Berenberg: Bafin-Sonderbeauftragte suchen neue Geschäftsleitung
Berenberg: Bafin-Sonderbeauftragte suchen neue Führung

Die Hamburger Privatbank Berenberg steckt in einer tiefen Führungskrise. Nachdem die Finanzaufsicht Bafin die gesamte Geschäftsleitung des Instituts abgesetzt hat, sollen nun zwei Sonderbeauftragte die Nachfolge regeln. Insidern zufolge laufen bereits Gespräche mit möglichen Kandidaten für eine neue Geschäftsleitung.

Bafin entmachtet gesamte Geschäftsleitung

Am Freitag ordnete die Bafin an, dass alle drei Geschäftsleiter der Berenberg Bank „ihre Befugnisse ruhen lassen“ müssen. Betroffen sind die persönlich haftenden Gesellschafter Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn. Hintergrund ist ein monatelanger Streit um die Bilanz, der eskaliert war.

Als Konsequenz übernahmen zwei von der Bafin eingesetzte Sonderbeauftragte die Geschäftsleitung: Hans-Walter Peters, langjähriger Chef der Bank und späterer Verwaltungsratsvorsitzender, sowie Michael Horf, ehemaliger Vorstand der Degussa Bank.

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Gespräche mit potenziellen Nachfolgern laufen

Insidern zufolge führen die Sonderbeauftragten bereits Gespräche mit Kandidaten, die zunächst in die erweiterte Geschäftsleitung aufrücken und später die Führung des Instituts übernehmen könnten. Ziel sei es, gemeinsam mit den Gesellschaftern bis spätestens Jahresende alle Führungsfragen zu klären.

Derzeit werden Peters und Horf von Frederik Gottlob, Leiter des Bereichs Corporate, Wealth and Asset Management, sowie Laura Janssens, Chefin der Investmentbank, unterstützt. Beide sind Mitglieder der erweiterten Geschäftsleitung.

Hintergrund der Krise: Corporate-Governance-Verstöße

Laut Mitteilung der Bank ergaben sich während der Jahresabschlussprüfung für 2025 Hinweise auf mögliche Verstöße gegen die Corporate Governance. „Dies betraf insbesondere bestimmte Markttransaktionen mit unklarem Hintergrund, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz fehlte.“

Die Historie der Berenberg Bank reicht bis 1590 zurück. In den vergangenen Jahren wurde das Institut operativ von Hendrik Riehmer geführt, der seit 1994 für das Traditionshaus arbeitet und 2008 zum persönlich haftenden Gesellschafter aufstieg. Gemeinsam mit Hans-Walter Peters baute er Berenberg zur Investmentbank um, die heute ihr Geld mit Aktienplatzierungen, Fonds und Vermögensverwaltung verdient. 2010 sicherten sich Riehmer und Peters eine Beteiligung von zusammen über 20 Prozent an dem Institut.

Komplizierte Eigentümerstruktur

Die Krise wird zusätzlich dadurch erschwert, dass der von der Bafin zum Rücktritt gezwungene Riehmer noch immer maßgeblich an der Bank beteiligt ist. Riehmer und Peters haben ihre Anteile von 21,4 Prozent laut Geschäftsbericht in der PetRie Beteiligungsgesellschaft gebündelt. Als Geschäftsführer dieser GmbH habe Peters aber das Durchgriffsrecht, heißt es in Finanzkreisen, sodass Kontrollprobleme nicht zu befürchten seien.

Geschäftsmodell und Finanzlage stabil

Michael Horf betonte, dass das Geschäftsmodell von Berenberg nicht infrage stehe – es habe sich über Jahrzehnte bewährt. Hans-Walter Peters attestierte der Bank finanzielle Stabilität: „Die Bank rechnet für das Jahr 2025 mit einem positiven Jahresergebnis in der Größenordnung von 20 Millionen Euro, das erste Halbjahr 2026 dürfte sie mit einem sehr guten Ergebnis von rund 40 Millionen Euro abschließen.“ 2024 hatte die Bank ihren Jahresüberschuss um 47 Prozent auf 81,6 Millionen Euro gesteigert.

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