Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck hat einen schweren Jahresstart hingelegt. Der Gewinn des Dax-Konzerns ist in den ersten drei Monaten des Jahres um satte 80 Prozent eingebrochen. Wie das Unternehmen aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart mitteilte, sank das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahresquartal von 749 Millionen Euro auf 149 Millionen Euro.
Ursachen des Gewinneinbruchs
Die schwachen Finanzergebnisse sind in erster Linie auf die geringere Profitabilität im Nordamerika-Geschäft zurückzuführen. Der Absatz im wichtigen US-Markt war nach niedrigen Auftragseingängen im Vorjahr extrem schwach. Finanzvorständin Eva Scherer sprach vom geringsten Volumen in einem Quartal seit 2010. Im Segment Trucks North America wurde das operative Ergebnis nahezu pulverisiert: Das Ebit fiel um 99 Prozent von 773 Millionen Euro auf zehn Millionen Euro.
Zölle und Wertminderungen belasten
Scherer zufolge haben unter anderem Zölle in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags das Ergebnis belastet. Zudem drückte eine Wertminderung bei einem Gemeinschaftsunternehmen in Höhe von rund 200 Millionen Euro auf das Ergebnis. Der schwächelnde US-Markt und weniger verkaufte Busse hatten bereits zuvor für einen erneuten Absatzrückgang gesorgt. Im ersten Quartal verkaufte Daimler Truck weltweit 68.849 Lastwagen und Busse, ein Rückgang von neun Prozent.
Umsatz und operative Marge sinken
Der Umsatz ging im ersten Quartal um 13 Prozent von 11,5 Milliarden Euro auf 9,98 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis (Ebit) fiel um 71 Prozent von einer Milliarde Euro auf 292 Millionen Euro. Der Umsatz des Industriegeschäfts – ohne Finanzdienstleistungen – sank um 14 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Gewinnmarge im Industriegeschäft sackte um 4,6 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent ab. Die Ergebnisse fielen damit schwächer aus als von Analysten befürchtet.
Positive Signale bei Auftragseingängen
Trotz der schlechten Zahlen zeigte sich der Konzern optimistisch. Die Auftragseingänge seien im ersten Quartal um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen. In den USA hätten sie sich noch deutlicher erholt: ein Plus von 86 Prozent. Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström betonte: „Wir sind gut aufgestellt, um im weiteren Jahresverlauf trotz eines herausfordernden ersten Quartals weitere Verbesserungen zu erzielen.“ Die gestiegenen Auftragseingänge dürften sich positiv auf die Geschäftsentwicklung auswirken.
Sparprogramm und strategische Maßnahmen
Daimler Truck steht bereits länger unter Druck. Im vergangenen Jahr war der Gewinn um 34 Prozent auf zwei Milliarden Euro eingebrochen. US-Zölle und eine schwache Nachfrage in Nordamerika hatten das Geschäft stark belastet. Um wettbewerbsfähiger zu werden, hatte der Konzern das Sparprogramm „Cost Down Europe“ aufgelegt. Bis 2030 sollen die laufenden Kosten in Europa um mehr als eine Milliarde Euro sinken. In Deutschland sind rund 5.000 Stellenstreichungen geplant, vor allem bei der Lkw-Marke Mercedes-Benz. Auch in Nordamerika wird gespart.
Aufsichtsratschef Joe Kaeser erklärte auf der Hauptversammlung, dass das vergangene Jahr gezeigt habe, wie stark Geschäftsentscheidungen von geoökonomischen und geopolitischen Einflüssen geprägt werden. Es sei wichtig, das Geschäft strukturell zu stärken. Rådström kündigte an, das Unternehmen schneller, fokussierter und wirksamer aufstellen zu wollen. Eine leistungsorientierte Unternehmenskultur solle gestärkt werden, mit weniger Komplexität und schnelleren Entscheidungen.



