Traditions-Gießerei Sande schließt trotz stabiler Auftragslage: Über 100 Arbeitsplätze verloren
Gießerei Sande schließt: Über 100 Jobs weg trotz Aufträgen

Traditions-Gießerei Sande schließt endgültig: Über 100 Arbeitsplätze verloren

Nach monatelanger Ungewissheit steht nun das endgültige Aus fest: Die traditionsreiche Gießerei Sande Stahlguss im niedersächsischen Landkreis Friesland wird geschlossen. Mehr als 100 Beschäftigte verlieren damit ihre Arbeitsplätze, wie die IG Metall mitteilte. Seit dem Insolvenzantrag im September 2025 hatten die Mitarbeiter fünf Monate lang gehofft und gebangt – nun ist die Schließung besiegelt.

Stabile Auftragslage konnte Schließung nicht verhindern

Besonders bitter für die betroffenen Familien und die gesamte Region: An fehlenden Aufträgen lag das Ende des Traditionsbetriebs nicht. Nach Angaben der Gewerkschaft war die Auftragslage zum Zeitpunkt der Schließung stabil. Jährlich verließen rund 3500 Tonnen Stahlguss das Werk, das seit mehr als 90 Jahren bestand. Hier wurden schwere Bauteile mit einem Gewicht von bis zu 45 Tonnen gefertigt – Spezialanfertigungen für Kraftwerke, große Maschinen und Schiffsantriebe.

Doch diese stabilen Aufträge reichten nicht aus, um den Betrieb zu retten. Auslöser der Insolvenz waren massive Liquiditätsengpässe. Die Produktion der schweren Stahlgussteile dauert besonders lange, und Zahlungen fließen häufig erst Monate später. Gleichzeitig stiegen die Kosten, insbesondere für Energie, deutlich an. Laut Gewerkschaft verschärfte zusätzlich eine schleppende Zahlungsmoral einzelner Kunden die ohnehin angespannte finanzielle Situation.

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Jahrelanger Investitionsstau als Kernproblem

Entscheidend für das Scheitern war jedoch ein jahrelanger Investitionsstau. Notwendige Modernisierungen seien immer wieder verschoben worden, wodurch das Unternehmen sowohl technisch als auch wirtschaftlich ins Hintertreffen geriet. Trotz vorhandener Aufträge war der Betrieb für potenzielle Investoren unattraktiv geworden.

Der Betriebsrat kritisiert insbesondere die lange Hängepartie im Investorenverfahren. Über Monate habe es keine Klarheit gegeben, was zu großer Unsicherheit bei den Beschäftigten führte. Entsprechend groß sind nun Wut und Enttäuschung im Werk. Für viele Familien in der Region bedeutet die Schließung nicht nur den Verlust des Arbeitsplatzes, sondern auch das Ende eines Stücks Industriegeschichte.

Mit der Schließung verliert Niedersachsen einen seiner ältesten Industriebetriebe, der über neun Jahrzehnte hinweg schwere Industriekomponenten produzierte und damit ein wichtiger Teil der regionalen Wirtschaftsstruktur war.

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