Traurige Bilanz einer Unternehmerin aus der Uckermark
Elke Knorr ist mit ihren 72 Jahren längst im Rentenalter, doch ihr Arbeitstag endet nicht. Die Unternehmerin aus der Uckermark fährt weiterhin täglich in ihr Büro, obwohl sie längst aufgehört haben könnte. Ihre Bilanz nach mehr als drei Jahrzehnten Selbstständigkeit fällt jedoch bitter aus.
Start mit Aufbruchstimmung nach der Wende
Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung wagte die dreifache Mutter den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Jahr 1991 gründete sie eine Firma für Büro- und Kopiersysteme, voller Elan, aber ohne tiefgehende Kenntnisse der sozialen Marktwirtschaft. „Es herrschte so eine tolle Aufbruchstimmung damals. Wir dachten für einen Moment, dass wir alles schaffen können“, erinnert sich Knorr. „Mir war nicht klar, worauf ich mich da einlasse.“
Die Anfangszeit gestaltete sich äußerst schwierig. „Meine Mutter, die mich immer unterstützt hat, kam mit dieser neuen Zeit gar nicht zurecht“, erzählt die 72-Jährige. „Sie hat mich anfangs oft gefragt: ‚Wieso bekommst du denn keinen Lohn, es ist doch schon Monatsende?‘ Mutti verstand nicht, dass sich ein Unternehmer nur dann etwas nehmen kann, wenn etwas da ist.“
Drei Jahrzehnte am Existenzminimum
Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg schuf Elke Knorr Arbeitsplätze, bediente Kunden und zahlte Steuern. Trotz ihrer Liebe zum Job musste sie stets an der Mindestlohngrenze entlangschrammen. „Trotzdem haben wir – damals gab es noch einen Partner – durchgehalten“, berichtet sie mit nachdenklichem Unterton.
Ein besonderes Problem stellt heute ihre bescheidene Pensionszusage dar, die sie sich über die Jahre angespart hat. „Die belastet die Firma jetzt und macht sie quasi unverkäuflich“, erklärt Knorr. Obwohl sie längst das Rentenalter erreicht habe, stehe sie weiter Tag für Tag im Geschäft, um ihre aktuell noch acht Angestellten nicht arbeitslos zu machen.
„Und der ganze Hohn der Geschichte ist, dass ich mir jetzt sogar monatlich meine Pensionszusage nehmen darf – für die ich ja schon mal gearbeitet habe“, echauffiert sich die Unternehmerin. „Nicht zusätzlich zum Lohn, sondern als Teil des Lohnes. Welcher Beamte würde mit 70 für seine Pension noch einmal arbeiten gehen?“
Klare Warnung an die Tochter
Eine ihrer Töchter ist aktuell noch im Betrieb tätig, doch von einer Übernahme rät Elke Knorr dringend ab. „Das würde ich ihr nie erlauben, auch im Interesse ihrer eigenen Kinder nicht“, betont sie entschieden. „Ich würde mich nie wieder selbstständig machen und das auch niemandem raten.“
Die Unternehmerin ist überzeugt, dass das Unternehmertum in Deutschland keine ausreichende Lobby habe. Als Beispiel führt sie ihre Krankenversicherung an: „Meine Mitgliedschaft in der AOK kostet mich beispielsweise fast 800 Euro pro Monat. Da ich nicht privat versichert bin, sondern freiwillig gesetzlich, ‚darf‘ ich sogar auf die bescheidenen Mieteinnahmen von meinem, auch von mir selbst bewohnten alten Haus aus dem Jahr 1927, das ich von meinem Vater geerbt habe, noch Krankenkassenbeiträge bezahlen!“
Gewöhnung an die Sparsamkeit
Elke Knorr hat sich an ein Leben in Sparsamkeit gewöhnt. „Pensionszusage und Mieteinnahmen dienen heute dazu, Abgaben für Krankenkasse und Finanzamt zu generieren, damit es unseren Politikern und allen Bürgergeldempfängern gut geht!“, erklärt sie ernüchtert.
Rückblickend ist die 72-Jährige überzeugter denn je, dass sie so einen Schritt nie wieder gehen würde. „Vor allem meiner Familie würde ich das nie wieder antun“, betont sie. Aus ihrem Umfeld wisse sie, dass viele Unternehmer ähnlich denken, besonders in den neuen Bundesländern. „Die im Westen halten Krisen schon mal eher durch, weil da mehr finanzieller Rückhalt ist. Wir hier in den neuen Bundesländern sind hingegen damals ja quasi bei Null gestartet. Das rächte sich schnell.“
Die Geschichte von Elke Knorr steht exemplarisch für viele Unternehmer ihrer Generation in Ostdeutschland, die nach der Wende voller Hoffnung starteten, aber heute mit den langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen kämpfen.



