Das finanzielle Erbe: Wie ein Satz von Wolfgang Grupp seine Tochter Bonita prägt
Bonita Grupp (36) steht heute an der Spitze des Textilunternehmens Trigema. Gemeinsam mit ihrem Bruder Wolfgang Grupp junior führt sie das Familienunternehmen in dritter Generation. Mit mehr als 1000 Mitarbeitern und einer ausschließlich in Deutschland angesiedelten Produktion bewegt sich das Unternehmen in einem hart umkämpften Markt, wo jede Entscheidung großes Gewicht hat. Ihre Einstellung zum Geld hat sie früh gelernt – und zwar direkt im Elternhaus.
Das Mantra aus Kindheitstagen
Im Wirtschaftsmagazin „Courage“ erläutert die Trigema-Chefin, welcher Satz sie seit ihren Kindheitstagen begleitet und formt. Er stammt von ihrem Vater Wolfgang Grupp (83): „Mein Vater hat uns früh beigebracht: Man gibt nichts sinnlos aus, sondern überlegt, ob sich eine Investition wirklich lohnt – und ob man sie aus eigener Kraft finanzieren kann.“ Dieser Grundsatz gilt für sie bis heute unverändert und bildet das finanzielle Rückgrat des Unternehmens.
Optimismus mit klaren politischen Erwartungen
Wer wie Trigema in Deutschland produziert, ist auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. Bonita Grupp verbindet ihren Optimismus mit deutlichen Erwartungen an die Politik: „Ich bin optimistisch – wenn die Politik die richtigen Regelungen trifft. Auch die vergangenen Jahre hatten ihre Krisen. Wir selbst sind eine Branche, die es in Deutschland kaum noch gibt, und wissen, was Durchhalten bedeutet.“ Besonders kritisch betrachtet sie neue Debatten um die Erbschaftssteuer. Im Interview mit „Courage“ stellt sie klar: „Ich halte nichts von einer erneuten Reform der Erbschaftssteuer. Die aktuelle Regierung bindet Betriebe über viele Jahre an klare Vorgaben, etwa eine bestimmte Zahl an Arbeitsplätzen zu erhalten, was richtig ist. Aber die Bedingungen müssen so gestaltet sein, dass ein Unternehmen auch eine Zukunft hat.“
Politisches Engagement für den Mittelstand
Für Bonita Grupp reicht es nicht aus, nur Forderungen zu stellen. Sie wird selbst aktiv und mischt in der Politik mit: „Bei der letzten Kommunalwahl wurde ich in den Kreistag gewählt. Das lässt sich gut mit meinem Job verbinden, und ich möchte dort die Stimme des Mittelstands sein. Die Wirtschaft muss sich stärker politisch einbringen.“ Auch wenn die 36-Jährige das finanzielle Mantra ihres Vaters strikt befolgt, weht dennoch ein frischer Wind im Unternehmen. „Man sieht den Generationenwechsel im Alltag: Für mich sind Teams-Calls selbstverständlich, für meinen Vater nicht. Ich schreibe E-Mails selbst, während er vieles noch diktiert hat“, erklärt Grupp im Gespräch mit „Courage“. Neue Tools, neue Abläufe und eine neue Generation prägen den Betrieb, doch beim Geld gilt weiterhin die alte Regel: Nur investieren, was sinnvoll ist – und nur das, was man aus eigener Kraft stemmen kann.



