Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat ein Prüfverfahren gegen den Online-Modehändler Zalando SE eingeleitet. Wie die Behörde am Freitag mitteilte, liegen konkrete Anhaltspunkte für Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften vor. Betroffen ist der gebilligte Konzernabschluss zum 31. Dezember 2025 sowie der zugehörige Lagebericht. Die Prüfung wurde am 19. Juni 2026 eröffnet.
Mögliche fehlerhafte Angaben zu Transaktion mit nahestehendem Unternehmen
Im Fokus der Untersuchung steht laut Bafin eine Transaktion mit einem nahestehenden Unternehmen im Rahmen des Erwerbs der About You Holding SE. Konkret geht es um Angaben im Anhang des Konzernabschlusses, die möglicherweise fehlerhaft unterlassen wurden. Zalando hatte die Übernahme von About You im Jahr 2025 abgeschlossen. Die Bafin prüft nun, ob alle erforderlichen Informationen zu dieser Transaktion ordnungsgemäß offengelegt wurden.
Die Prüfung erfolgt auf Basis des Wertpapierhandelsgesetzes und des Bilanzkontrollgesetzes. Sollten die Vorwürfe bestätigt werden, drohen dem Unternehmen Sanktionen, die von Bußgeldern bis hin zur öffentlichen Bekanntmachung der Verstöße reichen können.
Zalando steht unter Druck
Der Online-Händler, der zuletzt mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen hatte, sieht sich nun auch mit regulatorischen Risiken konfrontiert. Die Aktie von Zalando reagierte am Freitag mit leichten Kursverlusten auf die Nachricht. Analysten zeigen sich besorgt über die möglichen finanziellen Auswirkungen und den Imageschaden. Ein Sprecher von Zalando erklärte, man kooperiere vollumfänglich mit der Bafin und sei zuversichtlich, dass die Prüfung keine wesentlichen Mängel ergeben werde.
Die Bafin betonte, dass die Prüfung noch am Anfang stehe und keine abschließende Bewertung vorliege. Die Behörde hat jedoch die Möglichkeit, bei schwerwiegenden Verstößen auch Sonderprüfer einzusetzen oder Strafanzeige zu stellen.
Hintergrund: Strengere Kontrolle der Rechnungslegung
Die Finanzaufsicht verschärft seit Jahren die Kontrolle von Unternehmensabschlüssen. Insbesondere bei Übernahmen und Transaktionen mit nahestehenden Unternehmen wird genau hingeschaut. Im Fall von Zalando geht es um die Frage, ob die Transaktion mit einem verbundenen Unternehmen im Rahmen des About-You-Erwerbs korrekt bilanziert wurde. Experten zufolge könnten hier Bewertungsspielräume oder Offenlegungspflichten nicht ausreichend beachtet worden sein.
Die Prüfung dürfte mehrere Monate in Anspruch nehmen. Bis dahin bleibt die Unsicherheit für Anleger und Geschäftspartner bestehen. Für Zalando kommt die Untersuchung zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da der Konzern ohnehin mit rückläufigen Umsätzen und einem intensiven Wettbewerb im E-Commerce kämpft.
Die Bafin hat in der Vergangenheit mehrfach gegen Unternehmen wegen Bilanzierungsfehlern ermittelt. So wurde etwa erst kürzlich ein Sonderbeauftragter zur Deutschen Finance geschickt, von der 50.000 Anleger betroffen sind. Die Behörde unterstreicht damit ihren Anspruch, für Transparenz und Ordnung auf den Finanzmärkten zu sorgen.



