Der Produktionsbetrieb der Halberstädter Würstchen- und Konserven GmbH samt der dazugehörigen Marke steht zum Verkauf. Nach fast 35 Jahren zieht sich die Unternehmerfamilie um Seniorchef Ulrich Nitsch zurück. Dies gab Prokuristin Silke Erdmann-Nitsch in Halberstadt bekannt. Die Liquiditätssituation sei äußerst angespannt, die Finanzierung habe nicht funktioniert. Derzeit läuft die Produktion noch weiter.
Die Unternehmensgruppe, zu der auch ein Hotelbetrieb gehört, beschäftigt laut Erdmann-Nitsch rund 150 Mitarbeiter. Umsatzzahlen werden vom Unternehmen nicht veröffentlicht. In einer Mitteilung hieß es, dass sich sowohl der Lebensmitteleinzelhandel als auch die Produktionsbetriebe in Deutschland stark zusammengeschlossen hätten. Einzelne mittelständische Unternehmen stießen heute zu schnell an ihre Grenzen. Da der Konservenbetrieb sehr leistungsstark und erweiterungsfähig sei, eigne er sich für die Bevorratung und eventuell die Belieferung der Bundeswehr, auch europaweit. Es solle ein leistungsstarker Käufer gesucht werden.
Wirtschaftliche Schieflage
Die Unternehmensgruppe um die Halberstädter Würstchen war in den vergangenen Jahren stark von gestiegenen Energie-, Fleisch- und Personalkosten betroffen. Die Produktionsgesellschaft geriet in einem umkämpften und rückläufigen Markt in eine wirtschaftliche Schieflage. Aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit wurde ein sogenanntes Schutzschirmverfahren eingeleitet.
Vor gut einem Jahr hatte das Unternehmen gemeinsam mit einem Sanierungsexperten noch Pläne vorgestellt, unter anderem Suppen für eine Eigenmarke zu produzieren. Zudem sollte stärker auf Geflügelwürstchen sowie auf Brat- und Grillbratwürste gesetzt werden. Von Halal-Produkten erhoffte man sich Marktchancen im Ausland.
140 Jahre lange Tradition
Das Unternehmen blickt auf eine mehr als 140-jährige Tradition zurück. Zu DDR-Zeiten befand es sich in Volkseigentum, 1992 wurde es von der Unternehmerfamilie Nitsch übernommen. Die Produktpalette reicht von Fleisch- und Wurstkonserven über frische Produkte bis hin zu Suppen und Fertiggerichten.
Die traditionellen Halberstädter Würstchen sind kamingeräuchert und werden in einem speziellen Verfahren gereift. Laut Erdmann-Nitsch können sie nur in Halberstadt hergestellt werden, da es sich um eine geografisch geschützte Angabe handelt.



