Weltmarktführer Mayer & Cie. nach Insolvenz von chinesischem Investor übernommen
Das Schicksal des deutschen Traditionsunternehmens Mayer & Cie. schien nach 120 Jahren Firmengeschichte besiegelt zu sein. Der Weltmarktführer für Rundstrick- und Flechtmaschinen aus Albstadt in Baden-Württemberg war in die Insolvenz gerutscht und stand vor dem endgültigen Aus. Fast allen 270 Mitarbeitern war bereits zum Ende Februar gekündigt worden. Nur eine kleine Gruppe sollte den Restbetrieb abwickeln.
Monatelange Suche nach Investor endet erfolgreich
Nach dem Insolvenzantrag Ende September begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Weltweit wurde monatelang nach einem Käufer gesucht – zunächst ohne Erfolg. Jetzt kommt die überraschende Wende: Der chinesische Unternehmer Xu Hongjie (32) übernimmt den kompletten Rundstrickbereich des insolventen Unternehmens.
Laut Unternehmenssprecherin Claudia Bitzer gehören zu diesem Bereich auch die Tochterunternehmen in Vsetín (Tschechien) und in Jintan (China). Der Kaufvertrag wurde bereits in dieser Woche unterzeichnet.
Gründe für den Niedergang des Traditionsunternehmens
Der wirtschaftliche Druck auf Mayer & Cie. hatte sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Zu den Hauptursachen für die Insolvenz zählen:
- Ein stark eingebrochener Weltmarkt für Textilmaschinen
- Ein Umsatzrückgang von rund 50 Prozent im Vorjahr
- Massiv gestiegener Wettbewerb durch subventionierte chinesische Anbieter
- Globale Belastungen wie US-Zölle, Handelskriege, der Ukraine-Konflikt
- Hohe Inflation in wichtigen Absatzmärkten wie der Türkei
Dabei war die Technik aus Albstadt international nach wie vor gefragt. Der Großteil der Produktion ging traditionell in den Export.
Neustart mit chinesischem Kapital
Mit der Vertragsunterzeichnung ist die bisherige Mayer & Cie. GmbH & Co. KG erloschen. Der neue Eigentümer plant in den kommenden Wochen, mit einem kleinen Team den Vertrieb wieder hochzufahren und den Neustart vorzubereiten. Langfristig soll das Premiumsegment erschlossen werden.
Ein wichtiges Signal für den Standort: Entwicklung und Produktion bleiben weiterhin in Albstadt verankert. Allerdings müssen ehemalige Beschäftigte neu eingestellt werden, da die bisherige Gesellschaft erloschen ist. Wie viele Mitarbeiter zum Start übernommen werden, ist noch offen.
Die Rettung des Weltmarktführers durch den chinesischen Investor bedeutet eine zweite Chance für das traditionsreiche Familienunternehmen in vierter Generation. Ob der Neustart unter neuer Führung gelingt, wird die Zukunft zeigen.



