E-Zigaretten-Branche warnt vor Kollaps durch geplantes Inhaltsstoffe-Verbot der Bundesregierung
E-Zigaretten-Branche warnt vor Kollaps durch Verbotspläne

E-Zigaretten-Branche warnt vor Kollaps durch geplantes Inhaltsstoffe-Verbot

Die bislang boomende E-Zigaretten-Branche in Deutschland steht vor einer existenziellen Krise. Grund sind Pläne der Bundesregierung, 13 umstrittene Inhaltsstoffe in Vaping-Produkten zu verbieten, darunter Menthol und verschiedene Kühlstoffe. Branchenvertreter schlagen Alarm und prognostizieren dramatische Folgen für den legalen Markt.

Branchenvertreter warnen vor massiven Umsatzeinbrüchen

Dustin Dahlmann, Vorsitzender des Verbands Bündnis für tabakfreien Genuss (BfTG), äußert sich besorgt: „Ohne diese Inhaltsstoffe wird Vaping vielen Konsumenten nicht mehr schmecken - die Nachfrage nach legalen Produkten würde einbrechen.“ Er befürchtet zudem gravierende Lieferengpässe, sollte das geplante Verkaufsverbot bereits sechs Monate nach Verkündung in Kraft treten. „Die Verkaufsregale wären leer, der legale Markt würde brachliegen, und der Schwarzmarkt würde brummen.“

Diese Befürchtungen teilt auch Jacques Li, Kommunikationsdirektor der Vaping-Marke Elfbar: „Wir bräuchten mehr Zeit für den Übergang.“ Seine Firma passe ihre Rezepturen ohnehin schon an, warnt aber ebenfalls vor einer Zunahme des Schwarzmarkts als Folge überstürzter Regulierungen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Warum die 13 Inhaltsstoffe so umstritten sind

Das Bundesernährungsministerium legte im Januar einen Verordnungsentwurf vor, der zwölf Kühlstoffe (Cooling Agents) und das Süßungsmittel Sucralose künftig verbieten will. Der bekannteste dieser Stoffe ist Menthol. Aus Sicht der Branche sind diese Substanzen jedoch unverzichtbar für den Geschmack vieler Liquids.

„Sie sorgen dafür, dass die separaten Fruchtaromen stärker zur Geltung kommen und frisch und angenehm schmecken“, erklärt Dahlmann. „Ohne die Cooling Agents würde etwa ein Erdbeergeschmack beim Vaping muffig schmecken. Nimmt man sie aus der Rezeptur raus, so ist die ganze Rezeptur wertlos.“

Allerdings gibt es bereits jetzt Liquids, die auf diese Inhaltsstoffe verzichten. Dahlmann relativiert jedoch: „Nur schätzungsweise zehn Prozent der in Deutschland legal verkauften Liquids enthalten die 13 Inhaltsstoffe schon jetzt nicht - das ist eine Nische, die geschmacklich längst nicht zu jedem Vaper passt.“

Dramatische wirtschaftliche Folgen befürchtet

Eine Umfrage des BfTG unter 432 Vaping-Händlern und -Herstellern in Deutschland zeigt alarmierende Ergebnisse:

  • Fast 90 Prozent der Firmen befürchten, dass Konsumenten als Reaktion auf das Inhaltsstoffe-Verbot auf Produkte vom Schwarzmarkt zurückgreifen werden
  • Nur 14 Prozent gehen davon aus, dass Kunden auf andere legale Liquids umsteigen
  • Zwei Drittel sagen, dass wegen sinkender Nachfrage Personalabbau nötig wäre

Von den etwa 15.000 Arbeitsplätzen in Deutschlands Vaping-Branche könnten laut Branchenangaben bis zu 10.000 Stellen wegfallen. Der Umsatz lag 2025 bei 2,4 Milliarden Euro - ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das nun gefährdet ist.

Gesundheitsgefahren als Begründung für das Verbot

Das Ministerium begründet das Verbotsvorhaben mit potenziellen Gesundheitsgefahren. Bei mehreren der betroffenen Stoffe wird vor Leber- und Nierenschäden gewarnt. Sucralose soll sich bei Erhitzung zu gesundheitsschädlichen Chlorverbindungen zersetzen, während bei Menthol Leberveränderungen und Apathie drohen könnten.

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) unterstützt diese Einschätzung und weist auf mögliche Missverständnisse hin: Weil es viele mentholhaltige Arzneimittel auf dem Markt gebe, könnten E-Zigaretten-Nutzer fälschlicherweise davon ausgehen, dass Menthol in Liquids ebenfalls gut für die Gesundheit sei.

Politische Unterstützung für die Verbotspläne

Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) verteidigt die Pläne als „überfälligen Schritt für den Gesundheitsschutz vor allem von Kindern und Jugendlichen“. Er argumentiert: „Kühl- und Süßstoffe überdeckten den bitteren Eigengeschmack des Nikotins und machten den Konsum gerade für junge Menschen leichter zugänglich.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Auch aus dem Bundestag kommt Unterstützung. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler erklärt: „Die betroffenen Inhaltsstoffe haben größtenteils einen kühlenden Effekt, damit kann tiefer inhaliert und die Lunge noch stärker geschädigt werden.“ Die Kritik der Branche hält sie für nicht gerechtfertigt.

Der Grünen-Abgeordnete Janosch Dahmen unterstützt das Verbot ebenfalls: „Wer weniger Sucht will, muss die Produkte weniger verführerisch machen - und gleichzeitig Ausstiegshilfen stärken.“ Die Argumentation, dass das Aromaverbot den Umstieg für erwachsene Raucher unattraktiver mache, hält er für eine „Marketing-Lüge der Industrie“.

Wissenschaftliche Kritik an den Plänen

Acht Suchtforschungs-Professoren monierten kürzlich in einem offenen Brief an das Bundesernährungsministerium, dass es für ein Mentholverbot an belastbaren Erkenntnissen fehle. Anstelle eines vorsorglichen Verwendungsverbots solle es weitere Forschungen geben, fordern der Frankfurter Suchtforscher Heino Stöver und andere Fachleute.

Stöver warnt vor drastischen Folgen: „Das wäre der Tod der E-Zigarette.“ Er und seine Kollegen plädieren für eine differenziertere Herangehensweise, die sowohl Gesundheitsaspekte als auch die Realitäten des Marktes berücksichtigt.

Der CDU-Abgeordnete Johannes Steiniger fordert eine ausgewogenere Lösung: „Wir brauchen eine praxisgerechte und wissenschaftlich tragfähige Aromenregulierung, die gezielt jugendaffine Produkte adressiert.“

Die Debatte um die Zukunft der E-Zigaretten in Deutschland ist damit voll entbrannt und wird sowohl wirtschaftliche als auch gesundheitspolitische Dimensionen haben.