Die EU-Kommission hat der milliardenschweren Übernahme des Hollywood-Studios Warner Bros. Discovery durch den Konkurrenten Paramount unter strengen Auflagen zugestimmt. Die Brüsseler Wettbewerbshüter genehmigten den Zusammenschluss am Donnerstag, knüpften die Freigabe jedoch an weitreichende Verpflichtungen, um eine zu hohe Marktkonzentration im Filmvertrieb in Europa zu verhindern.
Hintergrund der Fusion
Paramount, geführt von David Ellison (Sohn von Oracle-Gründer Larry Ellison), hatte Ende Februar die Übernahme von Warner Bros. Discovery für mehr als 100 Milliarden Dollar vereinbart. Der Deal umfasst bekannte Marken wie das DC-Superhelden-Universum, Harry Potter, Mission: Impossible und PAW Patrol. Netflix war kurz zuvor aus dem Bieterstreit ausgestiegen.
Die EU-Kommission prüft große Zusammenschlüsse, die den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt beeinträchtigen könnten. Dies betrifft auch ausländische Unternehmen mit hohem Umsatz, die in der EU tätig sind. Warner Bros. Discovery und Paramount betreiben in Europa Streamingdienste (Paramount+, Max), lizenzieren Filme und TV-Formate an Sender und verleihen Filme.
Wettbewerbsbedenken beim Filmvertrieb
Während die Kommission im Bereich der Filmproduktion keine Wettbewerbsprobleme sah – sie verwies auf ausreichend andere große Studios wie Disney, NBC Universal, Sony, Amazon MGM, A24, Lionsgate und europäische Filmstudios –, bemängelte sie eine zu hohe Marktkonzentration beim Vertrieb von Filmen an Kinos. Paramount Pictures und Universal Pictures vertreiben ihre Filme über das Gemeinschaftsunternehmen United International Pictures (UIP).
„Durch die Transaktion wären auch die Filme von Warner über UIP vertrieben worden. Ohne Gegenmaßnahmen hätte dies zu ungünstigeren Miet- und Vertriebsbedingungen für Kinobetreiber geführt und letztlich Verbraucher benachteiligt“, erklärte die EU-Kommission. Paramount habe deshalb verschiedene Verpflichtungen angeboten.
Auflagen im Detail
Paramount muss innerhalb von 13 Monaten nach Abschluss der Transaktion seine Beteiligung an UIP im Europäischen Wirtschaftsraum beenden. Für zehn Jahre darf das Unternehmen keine Vereinbarungen oder Absprachen mit Universal über den gemeinsamen Vertrieb von Filmen in Europa treffen. Zudem darf Paramount für den Vertrieb von Warner- oder Paramount-Filmen nicht denselben Kinofilmvertrieb nutzen wie Disney und Universal. Ein unabhängiger Treuhänder überwacht die Umsetzung.
UIP mit Hauptsitz in London wurde 1981 gegründet und vertreibt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 1000 Filme unter Lizenz, darunter über 100 Oscar-Preisträger wie „Der Pate“ und „Breakfast at Tiffany's“. In Deutschland und einigen anderen Märkten arbeiten Universal und Paramount bereits seit Jahren nicht mehr über UIP zusammen, sondern nutzen eigene Verleihunternehmen: Paramount Pictures Germany und den internationalen Verleiharm von Universal Pictures.
Rechtsstreit in den USA
Unabhängig von der EU prüfen Behörden in anderen Ländern den Deal. Die US-Regierung hatte die Übernahme bereits ohne Auflagen genehmigt. Doch nach einer Klage von zwölf US-Bundesstaaten wurde der Vollzug Anfang dieser Woche per Gerichtsbeschluss für zunächst zwei Wochen ausgesetzt. Die Bundesstaaten argumentieren, der Zusammenschluss verzerre den Wettbewerb bei populären Filmen und setze Kinos unter Druck. Die Richterin sah einen erheblichen Marktanteil von Paramount und Warner als gegeben an, was die zeitweise Aussetzung rechtfertige.
Kritik aus Hollywood und politische Bedenken
Hollywood-Stars wie Jane Fonda, Javier Bardem und Ben Stiller stellten sich im April gegen die Übernahme. In einem von mehr als 1000 Branchenvertretern unterzeichneten Brief hieß es: „Zunehmend bestimmt eine kleine Zahl mächtiger Akteure, was produziert wird – und zu welchen Bedingungen.“
Kritiker in den USA befürchten zudem, dass der Nachrichtensender CNN unter dem Dach von Paramount seine redaktionelle Unabhängigkeit verlieren könnte. Hinter Paramount steht die Familie Ellison, deren Oberhaupt Larry Ellison als Unterstützer von Präsident Donald Trump bekannt ist. Der Paramount-Sender CBS fiel nach der Übernahme durch die Ellison-Familie im vergangenen Jahr durch wohlwollende Berichterstattung gegenüber Trumps Regierung auf.



