FIFA-Chef Infantino in der Krise: Krisensitzung in Rabat
FIFA-Chef Infantino in der Krise: Krisensitzung

Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbands FIFA, steht nach seinem umstrittenen Investorenplan vor der größten Krise seiner Amtszeit. Die UEFA droht mit einem WM-Boykott, enge Vertraute haben sich zurückgezogen, und die Unterstützung der großen Fußballnationen bröckelt. Für Mittwoch hat Infantino eine Krisensitzung in Rabat, Marokko, einberufen, berichten die „Times“ und Sky UK übereinstimmend.

Investorenplan sprengt die Fußballwelt

Der von Infantino lange klein geredete Vorschlag, private Investoren an künftigen FIFA-Turnieren zu beteiligen, hat die Fußballwelt in Brand gesetzt. Kritiker sehen darin einen Ausverkauf des Sports und eine Gefahr für die Integrität des Spiels. Der Plan war offenbar bereits bis ins Detail ausgearbeitet, was die Wut der Verbände noch verstärkte. Infantino hatte gehofft, mit diesem Schritt die Einnahmen der FIFA massiv zu steigern, doch der Widerstand ist gewaltig.

Die UEFA, die Europäische Fußball-Union, hat die FIFA in einem Schreiben aufgefordert, die Daten und Kommunikation von 18 Führungskräften als potenzielle Beweismittel zu sichern. Dies berichtete die Nachrichtenagentur ntv. Die UEFA wirft Infantino vor, ohne echten Dialog über neue Wettbewerbe und Formate entschieden zu haben. Zudem hat UEFA-Präsident Aleksander Ceferin alle 55 europäischen Einzelverbände hinter sich versammelt und mit einem WM-Boykott gedroht, falls Infantino nicht zurücktritt.

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Vertraute ziehen sich zurück

Die Liste der Abtrünnigen wird länger. Generalsekretär Mattias Grafström, ein enger Vertrauter Infantinos, hat am Dienstag seinen Rücktritt eingereicht. Auch Arsene Wenger, der als Direktor für globale Fußball-Entwicklung tätig ist, will mit Infantinos Plänen nichts mehr zu tun haben. Wenger veröffentlichte eine Stellungnahme, nachdem sein Name in dem UEFA-Schreiben aufgetaucht war. Bereits in der vergangenen Woche war Chef-Berater Carlos Cordeiro aus Protest gegen die Investorenpläne zurückgetreten.

Die Abgänge zeigen, dass Infantino zunehmend isoliert ist. Nur noch Marokko, Katar, Kuwait, Bhutan, Sri Lanka und die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützen ihn öffentlich, wie er via Instagram mitteilte. Die großen Fußballnationen wie Deutschland, Frankreich oder England haben sich auf die Seite der UEFA geschlagen. Infantino, der sich einst als Alleinherrscher des Fußballs sah, sieht sich nun mit einer Rebellion konfrontiert, die er nicht mehr kontrollieren kann.

Ceferin als möglicher Herausforderer

Als aussichtsreichster Gegenkandidat gilt UEFA-Boss Aleksander Ceferin. Der 58-jährige Slowene hat in einer Blitz-Aktion alle 55 europäischen Verbände hinter sich versammelt und den Widerstand gegen Infantino angeführt. Im Gegensatz zu Infantino agiert Ceferin eher aus dem Hintergrund und meidet die öffentliche Bühne. Er hat die UEFA seit seinem Amtsantritt 2016 zu einem erfolgreich vermarkteten Unternehmen gemacht, ohne dass ihm jemand Eigennutz vorwerfen könnte. Ob er nach seinem Ausscheiden als UEFA-Präsident im kommenden Jahr für den FIFA-Posten bereit wäre, ist unklar.

Andere Namen, die gehandelt werden, sind der CONCACAF-Präsident Victor Montagliani und die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness. Doch Ceferin scheint dank seiner Rolle im Investorenstreit der mächtigste und aussichtsreichste Kandidat zu sein. Infantino hingegen verliert zunehmend an Rückhalt. Selbst Ex-FIFA-Vize Jim Boyce äußerte den Verdacht, dass der wahrscheinliche Investor Joshua Kushner aus dem Umfeld der Trump-Familie stammt und Infantino möglicherweise Verbindungen ins Weiße Haus nutzt.

Erpressungsvorwürfe und Kritik

Derweil werden weitere schwere Anschuldigungen laut. Prinz Ali bin al-Hussein, Chef des jordanischen Fußballverbands, erhebt Erpressungsvorwürfe gegen Infantino. Er behauptet, dass seinen Spielern in den vergangenen Monaten Gelder vorenthalten worden seien. „Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze“, schrieb al-Hussein auf der Plattform X. Diese Vorwürfe wiegen schwer und könnten die Position Infantinos weiter schwächen.

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Auch Spaniens Liga-Boss Javier Tebas hat Infantino Amtsmissbrauch vorgeworfen. Tebas erinnerte in den sozialen Medien an den Fall Balogun, an die „skandalösen Preise“ für Tickets, den Umgang mit Korruptionsfällen in der FIFA, die Umgestaltung des internationalen Spielkalenders sowie neue Wettbewerbe und Formate, die „ohne einen echten Prozess des Dialogs“ entschieden worden seien. „Aus all diesen Gründen glaube ich, dass Gianni Infantino nicht weiter an der Spitze der FIFA stehen darf“, schrieb Tebas. „Das Problem war nie ein einzelner Vorschlag. Das Problem ist ein Governance-Modell, das die Macht zentralisiert, die Gegenkräfte schwächt und jene marginalisiert, die direkt von seinen Entscheidungen betroffen sind.“

Krisensitzung in Rabat

Die für Mittwoch einberufene Krisensitzung in Rabat soll hochrangige FIFA-Mitarbeiter zusammenbringen. Doch davon gibt es an der Seite des 56-Jährigen offenbar immer weniger. Infantino hofft, die Wogen zu glätten und seine Wiederwahl im März 2027 zu sichern. Doch die Chancen stehen schlecht. Die UEFA hat bereits einen Plan B in der Tasche, und die internationale Gemeinschaft scheint entschlossen, einen Machtwechsel herbeizuführen.

Ob Infantino das spektakuläre Comeback gelingt, ist fraglich. Die Unterstützung schwindet, die Vorwürfe häufen sich, und selbst die einstige „Bromance“ mit Donald Trump scheint einseitig gewesen zu sein. Trump ließ erklären, er habe nichts von dem Deal gewusst und nicht mit Infantino darüber gesprochen. Einem Medienbericht zufolge soll Infantino in den vergangenen Tagen mehrfach versucht haben, Trump telefonisch zu erreichen – vergeblich. Die FIFA bezeichnete diesen Bericht als „frei erfunden“ und betonte, der Präsident habe weder den US-Präsidenten noch Mitglieder seiner Regierung angerufen.

Während die US-WM-Städte weiter auf zugesagte FIFA-Millionen warten, bleibt die Zukunft Infantinos ungewiss. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob er die Kurve noch bekommt oder ob die Ära Infantino endet.