Wie Künstliche Intelligenz das traditionelle Dachdeckerhandwerk revolutioniert
Im beschaulichen Bützow in Mecklenburg-Vorpommern zeigt Dachdeckermeister Torsten Habedank, wie moderne Technologien selbst das traditionelle Handwerk grundlegend verändern. Sein Unternehmen „Bedachungen Habedank“ mit Sitz im Nebelring 4 hat sich seit der Gründung 2002 zu einem der 100 Top-Dachdeckerbetriebe Deutschlands entwickelt und beschäftigt heute 14 Mitarbeiter.
Vom Neubau zur Sanierung: Der Wandel der Branche
„Unsere Branche hat sich fundamental gewandelt“, erklärt der 56-jährige Handwerksmeister. „Früher dominierte der Neubau von Eigenheimen unsere Arbeit. Heute sind Sanierungs- und Reparaturaufträge unser tägliches Brot.“ Diese Veränderung spiegelt den Zustand des deutschen Gebäudebestands wider: Von etwa 16,5 Millionen Einfamilienhäusern und 3,3 Millionen Mehrfamilienhäusern befinden sich laut Experten etwa 30 Prozent in katastrophalem Zustand.
Besonders der energetische Sanierungsbedarf ist enorm und führt zu hohen Nebenkosten für Hausbesitzer und Mieter. Habedank hat sich diesem Trend angepasst und ist heute nicht nur Dachdeckermeister, sondern auch zertifizierter Energieberater und PV-Manager.
KI als Schlüsseltechnologie für die Energiewende
„Die Energiewende ist notwendig und wir sollten uns mit erneuerbaren Energien unabhängig machen“, ist Habedank überzeugt. Dabei setzt er besonders auf Photovoltaik-Anlagen. „Auf dem Gebiet Photovoltaik tut sich sehr viel. Die Künstliche Intelligenz erkennt mittlerweile, wie die optimale Nutzung einer PV-Anlage funktioniert.“
Die KI analysiert dabei persönliche Haushaltsstrukturen und ermittelt, wann beispielsweise am meisten Wäsche gewaschen oder Elektroautos geladen werden. Diese datengestützten Erkenntnisse ermöglichen eine präzise Planung und maximale Effizienz der Solaranlagen.
Digitalisierung im Angebotsprozess
Doch die KI findet bei Habedank noch weitere Anwendungsbereiche: „Ich nutze die Künstliche Intelligenz auch, um Angebote zu überarbeiten und als Videoangebot an Kunden zu versenden.“ In diesen Videos werden Dachzustände dokumentiert, Vorteile der Angebote präsentiert und Unterschiede zu Mitbewerbern aufgezeigt.
Diese innovativen Ansätze entwickelt Habedank im regelmäßigen Austausch mit der Kooperationsgemeinschaft der 100 Top-Dachdecker. „Es ist faszinierend zu sehen, was meine Kollegen machen und wie wir voneinander lernen können“, so der Unternehmer.
Nachwuchssorgen und wirtschaftliche Attraktivität
Ein branchenweites Problem bleibt die Gewinnung von Auszubildenden. „Wir müssen neu denken und Strategien entwickeln, wie wir geeignete junge Menschen für unser Handwerk begeistern können“, sagt Habedank. Gleichzeitig ist er optimistisch: „Ich glaube, dass sich das ändern wird. Viele erkennen, dass bestimmte Berufszweige keine Perspektive haben, während handwerkliche Tätigkeiten nicht durch Roboter ersetzt werden können.“
Die wirtschaftliche Attraktivität des Dachdeckerhandwerks habe sich deutlich verbessert. „Wenn ich die Ausbildungsvergütungen von 2002 mit heute vergleiche, ist das ein riesiger Unterschied“, betont Habedank. Moderne Technologien erleichtern zudem die körperliche Arbeit und machen den Beruf angenehmer.
Regionale Verankerung und Zukunftsperspektiven
Die meisten Aufträge erhält das Unternehmen aus der Region, wobei das Geschäft nach dem harten Winter erst wieder anläuft. „Im Januar und Februar konnten wir aufgrund der Witterung nur wenige Arbeiten durchführen“, erklärt Habedank. Die Zeit wurde genutzt, um die Firmenhalle zu renovieren – „hier kann man jetzt vom Fußboden essen“, scherzt der Handwerksmeister.
Zur Kundenbindung und zum Netzwerken präsentiert sich das Unternehmen regelmäßig auf der Baumesse in Rostock. „Dort lernen wir viele potenzielle Partner kennen und pflegen bestehende Kontakte“, so Habedank.
Der Name Habedank soll noch lange am Firmensitz im Nebelring 4 hängen bleiben. „Wir sorgen für die Zukunft. Ich habe meinen Kollegen versprochen, dass die Firma auch in den nächsten 30 Jahren bestehen bleibt“, sagt der stolze Unternehmer. Sein Team ergänzt humorvoll: „Bis auf den Chef sind wir eine super Truppe“ – ein Beweis für die gute Arbeitsatmosphäre in diesem zukunftsorientierten Handwerksbetrieb.



