Die Auswirkungen des Irankriegs treiben nach Unternehmensangaben die Kosten für den Hausbau in die Höhe. Der Anstieg beträgt bereits drei bis fünf Prozent. Zudem drohen höhere Heiz- und Stromkosten. Hausbauer müssen sich wegen des Irankriegs auf deutlich höhere Kosten für ihr Eigenheim einstellen.
Kostensteigerungen bei Baumaterialien
„Wir sehen fast überall Kostensteigerungen“, sagt Thomas Reimann, Präsident des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen, der Nachrichtenagentur dpa. Das reiche von Stahl über Beton bis hin zu Dämmstoffen und Folien, die auf Rohöl basierten. Auch das Aufstellen von Kranen sei teurer geworden wegen höherer Dieselkosten bei der Anfahrt. „Insgesamt liegen die Baukosten um drei bis fünf Prozent höher als vor dem Iran-Krieg“, so Reimann, der selbst Bauunternehmer ist.
Aussicht auf schnelle Besserung fraglich
Eine schnelle Besserung erwartet Reimann nicht. „Bauen wird nicht billiger werden.“ Selbst wenn die Rohölpreise am Weltmarkt zurückgingen, dürften Lieferanten zunächst bei ihren Preisen bleiben, prognostizierte er. Bereits 2024 und 2025 waren die Baukosten für konventionelle Wohngebäude laut Statistischem Bundesamt um rund drei Prozent gestiegen. Während des Ukrainekriegs 2022 gab es zeitweise Kostensteigerungen von mehr als 15 Prozent, was zum Einbruch des Neubaus führte.
Politischer Appell für günstigeres Bauen
Reimann appellierte an die Politik, Bauen billiger zu machen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. „Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum birgt soziale Sprengkraft.“ Bauen in Deutschland sei wegen strenger Vorschriften zu teuer. „Wir müssen wegkommen vom Goldstandard.“ Der Unternehmer verwies auf Schweden als Vorbild. Das Land komme mit weniger Baunormen aus und baue entsprechend billiger. „In Belgien und Frankreich sind Stärken von 15 bis 19 Zentimeter für Betondecken üblich, während wir in Deutschland 30 bis 40 Zentimeter verbauen.“ Bei einer dünneren Decke höre man spielende Kinder vielleicht mehr, so Reimann. Das sei verkraftbar.
Höhere Energiepreise prognostiziert
Nicht nur beim Hausbau drohen höhere Kosten, auch der Energieverbrauch dürfte teurer werden. Der Chef des Energie-Vergleichsportals Verivox, Daniel Puschmann, sieht angesichts steigender Gaspreise durch den anhaltenden Irankonflikt anhaltend hohe Heiz- und Stromkosten für deutsche Haushalte voraus. „Wir stehen eher am Anfang höherer Preise bei Gas als am Ende der Entwicklung“, sagte Puschmann der „Augsburger Allgemeinen“. „Je länger der Konflikt andauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die höheren Beschaffungspreise für Erdgas auch in höheren Endkundenpreisen niederschlagen.“
Gaspreise auf höchstem Stand seit 2023
„Gas ist so teuer wie seit März 2023 nicht mehr“, sagte der Verivox-Chef. „Wer neu abschließt, muss derzeit im Schnitt elf Cent pro Kilowattstunde Gas zahlen.“ Damit seien nahezu die zwölf Cent der Gaspreis-Bremse erreicht, die die Ampelregierung nach Beginn des Ukrainekriegs festgelegt habe. Die hohen Gaspreise wirkten zeitversetzt auch auf die Strompreise. „Kostensteigerungen von zehn Prozent pro Haushalt sind möglich“, so Puschmann.
Stromsteuer-Senkung als Entlastung
Hintergrund sei das Merit-Order-Prinzip an der Europäischen Strombörse, wonach sich der Preis an den teuersten Energiequellen ausrichte, die häufig Strom aus Gaskraftwerken seien. Der Neukundenpreis liege schon jetzt mit 28 Cent pro Kilowattstunde zweieinhalb Cent über dem Wert vor Kriegsbeginn. Um Verbraucher zu entlasten, könnte eine Senkung der Stromsteuer auf das europäisch vereinbarte Minimum helfen. „Die Stromsteuersenkung wäre wirksamer als die 17 Cent Entlastung pro Liter an der Tankstelle“, sagte der Verivox-Chef. „Wer 40 Kilometer am Tag fährt, spart sich durch den Tankrabatt in zwei Monaten rund 20 bis 25 Euro. Sinkt die Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau, wäre pro Haushalt eine Entlastung von 90 Euro möglich, gerechnet für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden.“



