Goldmarie schließt nach 17 Jahren: Gentrifizierung und Wandel im Münchner Schlachthofviertel
Goldmarie schließt: 17 Jahre Gastronomie im Wandel

Abschied nach 17 Jahren: Goldmarie schließt im Schlachthofviertel

Ein Kapitel Münchner Gastronomiegeschichte geht zu Ende: Das Lokal Goldmarie in der Schmellerstraße 23 schließt nach 17 Jahren seine Pforten. Die Betreiberinnen Julia Schneider, Petra Mirwald und Karin Stüwe haben den Wandel des Schlachthofviertels über fast zwei Jahrzehnte miterlebt – und sich selbst mitverändert.

„Wir sind mitgentrifiziert worden“

„Wir sind mitgentrifiziert worden“, sagt Julia Schneider, eine der drei Inhaberinnen. Die Gentrifizierung macht auch vor diesem traditionsreichen Münchner Viertel nicht halt. Steigende Mieten, wechselnde hippe Lokale und ein sich veränderndes Publikum prägen seit Jahren das Bild. Ende Mai werden die Frauen die Goldmarie verlassen, obwohl der Pachtvertrag erst 2026 ausläuft.

Die Entscheidung fiel nicht leicht, aber sie war absehbar. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, erklärt Schneider. Vom Eigentümer habe es nie ein klares Signal für eine Verlängerung gegeben, und das Verhältnis sei nie besonders gut gewesen. Als dann doch überraschend eine Vertragsverlängerung im Raum stand, hatten sowohl die Brauerei als auch die Gastronominnen bereits andere Pläne.

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Vom Schweinsbraten unter zehn Euro zum Bio-Restaurant

Die Entwicklung der Goldmarie spiegelt den Wandel des Viertels wider. Begonnen hat alles 2009 mit einem klassischen bayerischen Gasthauskonzept. „Am Anfang waren wir wesentlich mehr Gasthaus, als wir es heute sind“, erinnert sich Petra Mirwald. Damals stand der Schweinsbraten für unter zehn Euro auf der Karte – heute kostet derselbe Klassiker in Bio-Qualität stolze 28 Euro.

Die Veränderung war bewusst gewählt. „Irgendwann wollten die Leute Stoffservietten“, sagt Schneider schmunzelnd. Das Publikum wurde anspruchsvoller, zahlungskräftiger und älter. Rund 30 Prozent der Gäste kamen aus der unmittelbaren Umgebung, aber die Goldmarie entwickelte sich nie zu einem klassischen Nachbarschaftslokal. Stattdessen setzte man auf Biofleisch und Handwerksküche – mit entsprechenden Preisen.

Herausforderungen und neue Perspektiven

Die typischen Branchenprobleme blieben nicht aus: Corona, gestiegene Kosten und verändertes Konsumverhalten trafen auch die Goldmarie. Doch wirtschaftliche Probleme seien nicht der Grund für die Schließung, betonen die Betreiberinnen. Vielmehr gehe es darum, Raum für Neues zu schaffen.

Dieses Neue existiert bereits: Vor drei Jahren eröffneten die drei Frauen nur wenige Gehminuten entfernt das Café Mari. „Das ist eine völlig andere Ecke mit ganz anderen Leuten“, beschreibt Mirwald den Unterschied – „obwohl es dasselbe Viertel ist.“ Mit der Mari wollen sie ein echtes Nachbarschaftslokal aufbauen, einen Ort für das Viertel.

Ein Viertel im Wandel

Die Geschichte der Goldmarie erzählt von der Entwicklung des Schlachthofviertels, das sich nicht auf den Begriff Gentrifizierung reduzieren lässt. „Es ist immer noch ein sehr buntes und gemischtes Viertel“, betont Mirwald. Während die Goldmarie schließt, möchten junge Mitarbeiter der bisherigen Wirtinnen das Lokal übernehmen – so, wie es ist.

„Aus drei alten Damen werden dann drei junge Männer“, sagt Schneider lachend. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer laufen noch. Ob es weitergeht oder nicht: Die Veränderungen rund um die Goldmarie zeigen, wie sich ein Münchner Viertel wandelt – und wie die Gastronomie darauf reagiert. Nur wenige Meter weiter beginnt bereits die nächste Lokalgeschichte, die gerade erst dabei ist, im Schlachthofviertel richtig anzukommen.

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