Mitte April kommen sie zum Brüten, Ende Juli ziehen sie weiter in den Atlantik.
Skipper Charlie Baldwin erklärt: „Die Puffins sind eine Erfolgsgeschichte, wir haben jetzt 43.000 Exemplare, fast dreimal so viel wie vor zwanzig Jahren.“ Der Bestand erholt sich dank des Verbots der kommerziellen Sandaal-Fischerei, da diese Minifische die Hauptnahrung der Papageientaucher sind. „Sie schaffen es, mehr als 60 Sandaale in ihren Schnabel zu stopfen, um ihre Jungen zu füttern.“
Nationalpark und Küstenpfad: Einzigartige Naturerlebnisse
Der Pembrokeshire-Coast-Nationalpark, gegründet 1952, ist der einzige Nationalpark Großbritanniens, der sich entlang der Küste erstreckt. Mit einer Fläche von 620 Quadratkilometern bietet er Schutz für Kegelrobben, die hier ab Ende August ihre Jungen zur Welt bringen. Der 300 Kilometer lange Coast Path folgt der Küste Bucht für Bucht und ist ein Vorhaben von mindestens zwölf Tagen für durchgehende Wanderer.
Das „National Geographic“-Magazin bezeichnete den Fernwanderweg als einen der schönsten der Welt. Grasbewachsene Wiesen, schroffe Felsformationen, kleine Buchten und weitläufige Sandstrände wechseln sich ab. Der Pfad verbindet 58 Strände und 14 Häfen, vorbei an Burgen, Schlössern und keltischen Kapellen.
St Davids: Die kleinste Stadt mit großer Geschichte
Am Küstenpfad liegt Tyddewi, auf Englisch St Davids, die offiziell kleinste Stadt im Vereinigten Königreich. Sie beherbergt eine der ältesten Kathedralen des Landes und 200 denkmalgeschützte Bauwerke. Namensgeber ist der Heilige David, Schutzpatron von Wales, der hier im sechsten Jahrhundert geboren wurde.
Neil Walsh, ein Bewohner von St Davids, erklärt stolz: „Wir haben im Mittelalter eine genauso wichtige Rolle gespielt wie Santiago de Compostela. Zwei Wallfahrten zu unserer Kathedrale entsprachen einer nach Rom.“ Seine Familie lebt seit acht Generationen hier, und er betreibt eine Ginbrennerei mit lokalen Zutaten wie Seegras aus den Buchten.
Weitere Highlights entlang des Weges
Nur zwei Meilen von St Davids entfernt liegt der Whitesands Beach, einer der schönsten Sandstrände der Grafschaft. Hier treffen Irische See und Atlantik mit Wucht aufeinander, was Surfer anlockt. Bei gutem Wetter kann man sogar die Küste Irlands erkennen.
Der Küstenweg führt weiter zum Fischerort Fishguard, einem Drehort des Filmklassikers „Moby Dick“. In den Preseli-Bergen, die eine Verbindung zu Stonehenge haben, stammt der berühmte Blaustein. Das megalithische Monument Pentre Ifan, eine Grabstätte aus der Jungsteinzeit, bietet einen weiteren Abstecher ins Landesinnere.
Fazit: Ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber
Wanderführer Ewan Rees, der die walisische Sprache und Kultur liebt, resümiert: „Wir haben hier ein kleines Paradies, es ist noch nicht überlaufen. Und es gibt fünfmal so viele Schafe wie Menschen.“ Der Pembrokeshire Coast Path ist mehr als nur ein Wanderweg – er ist eine Reise durch atemberaubende Landschaften, reiche Geschichte und lebendige Natur.



