Der Campingtourismus boomt in der Prignitz. Mittlerweile werden auch in der Vor- und Nachsaison manche Stellplätze knapp. Die Region profitiert deutlich von diesem Trend.
Camping auf dem Vormarsch
Es ist mittlerweile ein gewohntes Bild auch in der Prignitz: Nicht nur im Sommer, sondern bereits während der Vor- und Nachsaison zieht es viele Urlauber auf die Campingplätze in der Region. Auch zu Ostern zeigte sich wieder das gewohnte Bild: gut gefüllte Plätze zwischen Lenzen und Wittstock.
Zufrieden zeigt sich etwa Svenja Schwarte, Inhaberin von Schloss Sigrön. Zu dem weitläufigen Gelände gehört auch ein Campingplatz. „Ostern haben viele für einen Kurzurlaub genutzt“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das ist immer unser Saisonauftakt.“
„Camping ist die Art von Urlaub, die auf dem Vormarsch ist“, zeigt sich die Hotelbesitzerin überzeugt. Das zeigten alle Statistiken und Auswertungen. Auch bei ihr und ihrem Mann, die Ostern 2024 den Hotel- und Restaurantbetrieb in dem renovierten Schloss eröffnet haben, nehmen die Anfragen nach Campingplätzen zu.
„Die meisten sind schon die Schönwettercamper. In der Nachsaison sehen wir nochmals Weihnachten und Silvester einen Peak.“ Lediglich in der Frostperiode zum Jahresbeginn sei weniger los, aber schon zu Ostern steige die Nachfrage bereits wieder. Campen ist also nicht nur etwas für die Sommermonate.
Warum „Knattercamping“ kräftig investiert
Ähnliche Beobachtungen macht Friedemann Weber von „Knattercamping“ in Bantikow bei Wusterhausen/Dosse. „Die Auslastung zu Ostern war sehr gut, wie eigentlich jedes Jahr“, bestätigt er auf Nachfrage. „Auch an Pfingsten oder Himmelfahrt sind wir in der Regel ausgebucht.“ In den vergangenen Jahren habe die Nachfrage deutlich zugenommen – wie in der gesamten Region.
„In der Nebensaison geht aber schon immer noch mehr“, schränkt er ein. „Wir sind nicht die Ostsee oder der Spreewald.“ Dennoch würden die Gästezahlen auch außerhalb der Haupturlaubszeit zunehmen.
Dafür wurde bei „Knattercamping“ in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Laut Weber wurde das Waschhaus für einen mittleren sechsstelligen Betrag saniert und um einen Wintergarten erweitert. Zudem entstand ein Außenduschbereich im Kiefernwald. Er soll laut Weber insbesondere in hochsommerlichen Spitzenzeiten zusätzliche Kapazitäten bereitstellen.
Die Betreiber setzen bewusst auf Campingstellplätze und verzichten auf andere Angebote. „Es ist eher so, dass sich Ferienunterkünfte nicht lohnen“, ist Weber überzeugt. So müsse man Mitarbeiter für die Reinigung beschäftigen. Und Urlauber würden für den gleichen Preis lieber in eine „richtige“ Ferienwohnung ziehen.
Camping sorgt für steigende Gästezahlen
Der Trend zum Campingtourismus lässt sich in ganz Brandenburg an den Buchungszahlen ablesen, bestätigt Kati Bork, Sprecherin der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz in Perleberg. Der Campingtourismus sei landesweit ein wesentlicher Wachstumstreiber. Im vergangenen Jahr wurden demnach im Land Brandenburg rund 14,3 Millionen Übernachtungen gezählt. Rund 1,6 Millionen – also etwa elf Prozent – davon waren Campinggäste.
Auch die Prignitz profitiere von diesem Trend zum Individualurlaub und punkte mit einer Kombination aus Camping und Natur sowie Camping und Aktivurlaub, vor allem Radfahren. Denn durch den Landkreis führt nicht nur der Elberadweg, einer der beliebtesten Flussradwege Deutschlands. Auch abseits des Flusses ist die überwiegend flache Region ein regelrechtes Paradies für Radler.
„Die Saison entzerrt sich spürbar“, bestätigt Kati Bork. Auch in Brandenburg sei eine stabilere Nachfrage außerhalb der klassischen Sommermonate zu beobachten. Hochwertige Ausstattungen und Investitionen in die Plätze ermöglichten einen höheren Standard und eine verlängerte Saisonnutzung.
So investiert die LAGA Tourismus Wittenberge GmbH, eine städtische Tochtergesellschaft, gerade massiv in den Caravanstellplatz direkt am Elbufer. Das frühere Restaurant „Fährmann“ wird dafür komplett umgebaut. Im Obergeschoss entstehen neue Duschen und Toiletten für Camper, dazu ein großes Wohnzimmer mit Panoramablick über die Elbe. Auch die Stellplätze selbst werden verbessert, unter anderem erhalten sie neue Stromanschlüsse.



