Fischer Air: Der Krimi um eine Fluggesellschaft ohne Flugzeuge
Der Skandal um die dubiose Fluggesellschaft Fischer Air von Reiseunternehmer Václav Fischer (71) nimmt immer absurdere Züge an. Wie Recherchen zeigen, verkaufte Fischer Flugtickets, obwohl seine Airline weder über eine offizielle Genehmigung noch über Flugzeuge verfügt. Zahlende Kunden fürchten nun um ihr Geld.
Briefkasten als Firmenzentrale
Bis vor kurzem war der Deutschland-Sitz von Fischer Air lediglich ein schlichter Edelstahl-Briefkasten mit der Nummer 8 im Terminal des Bodensee-Airports Friedrichshafen. Das Impressum der Homepage nannte als Adresse „Am Flugplatz 64, 88046 Friedrichshafen“ – tatsächlich handelte es sich dabei nur um diesen Briefkasten im Nachbarort Meckenbeuren.
Ein kleines Namensschild unter der Briefklappe wies auf die angebliche Airline hin. Die Gemeinde Meckenbeuren bestätigte, dass Fischer dort eine Niederlassung als „unselbstständige Zweigstelle“ angemeldet hatte. In Bratislava betreibt Fischer parallel eine 2023 gegründete Gesellschaft mit nur 5000 Euro Grundkapital.
Leere Versprechungen und aktuelle Entwicklungen
Im Herbst des Vorjahres hatte Fischer gegenüber Fachmedien großspurig den Start von Urlaubsflügen ab dem 20. Dezember vom Flughafen Kassel nach Gran Canaria angekündigt. Bis heute ist jedoch kein einziges Flugzeug von Fischer Air abgehoben.
Update: Nach den Enthüllungen änderte Fischer sein Impressum und verwies nun auf eine Firma in Hamburg. Gegenüber Medien erklärte er: „Wir ziehen an den Flughafen Kassel und eröffnen dort kommende Woche ein Büro.“
Rechtliche Probleme und fehlende Infrastruktur
Die Briefkasten-Lösung stellt Geschädigte vor erhebliche rechtliche Hürden. Für eine gerichtliche Klage muss die Klageschrift dem Beklagten offiziell zugestellt werden – was eine tatsächlich auffindbare Anschrift voraussetzt. Ein Briefkasten erfüllt diese Anforderung nicht.
Detlef Schäfer-Carroll, Geschäftsführer des Flughafens Friedrichshafen, stellt klar: „Der Flughafen Friedrichshafen steht in keiner geschäftlichen Verbindung zu Fischer Air. Wir haben auch kein Personal für Flüge mit Fischer Air eingeplant, da diese Fluglinie bisher weder über eine Genehmigung noch über Flugzeuge verfügt.“
Dennoch bietet Fischer Air weiterhin über ihre Homepage und andere Portale Flüge an – unter anderem auch von und nach Friedrichshafen. Die Werbung bedient sich dabei alter Fotos der nicht mehr existierenden tschechischen Fischer Air aus den Jahren 1997 bis 2005.
Die Geschichte um Fischer Air entwickelt sich zu einem Lehrstück über unseriöse Geschäftspraktiken in der Luftfahrtbranche und die Schwierigkeiten, gegen Unternehmen vorzugehen, die kaum greifbare Strukturen aufweisen.



